Lieferengpass: Kein Impfstoff für Babys mehr

VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2010 - 08:34

Düsseldorf (RP) Mitte Januar hatte der Pharma-Großkonzern GlaxoSmithKline Lieferengpässe angekündigt. Nun ist den ersten Arztpraxen in Düsseldorf einer der wichtigsten Impfstoffe für Kleinkinder ausgegangen. Eine derartige Situation hätten sie noch nie erlebt, sagen Ärzte.

Kinderarzt Hermann Josef Kahl zeigt die letzten Impf-Vorräte, die ihm geblieben sind. Foto: RP, Thomas Busskamp
Kinderarzt Hermann Josef Kahl zeigt die letzten Impf-Vorräte, die ihm geblieben sind. Foto: RP, Thomas Busskamp

Kinderärztin Sylvia Schuster zuckt wie viele ihrer Kollegen mit den Schultern. "Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wie das passieren konnte", sagt sie. Gemeint ist der bundesweite Ausverkauf eines Standard-Impfstoffs für Babys, der diese vor lebensbedrohlichen Krankheiten schützt. "Infanrix Hexa" heißt der Stoff. Er wird ab der achten Lebenswoche gespritzt und schützt die Jüngsten vor sechs Krankheiten, darunter Keuchhusten und das Bakterium Haemophilus influenzae, die für Babys lebensbedrohlich sein können.

"Eltern zeigen Verständnis"

Eine "Katastrophe" nennt Kinderarzt Hermann Josef Kahl die Situation. Der Düsseldorfer ist für den Landesverband der Kinder- und Jugendärzte tätig und vermutet, dass möglicherweise auch ein Produktionsfehler hinter dem Ausfall steckt. Offiziell heißt es, dass sich Hersteller Glaxe-Smith-Kline (GSK) zu intensiv um die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffes gekümmert habe. Der Bundesverband der Kinderärzte wirft GSK deshalb vor, aus wirtschaftlichen Gründen das Wohl der Kinder vernachlässigt zu haben.

Auch Sylvia Schuster wundert sich: "Die Neugeborenen-Raten sind schließlich bekannt", sagt sie. In ihrer Praxis verimpfte sie gestern die letzten Dosen. Hermann Josef Kahl hat noch Vorräte für zwei Wochen, die Ärztin Irina Gelmann hingegen verfügt schon seit mehreren Tagen über keinen Sechsfach-Impfstoff mehr. "Ich habe mich mit mehreren Kollegen abgesprochen, dass wir zunächst die Babys versorgen, die noch überhaupt keinen Impfschutz haben", sagt Sylvia Schuster.

Die Praxis von Irina Gelmann weicht derweil auf eine Alternative aus: einen Fünffach-Impfstoff von Hersteller Sanofi. Bei diesem fehlt die Komponente für Hepatitis B. Sie muss mit einem zusätzlichen Pieks verabreicht werden. "Die Eltern zeigen viel Verständnis, wenn man ihnen die Situation erklärt", sagt die Ärztin.

Jedoch ist auch der Fünffach-Impfstoff nur bedingt lieferbar. Er wird in geringeren Mengen produziert, weil die meisten Ärzte das Konkurrenz-Produkt verwenden.

Ein Sprecher des Düsseldorfer Arzneimittel-Großhändlers Von der Linde bestätigt, dass die Nachfrage für den Fünffach-Impfstoff rasant gestiegen ist. Zurzeit sei von GSK weder das Infanrix noch der Vierfach-Impfstoff Priorix gegen Masern, Röteln, Mumps und Windpocken lieferbar. Allerdings kann auch dabei auf alternative Einzel-Impfstoffe ausgewichen werden.

Für viele Ärzte ist die prekäre Situation ein Grund mehr, an alle Eltern und Großeltern zu appellieren, den eigenen Impfstatus zu kontrollieren – um sich und die Kinder vor Ansteckung zu schützen.

Quelle: RP

 
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