Düsseldorf (RP) Der Ex-Generalbevollmächtigte der Stadtsparkasse wehrt sich seit gestern vor dem Arbeitsgericht gegen seinen fristlosen Rausschmiss. Ihm wird angelastet, er habe einen 20-Millionen-Kredit ohne Vorstandsbeschluss zugesagt. Der Vorgang fiel im Rahmen der Pooth-Affäre auf.
Der Ex-Generalbevollmächtigte Christoph Flohr klagt. RP-Foto: T. Busskamp
Einen Vergleichsvorschlag hat das Arbeitsgericht gestern im Prozess zwischen der Stadtsparkasse Düseldorf und ihrem Ex-Generalbevollmächtigten Christoph Flohr angeregt. Der gefeuerte Bank-Manager (39) möge jetzt auf zwei Drittel seines bis 2011 datierten Arbeitsvertrages verzichten (umgerechnet etwa auf 750.000 Euro), dafür aber den Anspruch auf das Ruhestandsgeld behalten – und den Rausschmiss akzeptieren.
Ob damit aber ein Schlussstrich unter den „Fall Flohr“ gelingt, der bei einer Innenrevision wegen der Pooth-Affäre aufgefallen war, ist ungewiss. Die Sparkassenvertreter erhielten gestern vier Wochen Bedenkzeit.
Die Pooth-Affäre hat sogar zwei Sparkassen-Vorstände den Job gekostet: Heinz Martin Humme und Karl Heinz Stiegemann wurden fristlos entlassen. Man wirft ihnen vor, Millionen-Kredite an Franjo Pooth (Ehemann von Verona Pooth) allzu leichtfertig vergeben zu haben, weil sie reichlich privaten Kontakt zu ihm hatten.
Gegen beide wird ermittelt. Humme war zwischenzeitlich wieder als Finanz-Dienstleister bei einer Firma aufgetaucht, die mit Umweltzertifikaten handelt. Stiegemann bietet sich in Briefen an frühere Geschäftspartner als Mitarbeiter einer Unternehmensberatung in Meinerzhagen und dort vor allem für ein Nachwuchs-Manager-Seminar an.
Der einst als Jung-Star gehandelte Flohr war ein Ziehkind von Heinz Martin Humme und nach dessen Weggang in der Sparkasse hoch umstritten. Die Vorwürfe gegen ihn klingen massiv: Im Februar 2008 soll der 39-Jährige einen 20-Millionen-Euro-Kredit für eine Sparkassen-Tochter genehmigt haben – ohne den erforderlichen Vorstandsbeschluss abzuwarten.
Mehr noch: Flohr habe im Nachgang sogar versucht, seine Verfehlung zu verschleiern. So habe er zur eigenen Rechtfertigung ein Protokoll einer Ausschusssitzung vorgelegt, in der unter „Tagesordnungspunkt 7“ angeblich genau über diese millionenschwere Kreditvergabe an die Broker-Tochter der Sparkasse gesprochen worden sei. Einziger Haken bei der Sache: Ein Kollege von Flohr soll dieses Protokoll klammheimlich verändert haben. Und Flohr habe davon gewusst, so das Kreditinstitut. Die fristlose Kündigung für Flohr und der Verlust eines Ruhestandsgeldes waren die Folge.
Per Klage vor der 15.Kammer des Arbeitsgerichts (Az:15 Ca 2609/08) geht Flohr gegen diesen Rausschmiss vor. Er habe ein Schreiben an die Broker-Tochter der Sparkasse zwar unterzeichnet und abgeschickt. Dass es sich dabei aber um eine förmliche Kreditzusage über 20 Millionen Euro gehandelt habe, sei ihm nicht klar gewesen.
Nach einem freien Tag ins Büro zurückgekehrt, habe er „stoßweise Unterschriftsmappen“ vorgefunden, „die abgearbeitet werden mussten“, so sein Anwalt. Dass dabei schon mal ein 20-Millionen-Kredit übersehen werden könne, sei keine böse Absicht, sondern allenfalls Fahrlässigkeit gewesen.
Quelle: RP