Gerresheim: Neues Zuhause für Eidechsen
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 05.05.2008 - 08:43Düsseldorf (RP) Vor dem Neubau von Wohnhäusern am alten Ringofen in Gerresheim mussten die kleinen Reptilien umgesiedelt werden. Sie sind streng geschützt und dürfen wegen Veränderungen in der Stadt nicht ihre Existenzgrundlage verlieren.
Der Konflikt für das Wohnen rund um die alte Ziegelei in Gerresheim war programmiert. Dort will das Immobilienunternehmen Hoch-Tief Construction neue Wohnhäuser bauen. Aber der Platz ist schon besiedelt von einer Kolonie Zauneidechsen. Und die Reptilien genießen besonderen gesetzlichen Schutz, weil sie vom Aussterben bedroht sind und auf der Roten Artenschutzliste stehen. Sie dürfen durch neue Häuser für Menschen nicht ihre Lebensgrundlage verlieren.
Lange, aber konstruktive Verhandlungen zwischen Investor und Landschaftsbehörde brachten dann doch eine Lösung: Ein großes Umsiedlungsprogramm für die kleinen Echsen wurde gestartet. 57wurden zu einem eigens eingerichteten Biotop in der Nähe des Gerresheimer Waldfriedhofs gebracht. „Wir haben mit einem hohen fünfstelligen Betrag das Herrichten einer geeigneten Siedlungsfläche für die Zauneidechsen finanziert“, berichtet Unternehmenssprecher Bernd Pütter.
Auf etwa 2200 Quadratmeter liegen Steinhaufen, alte Pflastersteine und kleine Sandbänke, umgeben von Wiesen mit kleinen Büschen und alten, modernden Baumstämmen. „Diese Wohnlandschaft entspricht genau den Bedürfnissen der Zauneidechsen“, erklärte Norbert Richarz. Der Abteilungsleiter im städtischen Gartenamt hatte zusammen mit dem Gutachter Manfred Henf das Ausweichquartier für die Zauneidechsen entdeckt. Eine Fläche neben dem Waldfriedhof, auf der die Stadt im Lauf der Jahre Steine und Baumaterial für eine Friedhofserweiterung abgekippt hatten.
Die Umsiedlung ins neue Quartier ist abgeschlossen. Vier erwachsene Zauneidechsen hatten in der neuen Heimat schon überwintert, 45 Jungtiere brachte Henf vor kurzem zum Biotop und setzte sie aus. Er hatte sie bereits im vorigen Jahr am Ringofen eingefangen,. „Aber sie waren noch so klein, dass sie wahrscheinlich einen Winter in ungewohnter Umgebung nicht überlebt hätten“, erklärte Henf. Also fütterte er sie mit Mehlwürmern und Kleinstlebewesen von Wiesen in einem Terrarium durch.
Neben den jungen Eidechsen setzte Henf dann noch einmal acht Alttiere aus. Die waren im Herbst am Ringofen übersehen worden und jetzt erst kurz vor den Rodungen der Büsche entdeckt und für den Umzug gefangen worden. „Die Population ist jetzt so groß, dass sie sich im neuen Gelände behaupten und ausbreiten kann“, sind Richarz und Henf überzeugt.
Und die Manager von Hoch-Tief haben ein gutes Gewissen, wenn sie mit dem Bau der Wohnungen am Ringofen beginnen.
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