Nach der Schießerei geht die Angst um: Revierkämpfe im Zocker-Milieu
VON CHRISTIAN HERRENDORF UND ANKE KRONEMEYER - zuletzt aktualisiert: 16.10.2008 - 07:15Düsseldorf (RP) Nach einer Schießerei und Schlägerei unter 30 bis 40 Personen am Fürstenwall geht in der Nachbarschaft die Angst um. Die Polizei meint, die Täter zu kennen: rivalisierende Gruppen aus Köln, Langenfeld und dem Ruhrgebiet, die sich in Düsseldorf um die Aufteilung von Revieren streiten.
In. der Buchhandlung am Fürstenwall waren Bücher gestern Nebensache. „Ich wollte nur mal gucken, ob es allen gut geht“, sagt der vermeintliche Kunde. „Ist schon in Ordnung, wir haben nichts abgekriegt“, sagt die Verkäuferin, vor deren Tür am Montagabend eine handgreifliche Auseinandersetzung mit einen Pistolenschuss endete. Seitdem geht die Angst um am Fürstenwall und an der Corneliusstraße. Wenn die Anwohner über den Vorfall sprechen, dann nur anonym. Keine Namen, keine Fotos und bitte auch keine Andeutungen. „Das waren ganz harte Kaliber, mit denen will hier keiner Ärger.“
Dienstag, 17.15 Uhr: Wie aus dem Nichts entwickelt sich in einer Gruppe von 30 bis 40 Männern im Hinterhof des Hauses Fürstenwall 214 ein Streit. Erst schlagen sich die rivalisierenden Gruppierungen, dann fällt ein Schuss. Die Patronenhülse wird später von der Polizei gefunden. Vom Fürstenwall zieht ein Teil der Streitenden in Richtung Jahnstraße. Ein Mercedes mit Duisburger Kennzeichen, besetzt mit mehreren Personen, rast davon. Der Wagen wird später an der Bachstraße gefunden – leer. Den Fahrer und Beifahrer, 26 und 28 Jahre alt, stellen die Polizisten später an der Jahnstraße. Die Beamten finden eine Dose mit Marihuana, ein Messer und mehrere Tausend Euro bei ihnen. Diese beiden Männer sind die einzigen, die die Polizei nach dem tumultartigen Streit vernehmen kann. Alle anderen sind verschwunden. Aber auch das Duo schweigt. Sie hätten nichts mit der Schlägerei und dem Schuss zu tun, behaupten sie.
Türken, Kurden, Libanesen
Dieses Verhalten ist für die Polizei nichts Ungewöhnliches. Wilhelm Schwerdtfeger, Leiter der Kriminalinspektion im Polizeipräsidium Düsseldorf, die auch die Organisierte Kriminalität bearbeitet, weiß, mit wem er es zu tun hat. „Das sind rivalisierende Gruppen aus Köln, Langenfeld und dem Ruhrgebiet, die sich hier um die Aufteilung der Reviere streiten.“ Auch die Nationalitäten kann er zuordnen: „Es handelt sich um Türken, Kurden und Libanesen.“
Der Kripo-Chef will nicht ausschließen, dass es bei diesen Revierkämpfen um Auseinandersetzungen im Glücksspiel-Milieu geht. Es sei offensichtlich, dass „Interessenssphären neu abgesteckt werden sollen“. Heißt: Die Verteilungskämpfe in der Düsseldorfer Zocker-Szene sind in vollem Gange. Die unterschiedlichen Banden kämpfen um die Macht – und setzen dafür alle Mittel ein. Schwerdtfeger ist sich sicher: „Die Auseinandersetzung am Fürstenwall ist schnell zustande gekommen und hat sich ebenso schnell aufgelöst. Dennoch war die Massenschlägerei organisiert und als Provokation gemeint.“
Die Kripo kämpft seit Jahren gegen die Ausweitung des illegalen Glücksspiels. „Alle drei bis vier Wochen machen wir eine Razzia“, sagt Schwerdtfeger. Das spiegelt sich in den Zahlen wider: 2007 wurden 32 Verfahren wegen illegalen Glücksspiels eingeleitet. Im Jahr zuvor waren es noch 14, 2005 zehn, im Jahr 2004 fünf. Ziele der Razzien sind verbotene Glücksspiel-Lokale, Kulturvereine, Internet-Cafés, Call-Shops. Bei ihren Kontrollen stößt die Polizei nicht nur auf verbotene Roulette-Automaten, sondern auch auf Hehler und Drogen-Bunker. Oft werden auch Personen ermittelt, die illegal in Deutschland sind. Wenn sich dann noch Prostituierte in den Lokalen aufhalten, muss der Wirt oder Ladeninhaber mit einer Anzeige wegen Förderung der Prostitution rechnen. Genau diese Kulturvereine oder Glücksspiel-Lokale sind es auch, die den Anwohnern rund um Corneliusstraße und Fürstenwall Angst machen. „Das sind doch alles Zockerbuden“, sagt einer. Aus einem dieser Etablissements an der Corneliusstraße sollen die beiden Gruppen gekommen sein, deren Streit zu dem Schuss führte. Der Schuss vom Montag ist nicht der erste Vorfall dieser Art in der Gegend. Ende Juni war an der Jahnstraße, nahe des jetzigen Tatorts, ein 38-jähriger Albaner niedergeschossen worden. Auch damals traf die Polizei auf eine Mauer des Schweigens. Keiner hatte etwas gesehen, gehört, mitbekommen.
Die beiden Männer, die am Montag von der Polizei gestellt wurden, sind wieder auf freiem Fuß. Sie müssen mit Anzeigen wegen Drogen- und Waffenbesitzes rechnen. „Wir werden weiter kontrollieren“, kündigt Wilhelm Schwerdtfeger an. Was er bedauert: „Straftäter aus dem Glücksspiel-Milieu werden von deutschen Gerichten selten zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die meisten kommen mit Bewährung davon.“
da wird rein gar nichts unternommen, eher sollte man mal forschen, wer da die Hand aufhält, daß die schon Jahrzehnte dort unbehelligt zocken. Und regelmäßig alle paar Jahre eskaliert dort irgendwas. Kültürverein,...
Ich habe mehrere Jahre dort gewohnt. Regelmässige Razzien habe ich nicht wahrgenommen. Die Corneliusstrasse war immer schon eine ''Zockermeile''. Vor allem die Stadtverwaltung hat zugesehen,...
Was die Polizei hier Berichtet ist doch nichts neues in der Friedrichstadt, war es früher rund um der Luisenstraße oder Scheuerenstraße stattfand, findet man heute im gesamten Stadtteil Friedrichstadt...
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