Düsseldorf (RP) In einem Brief an den Leitenden Polizeidirektor beklagt ein Dienstgruppenleiter der Altstadtwache dramatische Zustände an der längsten Theke der Welt. Hier lesen Sie Auszüge aus dem Brief des Dienstgruppenleiters im Wortlaut:
Foto: rpo, Johannes Bornewasser
„(...) Beide Tage waren grundsätzlich geprägt von Alkoholübersättigung und einem Höchstmaß an Gewaltbereitschaft. Kaum ein Besucher der Altstadt stellte sich noch normal dar. Je später die Nacht, desto größer der Wahnsinn. (...) Die Gewaltspirale dreht sich immer schneller. (...)
Jeder Einsatz war geprägt von höchster Aggression und Gewaltbereitschaft. Wenn die Polizeibeamten einschreiten mussten, ging dies fast nie ohne Zwangsmaßnahmen. Beteiligte und Unbeteiligte attackierten die Beamten verbal und durch Angriffe, Einmischen, Beleidigen („Rassist“ und „Nazi“ waren die „Renner“ der Nacht), Flaschenwürfe aus der zweiten Reihe, körperliche Attacken (...) Beleidigungen erfolgten auch regelmäßig ohne konkreten Anlass im Vorbeigehen, wenn für die Beleidiger erkennbar war, dass die Beamten auf dem Weg zu einem Einsatz waren. (...)
Es konnte ebenfalls nicht verborgen bleiben, dass die Beamten jeweils nur in der Lage waren, den unmittelbaren Einsatzanlass zu lösen, nicht aber das Chaos darum herum. Ich bin stolz, dass wir die jeweiligen Grundanlässe regeln konnten. Dies war stellenweise auf der Kippe und nicht von vornherein klar. Es tut mir allerdings jetzt noch weh, dass wir als Beamte der Altstadtwache mehrfach zu Statisten des Sauf- und Erlebnistourismus degradiert wurden, man sich ungestraft an uns reiben durfte, uns bespucken und beleidigen konnte und wir nichts dagegen machen konnten.
Der Eindruck in der Öffentlichkeit ist da. Ich wurde mehrfach darauf angesprochen, warum sich die Polizei so etwas bieten lässt. (...) Zusammengefasst darf ich aber feststellen, dass unser Ansehen in der Öffentlichkeit zusehends sinkt und erhebliche Auswirkung bei der Durchführung von Maßnahmen hat. (...)
Ich denke, bevor wir an einem der nächsten Wochenenden tatsächlich einmal einen Einsatz aus der Hand geben werden und die Chaoten damit glauben, die Altstadt übernommen zu haben, müssen weitere Maßnahmen erfolgen. (...)
Wenn wir als Polizei der Entwicklung keinen Einhalt gebieten und sich die Gewalt wie in den letzten Wochen ansteigend entwickelt, sehe ich für Silvester und Karneval absolut schwarz. Sollten die Störer, die die selben sind wie in unseren Nachtdiensten, bis dahin nicht begriffen haben, dass wir, die Polizei, das Gewaltmonopol in der Altstadt haben, werden wir die Einsätze verlieren. Die Entwicklung auf der Straße läuft (...)
Ich habe an diesem Wochenende Mitarbeiter erlebt, die länger in der Altstadt sind (...) , aber auch Berufsanfänger, die ihre Feuertaufe erleben mussten. Ich musste in den Gesichtern stellenweise Angst sehen und habe sie in Gesprächen zum Teil auch erlebt. Einige sprechen nicht darüber, weil dies nicht cool ist. (...)
Bisher habe ich immer damit argumentieren können, dass es „da draußen im Einzelfall“ schon einmal hart zugeht, es aber nicht die Regel sei. Das hat sich geändert. Es ist die Regel und diese Regel muss wieder gebrochen werden (...)“
Quelle: RP