Bildungsstreik: Universität geht auf Besetzer zu
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 10:35Düsseldorf (RP) Zwei Stunden versuchte das Rektorat, den Bildungsstreit mit den Studierenden zu schlichten. "Uns sind in vielen Punkten die Hände gebunden", erklärte Prorektor Lutz Schmitt. Hinter den Kulissen aber scheint die Uni bereits darüber nachzudenken, das Bachelorstudium umzubauen.
Bis Sonntag will die Universität Düsseldorf ihren Studierenden den Hörsaal 3D noch überlassen. Dann könnte Bewegung in den Bildungsstreik kommen. Denn Rektor Hans Michael Piper kehrt von seiner China-Reise zurück und will am Montag um 11 Uhr zu den rund 100 Studenten sprechen, die seit drei Tagen den Hörsaal besetzen. Es ist davon auszugehen, dass er noch am selben Tag durchgreift und im Zweifelsfall den Saal räumen lässt.
Denn Pipers Gesprächsangebot ist schon das dritte der Hochschulleitung zum derzeitigen Streik. Gestern stellten sich Prorektor Lutz Schmitt und Pipers Referent Stephan Laux. Sie besuchten die Studierenden im besetzten Hörsaal und diskutierten rund zwei Stunden die Forderungen. Fazit von Student Jan Lis (21): "Das Rektorat will sich herausreden, indem es immer auf fremde Zwänge hinweist." Fazit von Prorektor Schmitt: "Die Studenten, die den Saal besetzen, sind sehr heterogen und inhaltlich uneins."
Schmitt versuchte deshalb am Ende der Debatte klarzumachen, dass das Rektorat nicht nur für die streikende Gruppe, sondern für insgesamt 16 000 Studenten der Heine-Universität verantwortlich sei. Sie sollten weiterhin reibungslos lernen können. Die Besetzer forderte er jedoch versöhnlich auf, ihre Forderungen konkretisiert vorzulegen. "Das gilt vor allem im Hinblick darauf, was wirklich machbar ist", so Schmitt.
Das Gefühl der Hilflosigkeit sprachen nicht nur Studierende an, auch Schmitt erklärte: "Allen sind hier die Hände gebunden." Er versuchte aufzuzeigen, dass die Hochschule nur ins Curriculum und den organisatorischen Aufbau des Studiums eingreifen könne. "Die Politik hat Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen eingeführt." Die Uni Düsseldorf könne nicht im Alleingang das System umkrempeln. Jan Lis hielt dagegen: "Jede Hochschule entscheidet selbst, ob sie Gebühren verlangt, und der Senat der Uni könnte sie abschaffen." Viel Applaus erhielt daraufhin die Forderung, dass die Uni ein Zeichen setzen könnte, wenn sie als erste in NRW die Gebühr abschafft.
Auf einen grünen Zweig kamen beide Seiten nicht. "Wir wollen mehr als nur ein bisschen konstruktiv mitarbeiten", forderte eine Studentin. Ihr Kommilitone erklärte: "Wir können das ,Ja, aber' nicht mehr hören. Wenn Sie die gleichen Probleme sehen wie wir, dann solidarisieren Sie sich mit uns!" Mehrfach ging Schmitt mit einem "Gerne!" auf Vorschläge ein.
Unter anderem sollen die Fakultäten angewiesen werden, dass Studierende wegen mehrfacher Krankmeldung nicht gleich aus Seminaren ausgeschlossen werden dürfen. Der Rektor sei immer gesprächsbereit, versicherte er, und: "Noch sind wir alle eine Universität."
Derweil scheint das Rektorat hinter den Kulissen bereits beim Bologna-Prozess, der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge, nachbessern zu wollen. Für einige Studiengänge wird überlegt, ob der Bachelor von drei auf vier Jahre ausgeweitet wird. "Diese Diskussion werden wir führen", kündigt Schmitt an. Als Konsequenz müsse überlegt werden, ob der Master wegfalle und die Promotion sich direkt anschließe.
@Kopen Hagen / Datum: 22.11.09 13:28 Liegt ''Kopen Hagen'' nicht in Fristad Christiania? Klären Sie mich bitte auf, ob es sich um das Anarchistennest handelt. Danke.
Diese Art Verantwortung von sich abzuwälzen ist mehr als schändlich! wenn man liest, dass das Rektorat für nichts verantwortlich ist, was die wichtigen Belange der Studierenden angeht, dann...
Normalerweise geht die Polizei auf Besetzer zu.

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