Anonymer Hinweis brachte die Polizei auf die richtige Spur: Immendorff feierte regelmäßig Kokspartys
zuletzt aktualisiert: 18.08.2003 - 15:13Düsseldorf (RPO) Düsseldorf (dto). Als die Tür zur Suite im Steigenberger Parkhotel aufging, hatte Jörg Immendorff wohl eher den Besuch zweier weiterer Damen erwartet, stattdessen betraten sechs Polizisten, drei Staatsanwälte sowie ein Polizist mit Spürhund die Edel-Suite. Was diese auffanden, hatte laut Auskunft der Staatsanwaltschaft einen "eindeutig sexuellen Hintergrund". Der bekannte Künstler Jörg Immendorff ist am Samstagabend mit Kokain und neun Frauen erwischt worden. Die Drogen- und Sexparty im Wert eines fünstelligen Betrages kommen dem bekannten Künstler nun teuer zu stehen. Immendorff droht wegen Drogenbesitzes eine Haftstrafe von einem Jahr. Die Polizei hatte die Überraschungsrazzia in dem Hotel einem anonymen Hinweis zufolge gestartet.
Es war nicht die erste Party, die in diesem Rahmen im Steigenberger stattfand. Anhand der Rechnungen, die das Nobelhotel der Polizei zeigte, hatte Immendorff seit Februar 2002 mehrfach Drogen- und Sexpartys dort gefeiert. Als die Polizei am vergangenen Samstag gegen 17 Uhr die Nobelsuite betrat, war die Party bereits in vollem Gange. Sieben leicht bekleidete Frauen räkelten sich dort, Jörg Immendorff befand sich in unmittelbarer Nähe eines Tabletts, auf dem mehrere Kokain-Linien bereit standen. "Die Koks-Linien waren gebrauchsbereit", sagt Johannes Mocken, Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. "Immendorff selbst hatte schon das Kokain konsumiert".
Elf Gramm Kokain fanden die Ermittler vor Ort, weitere 15,6 Gramm in der Wohnung und dem Atelier des Künstlers. Nach eigenen Angaben soll Immendorff über einen Mittelsmann den Stoff erworben haben. Im Laufe des Abend kamen zwei weitere bestellte Frauen in das Hotel, alle neun sind Prostituierte aus dem Raum NRW, alle über 18 Jahre alt und gemeldet. Sie haben nach Auskunft der Polizei in Zeugenaussagen gesagt, dass sie kein Kokain genommen haben und Immendorff ihnen auch keines angeboten habe.
Im Frühjahr diesen Jahres hatte die Polizei ein anonymer, computergeschriebener Brief erreicht. Darin stand, dass schön häufiger in dem Hotel Partys dieser Art stattgefunden hätten, unter anderem auch mit sehr jungen Frauen. Minderjährige Frauen waren an diesem 16. August nicht anwesend, wohl aber eine Menge Kokain. "Jörg Immendorff hat bereits vor Ort alles gestanden und sich auch bei den anschließenden Vernehmungen sehr kooperativ gezeigt", so Mocken. Dabei gab der Künstler, der an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrt, auch zu, dass er bereits seit Anfang der 90er Jahre regelmäßig Koks konsumiere.
Aufgrund des Hinweises nahm die Polizei Kontakt mit dem Steigenberger Parkhotel auf, das nach Angaben der Polizie kooperativ alte Hotelrechnungen von Immendorff vorlegte. Außerdem bestätigte man dort, dass für den Samstag erneut eine Suite gebucht sei. Dass der anonyme Hinweis aus dem Hotel kam, schließt die Polizei aus. Möglicherweise hat eine Frau, die schon einmal an einer Party teilgenommen hatte, den Brief geschrieben.
Wie hoch das Strafmaß sein wird, ist noch nicht klar, da das LKA wegen eines Stromausfalls noch nicht untersuchen konnte, wie hoch der Wirkgehalt des Kokain ist. Laut Staatsanwaltsprecher Mocken drohen ihm aber mindestens ein Jahr Haftstrafe. Sollte sich doch herausstellen, dass er an die Frauen Kokain abgegeben hat, erhöht sich das Strafmaß.
Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium will als Dienstherr des Hochschulprofessors zunächst eine schriftliche Mitteilung der Staatsanwaltschaft zum Ermittlungsstand abwarten. "Das ist der übliche Weg", sagte ein Ministeriumssprecher. So lange gelte die Unschuldsvermutung. Es gebe eine Reihe von "Abstufungen, dienst- und disziplinarrechtlich zu reagieren". Im Falle einer Verurteilung zu mehr als einem Jahr Haft könne die Beendigung des Beamtenstatus die Konsequenz sein.
Von BIRGIT KRANZUSCH
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