Für den US-Fotografen Spencer Tunick: Düsseldorfer sitzen nackt auf Bäumen

zuletzt aktualisiert: 07.08.2006 - 10:39

Düsseldorf (RPO) Düsseldorf (dto). Hunderte Nackte mitten in Düsseldorf: Für den US-Künstler Spencer Tunick haben sich am Sonntagmorgen 850 Frauen und Männer ausgezogen. Pünktlich um sechs Uhr entblätterten sich die Frauen und Männer - bei nur 14 Grad posierten sie stundenlang für den 38-Jährigen. Nach seiner Anweisung schufen sie eine meterhohe Körperskulptur, legten sich in den Park und kletterten auf Bäume. Der Künstler ist nicht unumstritten: Seinen Aufrufen folgen zwar zehntausende Menschen, doch wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses war er bereits mehrfach mit den Behörden in Konflikt.

Die Passanten staunten: Nackte Männer hingen in den Bäumen. Foto: rpo, Falk Janning
Die Passanten staunten: Nackte Männer hingen in den Bäumen. Foto: rpo, Falk Janning

Die Düsseldorfer Performance fand im Rahmen der Quadriennale06 statt. Das erste Kunstjahr, das die Stadt in vierjährigem Turnus ausgerufen hat, dreht sich rund ums Thema "Körper". Tunicks Kunstaktion war alles andere als ein Happening: Die Teilnehmer waren zwar nackt, doch alles hatte seine Ordnung. Tunick behielt alles im Griff - freundlich aber bestimmt gab er seine Anweisungen und dirigierte die Laienschar wie eine Mischung aus Platzanweiser und Regisseur.

Voyeure kamen bei all der Ordnung zwischen Absperrbändern und Toilettenhäuschen vermutlich nicht auf ihre Kosten. Es hatten sich nur wenige Zaungäste versammelt. Die jungen und alten Amateurmodelle bibberten bei der Kälte, wohl nur getröstet durch die Nähe der anderen Nackten.  

Seit 1992 fotografiert der Künstler weltweit Nackte im öffentlichen Raum. Düsseldorf war das erste deutsche Kunstprojekt des Amerikaners. Tausende haben sich schon bei Wind und Wetter für ihn entblättert und ließen sich dann hüllenlos von ihm ablichten. Er platziert seine "Models" auf Marktplätzen, in Parks oder auf kühlem Straßenpflaster.

Deutschland kennt Tunick von Reisen nach Berlin, Hamburg und München. Düsseldorf hat er erstmals vor drei Jahren besucht, damals schon nach möglichen Plätzen für seine Körperinstallation am Rheinufer und in der Stadt Ausschau gehalten. Seitdem versuchte ihn auch Mattijs Visser, Kurator des museum kunst palast, für eine Aktion in der Rheinmetrople zu gewinnen. Tunick zeigt sich dankbar für die Hartnäckigkeit. "Für mich wird in Düsseldorf ein Traum wahr", erklärte er.

Seine Werke bezeichnet Tunick als "lebende Skulpturen" oder "Körperlandschaften". "Mich reizt der Kontrast zwischen der Verletzlichkeit des nackten Körpers und der kalten Anonymität öffentlicher Plätze", erläutert der Künstler. Probleme hatte Tunick nicht, ausreichend Freiwillige zu finden. "Ich habe den Eindruck, die Leute fühlen sich wohl in ihren Körpern", erklärt er, "in der Masse entsteht außerdem ein schützendes Gefühl."

Über mangelndes Interesse konnte sich der in Middletown (New York) geborene Künstler bislang nie beklagen. Er rief, und die Nackten kamen freiwillig in Scharen. 50.000 Menschen meldeten sich bislang weltweit von Ecuador bis Ägypten für seine Installationen an. Nicht immer zur Freude der Behörden. Fünf Mal wurde er in Manhattan festgenommen, zweimal landete er wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses hinter Gitter. „Für den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Giuliani bedeutete der Körper Verbrechen und Gewalt“, empört sich der Künstler.

Dennoch: Über 65 Installationen hat Tunick seit 1994 realisiert und mit Fotos dokumentiert. Spektakuläre Projekte, etwa für die Londoner Saatchi Gallery oder die Biennale São Paulo, fanden eine Vielzahl von Teilnehmern und große Medienresonanz. Allein im vergangenen Jahr inszenierte er drei Happenings. 2.000 Menschen zogen sich im Mai bei eiskaltem Wetter mitten in Brügge aus. 1.500 entblätterten sich in Newcastle und Gateshead in Nordengland. Der Containerhafen von Lyon war die Kulisse für ein weiteres Fotoshooting im September in Lyon.

Über einen Rekordandrang konnte er sich im Jahr 2003 in Barcelona freuen. 7.000 Menschen im Adams- und Evakostüm stürmten vor die Kamera. "Ich liebe die Spanier. Die Leute haben so viel Energie und zeigen viel persönlichen Ausdruck", schwärmt Tunick.

Neben den Installationen unter freiem Himmel zeigt das museum kunst palast vom 30. September bis 12. November Fotografien der aktuellen und von vergangenen Aktionen von Spencer Tunick.



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Autor: Walfängerjäger | 09.08.06 17:59 (1/28)
Schuster! Bleib bei Deinen Leisten!...
Sie regen sich also lautstark darüber auf, daß es einer gewagt hat, wildfremde Menschen zu Hunderten oder Tausenden zu bitten bei einem künstlerischen Schaffungsprozeß zu assistieren, damit...
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Autor: Walfängerjäger | 09.08.06 17:17 (2/28)
Großer Dank gebührt Mr. Spencer Tunick!...
Gottseidank kommen wir endlich zu einem sehr wichtigen Diskussionspunkt, nämlich zu der Frage, ob Herr Spencer Tunick als künstlerischer Photograph eine ''kritische Absicht'' verfolgt hat, obwohl...
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Autor: Walfängerjäger | 09.08.06 16:05 (3/28)
Worum es eigentlich geht...
Als einer von den (eher begeisterten) Teilnehmern, der sich für eine wirklich ernste und gute Sache ausgezogen hat, möchte ich ich mich hier ebenfalls zu Wort melden, da mich einige der hier...
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