Fortuna

Fortuna: Rekord-Fortune am Jadebusen

VON MICHAEL BOLTEN - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009 - 10:27

Düsseldorf (RP) Kurz nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Fortunas Nationalspieler Paul Janes nach Wilhelmshaven in die Marine einberufen. Dort sollte er dem örtlichen SVW 05 zu mehr Glanz verhelfen. Bei seinem Gastspiel an der Nordsee imponierte der Düsseldorfer mächtig.

Info

Das ist Paul Janes

Geboren am 11. März 1912 in Küppersteg (Leverkusen), gestorben am 12. Juni 1987 in Düsseldorf. Vereine Fortuna Düsseldorf, SV Wilhelmshaven. Länderspiele 71 (sieben Tore). Deutscher Meister 1933 mit Fortuna.

Am 11. Dezember 1940 konnte der Wilhelmshavener Kurier seinen sportinteressierten Lesern eine große Überraschung bieten: „Der Rekord-nationale Paul Janes spielt bei Wilhelmshaven 05.“ Obwohl die Fortuna nichts unversucht ließ, um eine Einberufung ihres Stars Paul Janes in die Wehrmacht zu verhindern, wurde dieser im Dezember 1940 zur Marine nach Wilhelmshaven einberufen.

Dabei dürfte es sich bei der Festlegung des Standortes kaum um einen Zufall gehandelt haben. Denn erst ein gutes Jahr zuvor kam es mit Zustimmung sportbegeisterter Marineoffiziere zur Fusion der beiden Wilhelmshavener Konkurrenten VfL 05 und WSV 06 zum neuen Verein SV Wilhelmshaven 05. Gleichzeitig wurde W05 am grünen Tisch in die höchste Spielklasse, die Gauliga Niedersachsen, befördert. Die Offiziere waren daran interessiert, gute Fußballer zum Marinestandort in Wilhelmshaven zu holen, um W05 zur Fußballmacht zu machen und eine erstklassige Marineelf vorzeigen zu können.

In seiner ersten Partie für W05 spielte Janes sogleich gegen alte Bekannte aus der Gauliga Niederrhein, nämlich die Elf von Hamborn 07. Die Westdeutschen verloren die Partie mit 0:1 und Janes hielt, so der Kurier, „was er seinem großen Namen schuldig war“. Während die Fortuna in eine sportliche Krise stürzte und am Ende der Saison 1941/42 sogar abstieg, entwickelte sich in Wilhelmshaven ein unvergleichlicher Fußballboom. Die Kritiken, die Janes erhielt, hätten nicht besser ausfallen können: „Seine Strafstöße rissen das Publikum zu spontaner Begeisterung hin“ und ein „überragender Könner“ lauteten nur zwei der vielen Lobeshymnen auf ihn im Kurier.




Er übernahm in der neuen Elf sogleich eine Leitfunktion. Als beim Freundschaftsspiel gegen Rot-Weiss Essen in der ersten Halbzeit den Norddeutschen nichts gelang, las Janes laut Kurier „einzelnen Spielern in der Kabine die Leviten“. W05 gewann mit 3:2. Neben Janes glänzten vor allem der Schalker Spitzenspieler Barufka und Torwart Haas im roten 05-Dress.

Janes spielte in jener Zeit nicht nur für W05, sondern auch für die Wilhelmshavener Marineelf. So reiste er im Oktober 1941 mit der Marineauswahl nach Friedrichshafen zum Freundschaftsspiel gegen eine Auswahl Oberschwabens. „Die 1800 Zuschauer waren vor allem auf den Nationalspieler Paul Janes gespannt, der mächtig imponierte“, hieß es im Kurier. Neben seinen Länderspieleinsätzen trat Janes gelegentlich auch noch für die Fortuna an. Er trug somit in jenen Jahren die Trikots von vier verschiedenen Teams.

Trotz seines Könnens gelang es bis zu seiner Versetzung nach Brunsbüttelkoog im Sommer 1942 nicht, mit W05 den Titel eines Gauligameisters zu holen. Die Wilhelmshavener konnten sich erst in den folgenden Jahren an die Spitze ihrer Liga setzen und in den Kampf um die Deutsche Meisterschaft eingreifen. Für den Titel reichte es zwar nicht, doch die Jahre 1939 bis 1944 gelten als „wahrhaft einmaliger Erfolg für den Wilhelmshavener Fußball“, so heißt es in einer Jubiläumsschrift aus dem Jahre 1955. Die Versetzung nach Wilhelmshaven dürfte auch dem einen oder anderen Kicker das Leben gerettet haben - sie mussten wegen des Erfolgs nicht an die Front.

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Quelle: RP

 
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