Langenfeld/Monheim (RP) Weil es bei Mehrfach-Impfstoffen für Säuglinge und Kleinkinder Liefer-Engpässe gibt, sind heimische Kinderärzte auf eigene Reserven angewiesen – falls vorhanden. Andere haben bereits Nach-Impfungen verschoben.
Info
Impfplan
Die erste Basis-Impfung (Sechsfach-Impfung) erhalten Babys ab dem vierten Lebensmonat.
Die Vierfach-Impfung gegen klassische Kinderkrankheiten gibt's nach dem ersten Lebensjahr.
Auf die erste Impfung folgen jeweils mehrere Nach-Impfungen.
Weitere Infos unter
www.rki.de/stiko
Dr. Holger Muscheid hat einen großen Kühlschrank im Keller seiner Kinderarztpraxis an der Metzmacherstraße in Langenfeld. Der ist mit Impfstoffen gut gefüllt. Sehr zum Wohle seiner kleinen Patienten, wie sich besonders in diesen Tagen erweist, da viele besorgte Eltern anrufen. Denn am Wochenende wurde bekannt, dass seit Mitte Januar sieben verschiedene Kinderimpfstoffe nicht mehr lieferbar sind. "Unsere Reserven reichen bis Anfang März. Da der Impfstoff-Engpass bis spätestens Ende Februar behoben sein soll, sind wir zum Glück nicht direkt betroffen", gibt Muscheid zumindest für seine Praxis vorerst Entwarnung.
Hersteller in Umstellungsnöten
Am heikelsten gelten die Lieferschwierigkeiten bei den beiden einzigen verfügbaren Mehrfach-Impfstoffen, zum einen dem Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hirnhaut-Entzündung, Kinderlähmung und Hepatitis B, zum anderen dem Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Der Hersteller Glaxo-Smith-Kline begründet den Engpass mit der vorrangigen Produktion von Impfstoff gegen die Schweinegrippe.
"Seit November ist die Impfung gegen H1N1 praktisch zum Erliegen gekommen. Deshalb leuchtet mir nicht ein, warum so spät mit der Produktionsumstellung begonnen wurde", kritisiert Muscheid den Hersteller. Auch die Informationspolitik lasse zu wünschen übrig: "Unsere Pharmavertreterin hat uns vor zwei Wochen vorgewarnt – kurz nachdem sie selbst von dem Engpass erfahren hatte. Dabei dürften die Schwierigkeiten sicher schon vor Wochen abzusehen gewesen sein."
Den Impfstoff-Vorrat in Muscheids Keller verdanken die kleinen Patienten einem ersten Engpass vor rund zwei Jahren: "Damals waren viele tausend Dosen unbrauchbar, weil in einem Transport-Flugzeug die Kühlkette unterbrochen gewesen war." Daraus hat der Langenfelder Arzt die Lehre gezogen, stets genügend Impfstoff für drei bis vier Wochen auf Vorrat zu haben.
Hätte er dies nicht, bestünde noch die Möglichkeit, auf Einzel-Impfstoffe zurückzugreifen. "Das würde aber für die Kinder mehr Pikse bedeuten – keine gute Alternative also." Eher würde er Auffrischungs-Impfungen aufschieben, um mehr Erst-Impfungen zu ermöglichen. "Der frühestmögliche Basisschutz für jedes Kind sollte auf jeden Fall Vorrang haben."
Vorrang für Erst-Impfungen
Das findet auch Dr. Ursula Wargalla-Plate von der Heinestraße in Monheim. Sie hat deshalb bereits einige Nachimpfungen verschoben, um bis Ende Februar genug Dosen für die noch gänzlich ungeschützten Babys zu haben. Sollte Glaxo-Smith-Kline entgegen der Ankündigung erst später wieder liefern können, stünde laut Wargalla-Plate noch ein Konkurrenzprodukt zur Verfügung: "Es handelt sich um einen Fünffach-Impfstoff. Gegen Hepatitis B müsste dann extra geimpft werden."
Und falls einer Praxis der Impfstoff ausgeht, die anderen aber noch genügend übrig haben? "Dann", so Holger Muscheid, "hilft man sich untereinander aus".
Quelle: RP