Erkrath (RP) Die Ökumenische Initiative für die 3. Welt unterstützt die Gesundheitsstation in dem Dritte-Welt-Land. Bei einem Spenden-Essen werden Gelder gesammelt, um Kranke zu versorgen. Das Land leidet an den Folgen schwerer Stürme.
Ingrid Fehrenbacher (stehend) begrüßt beim „Fairen Essen für Haiti“ Yves Polynice, der über seine Heimat berichtet. RP-Foto: Dietrich Janicki
Fay, Gustav, Hanna und Ike, die schweren Wirbelstürme von August und September, haben auf der Karibikinsel Hispaniola, auf der sich die Staaten Haiti und die Dominikanische Republik befinden, deutliche Spuren hinterlassen. Haiti als eines der ärmsten Länder der Welt ist besonders betroffen. Dies stößt auf Interesse bei der Ökumenischen Initiative für die 3. Welt, die seit Jahren eine Gesundheitsstation in Ti-Tanyen in der Nähe der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince unterstützt.
So wurde jetzt ein Spendenessen organisiert, dessen Erlös in das Projekt fließen soll. Und bei dem Dr. Yves Polynice von der Hilfsorganisation Haiti-Med über die aktuelle Situation im Katastrophengebiet berichtete. Zunächst konnte Dr. Polynice die Teilnehmer beruhigen. Die Gesundheitsstation selbst sei von den Stürmen so gut wie gar nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Doch etliche Orte ganz in der Nähe seien schwer verwüstet worden, allein in Gonaives wurden mehr als 400 Tote und rund 600 000 Obdachlose beklagt, berichtete der Chirurg, der hauptberuflich am Benrather Krankenhaus tätig ist, sich darüber hinaus aber bei Haiti-Med engagiert.
Info
Schon viel gesammelt
In den ersten 15 Jahren seit ihres Bestehens stellte die Ökumenische Initiative für die 3. Welt Erkrath e.V. rund 150 000 Euro für das Projekt Gesundheitsstation Ti-Tanyen in Haiti zur Verfügung.
In der Station arbeiten regelmäßig drei Krankenschwestern, eine Apothekerin und eine Hilfskraft, zu Markttagen kommt außerdem ein Arzt ins Haus.
Die Erkrather Initiative ist bemüht, den Arzt stärker an die Einrichtung zu binden, dafür sind allerdings mehr Mittel nötig
www.erkrath-haiti.de
Täglich 30 bis 50 Patienten
Die Station in dem 3000-Einwohner-Dorf behandelt vor allem Frauen und Kinder aus der Region. Täglich kommen zwischen 30 und 50 Patienten. Generell sei es um das Gesundheitswesen im Lande allerdings schlecht bestellt, räumte er ein. Noch vor wenigen Jahren hätten gerade mal 800 Ärzte für das gesamte Land zur Verfügung gestanden. Unter dem Regime von Jean-Bertrand Aristide hätte sich das etwas gebessert, da seien weitere 800 Ärzte aus Kuba geholt worden. Und 2001 wurde sogar eine Uni gegründet und mit der Ausbildung von etwa 100 Ärzten begonnen. Leider sei diese Uni nach dem Sturz von Aristide wieder geschlossen worden, seitdem passiere auf diesem Gebiet nichts mehr, beklagte Dr. Polynice.
Jahrelang ausgebeutet
Jahrelange Ausbeutung des Landes habe zu einer miserablen Infrastruktur und großer Armut geführt, berichtete der Chirurg . In die Landwirtschaft wurde nicht investiert, weil manche Produkte viel billiger aus den USA importiert werden konnten. Nun räche es sich, längst wurden große Teile der fruchtbaren Böden von Unwettern weggeschwemmt, die arme Bevölkerung suche ihr Heil in der Flucht in reichere Länder. Hier sei Haiti kein Einzelfall, betonte Polynice und verwies auf die Flüchtlinge aus Afrika, die sich in winzige Boote zwängen, um in Europa eine neue Chance zu finden.
Wichtig sei die Unterstützung von Projekten wie der Gesundheitsstation durch kleine Gruppen wie die Erkrather. Das habe den Vorteil, dass überschaubar ist, was mit dem Geld passiert und es nicht in dunklen Kanälen versickert. Helfen kann man auch, indem man Produkte aus den betroffenen Ländern erwirbt, wie beispielsweise Kaffee aus Haiti im Eine-Welt-Laden.
Quelle: RP