Erkrath: Keine Medikamente gegen CO
VON OLIVER WIEGAND - zuletzt aktualisiert: 13.09.2007Erkrath (RP) Im Fall einer Katastrophe durch austretendes Kohlenmonoxid wären Ärzte vor Ort zunächst machtlos. Der Erkrather Mediziner Dr. Jürgen Korbmacher hat früher als Notarzt Erfahrungen mit dem Atemgift gesammelt.
Der Erkrather Arzt Dr. Jürgen Korbmacher weiß, wie tödlich Kohlenmonoxid (CO) wirkt, das die Firma Bayer in einer rund 70 Kilometer langen Leitung durch den Kreis Mettmann transportieren möchte.
Der niedergelassene Internist hat früher als Notarzt in Düsseldorf gearbeitet. Auch als Arzt auf der Intensivstation im Gerresheimer Krankenhaus ist er immer wieder mit Fällen von Kohlenmonoxid-Vergiftung konfrontiert worden.
„Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung. Das kann auch im heimischen, mit Gas betriebenen Durchlauferhitzer der Fall sein“, sagt der Internist. In der Landeshauptstadt hat er erlebt, dass ein junger Mann tot in der Wohnung gefunden wurde, dessen Gasboiler defekt war und zu viel Kohlenmonoxid ausströmte.
„Kohlenstoffmonoxid ist ein sehr gefährliches Atemgift. Es bindet, wenn es in den Blutkreislauf gelangt, etwa 220mal stärker an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin als Sauerstoff an“, erklärt Korbmacher. Mit der Zeit werden 50 Prozent des Hämoglobins im Blut blockiert.
Symptome einer CO-Vergiftung sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, unnatürliche Euphorie und dann die Bewusstlosigkeit. Da man das Gas weder riechen noch schmecken kann, ist es besonders tückisch, so Korbmacher.
Vor allem die Organe wie Herz, Leber und Nieren sind vom Sauerstoffmangel betroffen, am gefährlichsten wäre CO aber für das Gehirn, das dringend auf ausreichend Sauerstoff angewiesen ist.
Sollte es in Erkrath zu einem Bruch der Leitung kommen, könnten Mediziner vor Ort wie Korbmacher zunächst nicht viel helfen. „Ich könnte selbst gar nicht in das Gebiet, das kann nur die Feuerwehr nur unter Atemschutz“.
Die Opfer müssten schnellstmöglich mit Sauerstoff beatmet werden oder bei schwereren Vergiftungen in Überdruckkammern gebracht werden. Die Krankenhäuser in Mettmann und Düsseldorf-Gerresheim hätten aber im Fall des Falles wahrscheinlich gar nicht genug Beatmungsplätze frei.
Gesetz rückgängig machen
Unterdessen haben die Grünen im Landtag einen Gesetzentwurf eingebracht, um das extra und damals auch mit dem Stimmen der Grünen beschlossene Enteignungsgesetz wieder rückgängig zu machen. Eine umfassende rechtliche Überprüfung des Gesetzes habe laut Grünen ergeben, dass das vom Landtag beschlossene Gesetz für den Bau der Rohrleitung nicht verfassungsgemäß sei.
Durch den Bau der Leitung würden die Grundrechte von Eigentümern verletzt. Darüber hinaus diene sie nicht dem Allgemeinwohl. „Wir hoffen, dass die Mehrheit im Landtag den Mut hat, das Gesetz zu kippen“, so Dr. Bernhard Ibold, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag.
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