Wülfrath: Trauer nach Bluttat
VON OLIVER WIEGAND UND R. MAIROSE-GUNDERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.11.2009 - 20:00Wülfrath (RP) Vor dem Eingang des Kinder- und Familienzentrums Ellenbeek haben Bürger Kerzen und Grablichter aufgestellt. Sie erinnern an die schreckliche Bluttat, die sich am Freitag Abend gegen 19.50 Uhr dort ereignete.
Der 42-jährige Wülfrather Familienvater Sedat E. tötet seine von ihm getrennt lebende 33-jährige Ehefrau Filiz E. mit einem gezielten Kopfschuss. Direkt vor dem Eingang des Kindergartens bleibt die Leiche der Frau liegen. Wenige Meter weiter nimmt sich der Schütze mit einem Kopfschuss selbst das Leben. Noch am Abend der Tat versammeln sich viele Freunde und Verwandte vor dem Kindergarten.
Anwohner, Nachbarn und Verwandte sind fassungslos. Alle wissen, was passiert ist, viele kennen das Opfer auch persönlich. Über die Motive kann nur spekuliert werden. In Frage kommen nach Informationen unserer Redaktion Eifersucht, enttäuschte Liebe, Zurückweisung und die Vermutung des Mannes, seine Ehefrau habe eventuell einen Liebhaber gehabt. Er soll seine Frau schon mit dem Tod bedroht haben. Filiz E. habe die Drohungen aber nicht ernst genommen.
Werte und Normen
So genannte "Ehrenmorde" treten häufig in islamisch geprägten Ländern auf. Sie sind jedoch nach Ansicht einiger Wissenschaftler kein religiöses, sondern ein soziales Problem.
Menschen töten, weil sich meist eine Frau, nicht an tradierte Normen und Verhaltensregeln gehalten hat. Für Außenstehende sind solche Taten nur schwer zu verstehen. Aus der Sicht des Täters gilt die Ehre nach dem Mord als wieder hergestellt.
"Hilfsbereit und fleißig"
Der 42-jährige Familienvater Sedat E. arbeitete bei Tedrive. Er wohnte getrennt von seiner Frau und seinen 8, 11 und 14 Jahre alten Söhnen in Wülfrath. Seine 33-jährige Frau versuchte, mit mehreren Putzstellen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die 33-jährige Filiz E. wohnte an der Tiegenhöfer Straße und soll sich rührend um ihre Söhne gekümmert haben.
Sie ist schon im Alter von 16 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. "Für ihre Kinder war sie immer da", berichten Schulkameraden. Filiz E. galt als hilfsbereit und fleißig. "Sie hatte viele Freundinnen und gehörte zur Gruppe Kardelen, mit der sie viel unternahm", sagte Soley Kahraman, Ehefrau des Vorsitzenden des islamischen Vereins, Hayrettin Kahraman.
Dass beide Eheprobleme hatten, war im Umfeld hinlänglich bekannt. "Das Ganze tut uns sehr leid. Wir sind sehr bestürzt und traurig", sagte Soley Kahraman.
Ihren Angaben nach werden heute die Leichname in der Wülfrather Moschee gewaschen. Die Waschung des Mannes übernehme der Vorbeter, die der getöteten Frau eine Dame aus der türkischen Gemeinde.
Anschließend werden beide in weiße Tücher gehüllt und in Särgen in die Türkei, wo die Eltern von Filiz E. leben, zur Beisetzung geflogen. Die drei Kinder der Familie sind zurzeit bei Bekannten untergebracht. Über ihren späteren Verbleib muss von offizieller Seite entschieden werden.
"Wir sind alle sehr geschockt"
"Wir sind alle sehr geschockt", sagte Gudula Kohn, Leiterin des Familienzentrums Ellenbeek. Heute möchte sie sich mit den Mitarbeitern zusammensetzen und besprechen, ob jemand Unterstützung benötigt oder Hilfe von außen geholt werden soll. "Wir werden bei Bedarf alle Familien begleiten".
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