Sohn Moritz trägt den Sarg mit: Abschied von Monica Bleibtreu
zuletzt aktualisiert: 30.05.2009 - 18:32Hamburg (RPO). Familie und Freunde der preisgekrönten Schauspielerin haben am Samstag auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf Abschied von Monica Bleibtreu genommen. Ihr Sohn Moritz trug am Samstag zusammen mit sieben anderen Männern ihren Sarg von der Kirche zum Grab. Sie war am 14. Mai nach schwerer Krankheit gestorben.
Mit zwei weißen Rosen in der Hand betritt Schauspielerin Hannelore Elsner am Samstag die mit Kerzenlicht beleuchtete Halle auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf. Gemeinsam mit Kollegen wie Uwe Ochsenknecht und Katja Riemann nimmt sie Abschied von der Mitte Mai nach langer Krebserkrankung verstorbenen Schauspielerin Monica Bleibtreu. Unter den rund 300 Trauernden bei der Beisetzung sind neben Angehörigen unter anderen auch die Regisseure Detlev Buck und Tom Tykwer sowie die Schauspieler Alexandra Maria Lara und Herbert Knaup.
Nachdem ein Großteil der Gäste im Gedenken an die Künstlerin Kerzen angezündet und Platz genommen hat, tritt der Sohn und Schauspielkollege der Verstorbenen, Moritz Bleibtreu, vor die Trauergemeinde. "Ich habe mir vorher keinen Text überlegt, weil ich dachte, die Worte würden mir jetzt einfallen", beginnt er seine Ansprache. "Vielen Dank, dass so viele heute gekommen sind. Das rührt mich echt", sagt der 37-jährige Schauspieler. Seiner Meinung nach sei die Trauerfeier mit einer Theateraufführung vergleichbar: "Ich stehe vor Euch, Ihr schaut zu, und die Hauptdarstellerin schläft." Es dürfe durchaus gelacht werden, falls es ihm gelinge, tatsächlich einen Witz zu machen, kommentiert er lächelnd verhaltene Lacher aus dem Publikum.
In seiner mehr als 20-minütigen Rede erinnert Bleibtreu vor allem an die Großherzig- und Gutmütigkeit seiner Mutter. Weil sie stets auf das Wohl anderer geachtet habe, seien ihre eigenen Bedürfnisse oftmals zu kurz gekommen. "Jeder, den sie geliebt hat, war ihr näher als sie selbst. Ich finde es deshalb gemein, dass sie nicht länger bei uns bleiben konnte", sagt Bleibtreu, der erkennbar um Fassung ringt. "Ich bin so dankbar und fühle mich privilegiert, dass ich eine solche Mutter hatte."
In ihrem Beruf sei seine Mutter indes eine Schauspielerin gewesen, die in erster Linie für sich gespielt habe, um ihre Persönlichkeit näher erkunden und die Welt besser verstehen zu können. Aber wie jeder Schauspieler habe sie natürlich auch das Publikum gebraucht. "Ich bitte sich deshalb um einen warmherzigen Applaus für meine Mutter", sagt er. Und so erhebt sich nach dem letzten Takt des eingespielten Liedes "Das Glück ist ein Vogel" die Trauergemeinde und würdigt die Schauspielerin mit einem minutenlangen Applaus.
Dem anschließenden Tauerzug zur letzten Ruhestätte von Monica Bleibtreu schließen sich sichtlich berührt unter anderen Elsner und Schauspielerin Hannelore Hoger an. Moritz Bleibtreu führt den Zug als einer der Sargträger an.
Monica Bleibtreu war überraschend in der Nacht zum 14. Mai im Alter von 65 Jahren in Hamburg gestorben. Die Schauspielerin war zuletzt in dem Film "Hilde" im Kino zu sehen. Für ihre Darstellung einer Klavierlehrerin in einem Frauengefängnis in dem Drama "Vier Minuten" war sie 2007 mit dem Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Diese Auszeichnung hatte die in Hamburg lebende Österreicherin 2005 neben dem Adolf-Grimme-Preis auch für die Rolle als unheilbar an Krebs erkrankte Frau in dem ARD-Fernsehfilm "Marias letzte Reise" bekommen.
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