Karikaturenstreit: Ägypten verbietet Verkauf von "Spiegel" und "Focus"
zuletzt aktualisiert: 10.02.2006 - 13:25Kopenhagen (rpo). Ägypten hat den Verkauf der deutschen Nachrichtenmagazine "Focus" und "Spiegel" untersagt. Grund ist der Streit um die Karikaturen des Propheten Mohammed, von denen Ausschnitte aus anderen Zeitungen in den genannten Magazinen abgedruckt worden waren.
Das Münchner Magazin "Focus" legte dagegen bei Ägyptens Präsident Husni Mubarak und dem ägyptischen Botschafter in Berlin, Mohammed el Orabi, Protest ein. Die Chefredakteure des Magazins, Helmut Markwort und Uli Baur, schrieben in einem am Freitag veröffentlichten Brief: "Wir werten das als einen eklatanten Eingriff in die Pressefreiheit." Diese Zensur solle "umgehend" aufgehoben werden. Der "Focus" habe die Karikaturen im Ausriss aus anderen Zeitungen "als zentralen Gegenstand" eines Artikels gezeigt. "Das bedeutet nicht, dass wir diese Karikaturen billigen oder gut finden, aber sie sind eindeutig ein Dokument der Zeitgeschichte und müssen daher im richtigen Zusammenhang der deutschen Bevölkerung zur Kenntnis gebracht werden."
Er gehe davon aus, dass die nächste Ausgabe des "Spiegel" in Ägypten wieder verkauft werden dürfe, sagte der Sprecher des Hamburger Magazins, Hans-Ulrich Stoldt, der Nachrichtenagentur AFP. Was ihn wundere sei, dass die ägyptische Zeitung "El Fagr" die Karikaturen gedruckt habe und unbeanstandet geblieben sei.
Redakteur von "Jyllands-Posten" beurlaubt
Der Feuilleton-Redakteur der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", der für die Veröffentlichung der umtrittenen Mohammed-Karikaturen verantwortlich zeichnete, ist auf unbestimmte Zeit beurlaubt worden. Unterdessen wurde die Internetseite einer schwedischen Partei geschlossen, auf der die Karikaturen veröffentlicht worden waren.
Der Redakteur der "Jyllands-Posten" ist bis auf weiteres im Urlaub. Die Redaktionsleitung und Flemming Rose hätten übereingestimmt, "dass er bis auf weiteres eine Arbeitspause braucht", erklärte Tage Clausen, ein Sprecher der Zeitung, am Donnerstag. "Jyllands Posten" aus Aarhus hatte die Karikaturen im September vorigen Jahres als erste Zeitung veröffentlicht.
Tags zuvor waren Meinungsverschiedenheiten zwischen Rose und Chefredakteur Carsten Juste über einen Abdruck iranischer Holocaust-Karikaturen publik geworden. Rose hatte erklärt, sein Blatt erwäge die Veröffentlichung dieser Zeichnungen. Die iranische Zeitung "Hamschahri" hat angekündigt, sie wolle mit einem Karikaturen-Wettbewerb zum Holocaust testen, ob der Westen das Prinzip der Meinungsfreiheit auch in diesem Fall anwende. Juste schloss einen Abdruck wenig später aus.
Internetseite geschlossen
Aus Angst vor dem Zorn radikaler Muslime ist nach Angaben von "Focus" auch die Internetseite der schwedischen Partei Sverigedemokrater (Schwedische Demokraten) zwangsweise geschlossen worden. Auf der Seite waren nicht nur die Karikaturen erschienen, die zuvor in Dänemark veröffentlicht worden waren, sondern auch weitere Islam-kritische Karikaturen, zu denen die Partei offenbar aufgerufen hatte.
Die Partei hatte die Leser gebeten, eigene Karikaturen einzusenden. Auf einer Zeichnung soll eine Mohammed-Figur mit einer Augenbinde vor einem Spiegel zu sehen sein. Auf ihr sei zu lesen: "Dänischer Mohammed. Selbstzensur".
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