Zum Tod von Klausjürgen Wussow: Als Kitsch noch schön war
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 20.06.2007 - 14:17Düsseldorf (RPO). Geschichten aus dem Showgeschäft kommen selten ohne das Wort "eigentlich" aus. Denn eigentlich hätte Armin Müller-Stahl die Rolle des Professor Brinkmann in der "Schwarzwaldklinik" übernehmen sollen. Weil sich der spätere Hollywood-Star aber nicht an eine Serie binden wollte, übernahm Klausjürgen Wussow den Part des Lieblingsarztes der Nation. Und schrieb TV-Geschichte.
Zwischen 1985 und 1989 tobte regelmäßig Fernsehstreit in deutschen Wohnzimmern. Mutter wollte die "Schwarzwaldklinik" sehen. Reifere Damen schätzten den vertrauenswürdigen Professor Brinkmann. Jüngere Semester hielten es mit Sascha Hehn, dem cabriofahrenden Serien-Sohn Udo. Die braune Matte stets geföhnt, der Pollunder locker über die breiten Schultern drapiert. Väter rebellierten. Kitschig fanden sie die Weißkittel-Schmonzetten aus dem Glottertal. Und überhaupt: Krankenhäuser sind schon schlimm genug, muss man sich dies auch noch im Fernsehen antun? Kinder wurden damals selten gefragt. Andere Zeiten.
Am Ende setzte sich meist Mutter durch. Einschaltquoten untermauern subjektive Erinnerung. Bis zu 30 Millionen Zuschauer schalteten zu besten Zeiten ein. Dies entsprach einem Marktanteil von 80 Prozent. Heutigen Fernsehmacher steigen bei diesen Zahlen Tränen in die Augen.
Gute Serien leben von glaubwürdigen Konflikten der Hauptpersonen, schrieb Drehbuch-Guru Syd Field vor vielen Jahren. Und Konflikte gab es auch in der "Schwarzwald"-Klinik reichlich.
Professor Brinkmann, der sich für die Sorgen und Nöte seiner Patienten aufreibt, die eigene Gesundheit dabei vergisst. Der Professor kann sich das Rauchen nicht abgewöhnen, wie menschlich. Erst ein Herzinfarkt (erlitten natürlich im OP-Saal) lässt ihn umdenken. Die Liebe zu Schwester Christa (Paraderolle für Gaby Dohm) macht ihn endlich glücklich.
Auch Sohn Udo lebt, liebt und heilt. Schmachtende Zuschauerinnen sind sicher: Udo bricht nur deshalb rücksichtslos die Herzen der Krankenschwestern, weil er so verzweifelt nach Liebe sucht. Der Schwerenöter als eigentliches Opfer. Auch unter seinem dominanten Vater leidet der Nachwuchs-Chirurg. Udo ist ein Hitzkopf, Streit gibt es oft. Am Ende auch hier, natürlich: Versöhnung.
Neben diesen großen Themen wird in den 45 Minuten natürlich geheilt, gestorben, gelacht, geweint, geliebt, gehasst und gelebt. Alles im malerischen Glottertal. Und ganz Deutschland schaute zu. Mitten drin Klausjürgen Wussow. Wer heute den Namen "Schwarzwaldklinik" hört, denkt zuerst an Professor Brinkmann, dann an die Streicher aus der Anfangsmusik.
Kitsch, keine Frage. Aber schöner Kitsch, zumindest damals. Und die Serie, die Klausjürgen Wussow unsterblich macht.
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