Im Mai starb "Else Kling" in der "Lindenstraße": Annemarie Wendl ist tot
zuletzt aktualisiert: 04.09.2006 - 17:57Köln (rpo). Annemarie Wendl ist tot. Die Schauspielerin verkörperte fast 21 Jahre lang die Else Kling in der "Lindenstraße". Erst Ende Mai war die 91-Jährige den Serientod gestorben.
Die Schauspielerin starb am Sonntagmittag an den Folgen eines Herzversagens in ihrer Münchner Wohnung. Dies gab die Familie am Montagnachmittag bekannt, wie das Pressebüro der "Lindenstraße" berichtete. Annemarie Wendl gehörte seit dem Start der ARD-Serie "Lindenstraße" im Jahre 1985 zum Ensemble der Dauerserie.
Die legendäre Nervensäge starb am 28. Mai in Folge 1.069 "Abschied und Ankunft". Else Kling schlief am Himmelfahrtstag beim Anschauen der "Lindenstraße" im Fernsehen allein in ihrem Wohnzimmer friedlich ein. Annemarie Wendl hatte sich aus gesundheitlichen Gründen gezwungen gesehen, mit der Schauspielerei aufzuhören. Sie hatte bereits einen leichten Schlaganfall und vier Lungenentzündungen erlitten und einen Halswirbel angeknackst. Das Pendeln zwischen ihrem Wohnort München und dem Drehort Köln-Bocklemünd wurde immer anstrengender.
In insgesamt 712 Episoden hat Else Kling gemeckert, geklatscht und Nachbarn belauert. Ihr Mann Egon Kling, bis 1987 Hausmeister, hatte ihre Herrschsucht am Ende nicht mehr ertragen und sich scheiden lassen. Kaum ein Jahr später, im Juli 1998, wurde er auf dem Weg zum Fußball-WM-Finale in Paris von einem Mofa überfahren und tödlich verletzt. Schauspieler Wolfgang Grönebaum war am 16. März 1998 zwei Tage nach seinem 71. Geburtstag gestorben.
Produzent Hans W. Geißendörfer reagierte mit tiefer Trauer und Betroffenheit auf die Todesnachricht. "Im Januar dieses Jahres stand Annemarie noch vor unseren Kameras." Die "Lindenstraße" und Millionen von Zuschauern verdankten ihr wunderbare Fernseherlebnisse. "Für mich persönlich ist mit Annemarie auch eine sehr gute Freundin gestorben", sagte Geißendörfer.
WDR-Intendant Fritz Pleitgen sagte, das deutsche Fernsehen verliere eine beeindruckende Charakterdarstellerin. "Annemarie Wendl hat ganz wesentlich zum Erfolg der 'Lindenstraße' beigetragen", erklärte er. "Obwohl sie nicht die sympathischste Rolle im Drehbuch der Serie spielte, hatte sie eine große Fangemeinde." Wendl habe mit Hausmeisterin Else Kling eine authentische Serienfigur geschaffen, die Millionen im Gedächtnis bleiben werde. "Ihre Auftritte im Treppenhaus oder an der offenen Wohnungstür waren legendär."
Programmdirektor Ulrich Deppendorf sagte, die von Wendl erschaffene Else Kling sei eine Kultfigur. "Sie war beinahe ein Synonym für die Serie selbst: Wer an Else Kling denkt, denkt an die 'Lindenstraße' und umgekehrt."
Theaterrollen bis ins hohe Alter
Annemarie Wendl wurde 1914 in Trostberg (Oberbayern) geboren. Ihre Schauspielausbildung begann sie bei Lucie Höflich. Danach spielte sie viele klassische Theaterrollen, darunter an Bühnen in Augsburg, Bonn, Innsbruck, München, Berlin, Bamberg und Ingolstadt.
Noch im hohen Alter ging sie 1997 neben ihrer Arbeit in der "Lindenstraße" in Georg Lohmeiers Stück "Die Witwe zum Grünen Baum" auf Tournee. Darüber hinaus war sie im Jahr 2001 in "Sanssouci" von Peter Stripp an der "Tribüne" in Berlin zu sehen. Daneben wirkte sie in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen mit.
Sie selbst bezeichnete Else Kling als eine der wichtigsten Rollen ihres Lebens. "Über so viele Jahre ein Biest zu spielen und dennoch beim Publikum anzukommen, war eine große Herausforderung für mich." Allerdings sei der Charakter Else Klings sicher kein Teil von ihr, "dazu sind wir zu verschieden". Sie habe ihr aber zu einer Popularität verholfen, die sie sich in den kühnsten Träumen nicht erhofft habe.
Wendl lebte zuletzt in München. Sie hinterlässt einen Sohn. Die Beerdigung findet auf Wunsch der Verstorbenen im engsten Familien- und Freundeskreis statt.
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