Schauspielerin stirbt mit 91 Jahren: Annemarie Wendl war 20 Jahre das Gesicht der "Lindenstraße"
zuletzt aktualisiert: 05.09.2006 - 11:30Köln/München (rpo). Das Gesicht der "Lindenstraße"? Da fällt sofort der Name "Else Kling". Kein Wunder, schließlich war Annemarie Wendl fast 21 Jahre lang dabei, 712 Episoden spielte sie die Hausmeisterin "Else Kling". Es sei die wichtigste Rolle ihres Lebens gewesen, sagte sie einmal. Aber Annemarie Wendl, die am Montag verstarb, hatte auch ein Leben vor der "Lindenstraße".
Am 28. Mai 2006 war die betagte Schauspielerin zum letzten Mal auf dem Bildschirm zu sehen. Aus gesundheitlichen Gründen hatte sich die zuletzt stark geschwächte Mimin auf eigenen Wunsch aus der Serie verabschiedet und aus der aktiven Arbeit zurückgezogen. Am Sonntag starb Wendl im Alter von 91 Jahren in ihrer Münchner Wohnung an den Folgen eines Herzversagens, wie ihre Familie nach Angaben des WDR am Montag bekannt gab.
Zwei Jahrzehnte lang war die Rolle Teil ihres Lebens - aber die Else sei sicher kein Teil von ihr, dazu seien sie zu verschieden, sagte Wendl selbst. "Sie hat mir aber zu einer Popularität verholfen, wie ich sie mir in den kühnsten Träumen nicht erhofft habe. Und das in einem Alter, in dem die meisten schon im Ruhestand sind", verriet die im oberbayerischen Trostberg geborene Schauspielerin.
Zuvor hatte sie lange Theater gespielt, Mitte der 1970er Jahre war sie in dem Fassbinder-TV-Film "Ich will doch nur, dass ihr mich liebt" zu sehen. Noch 1997 ging Wendl neben ihrer Arbeit in der "Lindenstraße" in Georg Lohmeiers Stück "Die Witwe zum Grünen Baum" auf Tournee. Zudem war sie 2001 in "Sanssouci" von Peter Stripp an der "Tribüne" in Berlin zu sehen.
Seit der ersten Folge dabei
In der in München angesiedelten "Lindenstraße" war Wendl seit Folge 1 im Jahr 1985 dabei. Als ziemlich schwieriger und konservativer Hausdrache in ihrer typischen geblümten Kittelschürze und als Mutter von Olaf Kling, die sich überall ungebeten einmischte, gelangte sie zu großer Popularität. In der Lindenstraße, Hausnummer 3, führte sie ein strenges Regiment und wachte über Sitte und Anstand. Im vergangenen Jahr gab Wendl dann öffentlich ihren Ausstieg bekannt - zum Entsetzen ihrer Fans.
Ihr sei die Entscheidung furchtbar schwer gefallen, räumte Wendl seinerzeit ein. "Aber meine gesundheitlichen Probleme und mein Alter zwingen mich dazu. Ich kann einfach nicht mehr." Der Drehstress und das Pendeln zwischen dem Drehort Köln und ihrem Wohnsitz München waren zuviel geworden. In einem Interview zeigte sie sich aber auch einmal überzeugt, dass ohne sie in der Serie "das Salz in der Suppe" fehlen werde.
"Nur noch Haut und Knochen"
Ende Juli berichtete sie in einem Interview mit einer Frauenzeitschrift, dass sie "nur noch Haut und Knochen" sei und in ihrer Wohnung rund um die Uhr von einer Pflegerin betreut werden müsse. "Sonst müsste ich ins Pflegeheim und das will ich nicht", betonte die Darstellerin.
Ihren letzten Drehtag hatte die Münchnerin bereits Ende Januar 2006. Die Dreharbeiten zu Else Klings Tod liefen sogar schon im Spätsommer 2005. Ihr Ende in der "Lindenstraße" hatte Wendl gemeinsam mit Produzent Hans W. Geißendörfer konzipiert. Es werde ein "würdiger und ergreifender Abschied", hatte sie angekündigt. Und so war Else Kling in Folge 1069 "Abschied und Ankunft" friedlich, aber ohne ihren Filmsohn Olaf an ihrer Seite, entschlummert.
"Die 'Lindenstraße' und Millionen von Zuschauern verdanken Annemarie Wendl wunderbare Fernseherlebnisse. Für mich persönlich ist mit Annemarie auch eine sehr gute Freundin gestorben", sagte Geißendörfer. Die Beerdigung findet laut WDR auf Wunsch der Verstorbenen im engsten Familien- und Freundeskreis statt. Wendl hinterlässt einen Sohn. Ihr Mann war im Zweiten Weltkrieg gefallen. Wendl hatte seitdem nie mehr geheiratet.
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