Gegen Schleichwerbung: ARD beschließt harte Maßnahmen
zuletzt aktualisiert: 13.09.2005 - 16:44Stuttgart (rpo). Die ARD geht in die Offensive: Als Reaktion auf den Schleichwerbung-Skandal setzen die Intendanten auf harte Maßnahmen. Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber sagte am Dienstag: "Oberstes Ziel der ARD ist es, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit ihres Programms unter allen Umständen sicher zu stellen."
Mit den beschlossenen Maßnahmen zögen die Sender die richtigen Schlüsse aus den Vorfällen bei der Bavaria und ihren Tochterunternehmen. SWR-Intendant Peter Voß betonte: "Die ARD ist nicht Täter, sondern Opfer."
Nach Angaben von SWR-Justiziar Hermann Eicher, dem Leiter der neuen Clearingstelle gegen Schleichwerbung, wurde Product-Placement nicht im ARD-Gemeinschaftsprogramm festgestellt, sondern nur bei Auftragsproduktionen. Der beschlossene Maßnahmenkatalog sieht unter anderem eine Präzisierung der Produktionsverträge mit Blick auf das Schleichwerbeverbot vor.
"Das Risiko hinsichtlich drohender Konsequenzen aus einem Schleichwerbefall wird künftig deutlich höher sein als der gegebenenfalls bestehende Anreiz, daraus finanzielle Vorteile zu ziehen", sagte Eicher. In die neuen Produktionsverträge werden den Angaben zufolge Vertragsstrafen und Schadenersatzforderungen aufgenommen.
Programmbeobachtungsstelle beim WDR
Ferner wird beim WDR eine Programmbeobachtungsstelle angesiedelt. Sie soll Vorabendsendungen auf Schleichwerbung beobachten und die zuständigen Redaktionen bei Verdachtsfällen informieren. "Sie soll nicht die redaktionelle Abnahme entwerten", betonte Eicher. In Zukunft will die ARD auch auf reine Produktionskostenzuschüsse verzichten. Das soll sowohl für das Gemeinschaftsprogramm als auch für die dritten Fernsehprogramme gelten.
In einem Bericht dokumentiert die ARD alle ihr bekannten Fälle von Schleichwerbung. Darin werden Fälle in den Serien "Marienhof", "In aller Freundschaft" und unter anderem auch "Tatort"-Produktionen genannt. Ins Rollen gebracht hatte die Affäre eine Veröffentlichung über die Produktionsfirma Bavaria, an der unter anderem auch der Südwestrundfunk beteiligt ist.
SWR-Intendant Peter Voß sagte: "Was wir aufklären konnten, haben wir gemacht." Es seien bei der Bavaria Konsequenzen gezogen worden. Vier Personen seien fristlos entlassen und acht abgemahnt worden. Laut Voß steht in dieser Angelegenheit auch die Glaubwürdigkeit der EU-Kommission auf dem Spiel. Diese wolle Product-Placement bei den kommerziellen Anbietern liberalisieren, aber nicht bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Voß bekräftigte seine ablehnende Haltung von Schleichwerbung, egal, wer sie mache. Sie sei Betrug am Zuschauer und auch gegenüber dem normalen Werbekunden nicht in Ordnung.
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