ARD-Doku befasst sich mit Sex-Tabu
zuletzt aktualisiert: 20.08.2004 - 14:32München (rpo). Am heiligen Sonntag befasst sich eine ARD-Dokumentation mit einem Thema, das in kirchlichen Kreisen wenn überhaupt, dann nur mit spitzen Fingern behandelt wird. Der Titel des Films: "Das Sex Tabu. Priesterseminare im Zwielicht".
Dabei geht der Film dem Skandal von St. Pölten nach (Sonntag, 17.30 Uhr). Die Autoren Ute-Beatrix Giebel und Thomas Leif sprechen mit Zeugen der österreichischen "Sex-Enklave", die von homosexuellen Beziehungen zwischen geistlichen Leitern und Priesteranwärtern berichten. Zugleich fragen sie nach den Zuständen an deutschen Priesterseminaren. Dabei kommen auch Kritiker zu Wort, die einen anderen Umgang mit homosexuellen Priestern und Priesteranwärtern verlangen.
Eine Forderung, das Zölibat abzuschaffen, wie dies derzeit diskutiert wird, stellt der Film nicht. Er macht aber klar, dass der katholischen Kirche der Priesternachwuchs ausginge, würden die Obrigkeiten strikt homosexuelle Anwärter von den Seminaren ausschließen. Die Katholische Bischofskonferenz verfasste intern bereits ein Schreiben, wonach homosexuell veranlagte Kandidaten dann geweiht werden dürfen, wenn sie "in überzeugender Weise sexuelle, personale und geistliche Reife und Integration" zeigen, zitiert der Film das Papier.
Am Ende geht der Beitrag auf das Thema Kindesmissbrauch ein. Dabei lassen die Autoren einen Täter zu Wort kommen, der trotz Schuldeingeständnis seine Berufung als Priester weiter leben möchte, jedoch von der Kirche suspendiert wurde. Helga Peteler, Beraterin des Bistums Köln, kritisiert solches Vorgehen. Es sei "unchristlich" und "ein Stückchen kriminell", dass die Kirche mit dem Ausschluss der Täter das Thema für erledigt halte. Opfer kommen in dem Film allerdings nicht zu Wort.
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