Vergabe der Auszeichnung am Samstag Abend in Marl: ARD und Sat.1 räumen bei Grimme-Preisen ab
zuletzt aktualisiert: 02.04.2004 - 14:14Marl (rpo). Der Grimme-Preis feiert Geburtstag. Zum 40. Mal wird er am Samstag Abend (ab 18.30 Uhr) im Theater der Stadt Marl vergeben. Durch die Veranstaltung führt Moderatorin Sandra Maischberger. Erwartet werden rund 800 Gäste und zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur.
Neben früheren Grimme-Preisträgern haben auch Bundespräsident Johannes Rau und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) ihr Kommen zugesagt. Steinbrück wird den mit 10.000 Euro dotierten Kulturpreis des Landes NRW für die Dokumentation "Der Unzugehörige: Peter Weiss - Leben in Gegensätzen" übergeben.
Bei der Vergabe des 40. Grimme-Preises können sich vor allem ARD und Sat.1 freuen. Die ARD erhält die Grimme-Preise in Gold für den Film "Familienkreis" (ARD/BR) mit Götz George und die Dokumentation "Schleyer. Eine deutsche Geschichte" (ARD/NDR/WDR). Der Sat.1-Zweiteiler über das Bergbaudrama von Lengende ("Das Wunder von Lengede") räumte gleich vier der begehrten Auszeichnungen ab. Die ehemalige Bundestagspräsidentin und Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbands (DVV), Rita Süssmuth, überreicht die Besondere Ehrung des DVV für Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens unter anderem an den Kabarettisten Dieter Hildebrandt für sein Lebenswerk.
Im 40. Jahr der Grimme-Preisverleihung erhalten ARD und ZDF die Mehrzahl der begehrten TV-Preise. 15 der 18 vergebenen Auszeichnungen gehen an die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten. Nur der Privatsender SAT 1 mit zwei Ehrungen und der Musikkanal VIVA gehören zu den diesjährigen Preisträgern.
Geschichte begann mit fünf Ehrungen
Mit fünf Ehrungen begann einst die Geschichte des Adolf-Grimme-Preises. Im Januar 1964 wurde er zum ersten Mal verliehen, damals war die Zahl der Preisträger noch recht übersichtlich: SDR und WDR bekamen für "Der SS-Staat", den achten Teil einer Dokumentation über das Dritte Reich, den Grimme-Preis in Gold. Hinzu kamen Silber- und Bronze-Preis sowie die Auszeichnung der Presse-Jury, die außerdem eine besondere Anerkennung aussprach. 800 Menschen, darunter Vertreter der Vereinten Nationen, Politiker, Wissenschaftler und Medienschaffende, waren bei der ersten Preisverleihung im Marler Rathaus zu Gast.
Heute gliedert sich der Preis in die beiden Hauptwettbewerbe "Information und Kultur" sowie "Fiktion und Unterhaltung". Hinzu kommen die Kategorie "Spezial", der Sonderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und die besondere Ehrung für Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens. Seit 1968 sind außerdem die Bürger direkt an der Preisvergabe beteiligt: In der Marler Gruppe entscheiden sie, welcher Beitrag mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wird.
Einen Moderator gibt es erst seit 20 Jahren
Die Ehrung der diesmal 29 Preisträger im feierlichen Rahmen ist inzwischen eine Abend füllende Angelegenheit – mit reichlich Medienprominenz und wechselnden Moderatoren. Diese Institution ist allerdings gerade mal halb so alt wie der Grimme-Preis. Anfangs übergaben die Jurymitglieder die Auszeichnungen noch selbst, erst ab der 21. Preisvergabe übernahm ein Moderator diese Aufgabe. Seit 1985 haben unter anderem Hanns-Joachim Friedrichs, Matthias Beltz, Herbert Feuerstein und Bettina Böttinger durch die Verleihung geführt. Gleich vier Jahre am Stück, von 1998 bis 2001, moderierte Roger Willemsen den Abend.
Benannt ist der vom Deutschen Volkshochschul-Verband gestiftete Preis nach Adolf Grimme. Er war von 1930 bis 1932 preußischer Minister für Wissenschaft, Kultur und Volksbildung und leitete nach dem Krieg mehrere Jahre den Nordwestdeutschen Rundfunk. Die Liste derjenigen, die in Grimmes Namen ausgezeichnet wurden, reicht von Jurek Becker, Golo Mann und Peter Zadek bis zu Herbert Grönemeyer, Elke Heidenreich und Fatih Akin.
Sieben Auszeichnungen für Heinrich Breloer
Am häufigsten geehrt wurde der Regisseur Heinrich Breloer. Sieben Mal durfte er seit 1981 die Trophäe, die ineinander verschachtelte Bildschirme darstellt, mit nach Hause nehmen. Unter anderem belohnte die Jury Breloers Fernsehspiel "Kollege Otto – die co-op-Affäre" sowie seine Filme über Klaus Mann (1984) und die Familie Mann (2002) mit dem Grimme-Preis mit Gold.
Vom Beginn des Privatfernsehens 1984 bis zu dessen erster Würdigung mit einem Grimme-Preis vergingen einige Jahre. Als erste auf einem Privatsender ausgestrahlte Produktion wurde schließlich 1989 "Spiegel TV" mit Stefan Aust ausgezeichnet. Inzwischen sind bei den Preisverleihungen neben den öffentlich-rechtlichen Sendern immer auch private vertreten. Zuletzt wurde 2003 unter anderem Christiane Ruff für die von ihr betreuten RTL-Comedyformate wie "Nikola" und "Ritas Welt" ausgezeichnet. Premiere-Sportmoderator Marcel Reif bekam den Preis ebenfalls vergangenes Jahr für seine Spielkommentare bei der Fußball-Weltmeisterschaft.
Harald Schmidt hielt kürzeste Dankesrede
Ansonsten ranken sich um den Grimme-Preis allerlei Anekdoten und Geschichten. Die Aufteilung des Preises in die Kategorien Gold, Silber und Bronze wurde 1993 abgeschafft, um dem Eindruck eines "Drei-Klassen-Preises" entgegenzuwirken. 1977 wurde überhaupt kein Preis vergeben – die Volkshochschule Marl, die bisher die Verleihung organisiert hatte, steckte damals mitten im Umzug.
Ab 1978 war dann das fünf Jahre zuvor gegründete Adolf-Grimme-Institut für die Preisverleihung zuständig. Wer alle in diesem Jahr eingereichten Beiträge gucken wollte, müsste mehr als drei Wochen lang rund um die Uhr vor dem Fernseher sitzen. Extrem schnell vorbei war dagegen die Rede, mit der der ebenfalls mehrfach Grimme-geehrte Harald Schmidt 2002 seinen Preis entgegen nahm. Sein knappes "Danke" hält bis heute den Rekord für die kürzeste Rede.
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