Millennium-Bambi an Ex-Außenminister: Der berührende Auftritt von Hans-Dietrich Genscher
zuletzt aktualisiert: 12.11.2010 - 09:58Potsdam (RPO). Am Ende gab es noch einmal Standing Ovations für einen Staatsmann. Bei der diesjährigen Bambi-Verleihung in Potsdam erhielt der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher den Millenniums-Bambi. Genscher erhielt den Preis für seine Verdienste im Rahmen der deutschen Einheit. Der Millennium-Bambi wurde in diesem Jahr bereits zum fünften Mal verliehen. Genscher zeigte sich in seiner Dankesrede tief berührt und kämpferisch.
20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher für seine Verdienste im Zuge der deutschen Einheit ausgezeichnet. In einer bewegenden Laudatio würdigte der derzeitige FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle seinen Vorgänger: "Hans-Dietrich Genscher verkörperte das Deutschland, dem die Welt vertraute." Er sei ein Mann, der schon jetzt Geschichte geschrieben habe – nicht nur die Prominenten aus Musik, TV und Film applaudierten da, auch SPD-Politiker wie Klaus Wowereit und Matthias Platzeck würdigten die Leistung.
Dann trat Genscher selbst auf die Bühne und verneigte sich vor seinem Publikum, das ihm stehend zuapplaudierte. Als Einstieg versuchte Genscher seine Rührung wegzuscherzen: "Der schönste Nachruf ist nichts gegen ein gutes Wort bei Lebzeiten", sagte Genscher. Doch kurz darauf gab er doch zu, dass ihn die Worte Westerwelles berührt hätten. Er habe tiefe Dankbarkeit für die mutigen Menschen in Europa, die zur Wendezeit das Wort erhoben haben und die „mit Würde und Verantwortung für Freiheit demonstriert“ haben. Die Mauer sei von Osten her zum Einsturz gebracht worden, mit bloßen Händen, mit Besonnenheit, mit Mut und ohne Gewalt.
Genscher betonte, dass kein Volk die 1989 erworbene Freiheit nicht alleine hätte erreichen können. Dafür habe es in der Geschichte viele Beispiele gegeben. Er verwies auf die versuchte Revolution 1953 in der DDR, 56 in Ungarn, 68 in der Tschechoslowakei und die Ereignisse in Polen in den 80er Jahren. Spätestens in diesem Moment hing ihm der Saal an seinen Lippen. Mit energischen Worten betonte er noch einmal die Tragweite der Ereignisse: "Niemals in ihrer wechselvollen Geschichte waren die Europäer so nah beieinander, in ihren Hoffnungen, in ihren Wünschen, in ihrer Sehnsucht wie in jenen wunderbaren Wochen des Jahres 1989. Das dürfen wir nie vergessen."
Und auch am Ende gab es noch einmal stehende Ovationen für den Elder Statesman: Nämlich als er seinem Publikum noch einmal zurief: "Danke und vergesst nie: Europa ist unser aller Zukunft und keine andere."
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