Bambi-Verleihung in Potsdam: Helmut Kohl rührt Millionen
zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 08:10Potsdam (RPO). Persönlichkeiten der deutschen Einheit und internationale Filmgrößen haben die 61. Verleihung der Bambis geprägt. Zwar blieb Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) der Gala am Donnerstagabend in Potsdam aus gesundheitlichen Gründen fern. Trotzdem bewegte er die Herzen.
Helmut Kohl hatte den Millennium-Bambi vor der Veranstaltung in seinem Haus in Ludwigshafen vom ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) entgegengenommen und wurde per Videobotschaft in die Preisverleihung zugeschaltet.
Der deutlich von seiner Krankheit gezeichnete Kohl sagte 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer: "Wir haben Frieden." Dafür sei er ganz besonders dankbar. Der Preis des Burda-Verlags erinnere ihn auf wunderbare Weise, woher er komme und was er erreicht habe. Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, würdigte auch Kohls historische Verdienste um die Einheit Europas.
Als "stille Helden" der friedlichen DDR-Revolution wurden drei ehemalige Oppositionelle geehrt und von den rund 800 Gästen im Saal mit besonderem Applaus bedacht. Der damalige Pfarrer Christoph Wonneberger hatte die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche organisiert. Kameramann Siegbert Schefke und Fotograf Aram Radomski hatten heimlich Aufnahmen der Montagsdemonstrationen gemacht. "Aus heutiger Sicht könnte unsere Geschichte einem James-Bond-Film entstammen", sagte Schefke.
Stargast des Abends war Oscar-Preisträgerin Kate Winslet. Winslet wurde für ihre Rolle als KZ-Aufseherin im Drama "Der Vorleser" nach dem Oscar auch als "Schauspielerin international" ausgezeichnet. Winslet teilte die Auszeichnung mit ihrem jungen Ko-Star David Kross und dankte dem Schriftsteller Bernhard Schlink für seine "unglaubliche Vorlage".
Maximilian Schell wurde als weiterer Oscar-Preisträger für sein Lebenswerk geehrt. Der Österreicher ("Urteil von Nürnberg") war 1962 als erster deutschsprachiger Schauspieler nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem US-Filmpreis ausgezeichnet worden. Wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag nahm Schell seinen zweiten Bambi entgegen und gedachte seiner 2005 verstorbenen Schwester Maria.
Ein goldenes Rehkitz ging auch an Schells Landsmann Christoph Waltz in der Kategorie "Schauspieler international" für seine Rolle als SS-Oberst in "Inglourious Basterds". Quentin Tarantinos Film war ebenso wie "Der Vorleser" im Filmstudio Babelsberg entstanden, auf dessen Gelände die Bambis vergeben wurden.
Überraschend gab es einen Spezialpreis der Jury für den Modeschöpfer Wolfgang Joop. "Weil du Potsdam neu erfunden hast", sagte Jette Joop über die Heimatstadt ihres Vaters.
Zu Schauspielern des Jahres kürten die Chefredakteure der Hubert Burda Media Edgar Selge ("Jenseits der Mauer") und Jessica Schwarz ("Romy"). In der Sparte "Film national" ehrte die Jury Regisseur Michael "Bully" Herbig für seine Realverfilmung der Zeichentrickserie "Wickie und die starken Männer", den bislang erfolgreichsten deutschen Film des Jahres.
Den "Ehren-Bambi für Deutsche in Hollywood" teilte sich Kameramann Michael Ballhaus ("Gangs of New York") mit den Regisseuren Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika"), Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen"), Oliver Hirschbiegel ("Der Untergang") und Actionspezialist Roland Emmerich ("2012"). Um den Bambi nicht zu enttäuschen, werde er 2010 tatsächlich seinen ersten Film in Hollywood drehen, sagte Donnersmarck mehr als zwei Jahre nach dem Oscar für sein Stasi-Drama.
Bei der Gala mit dem recht blassen Moderatorenduo aus Ex-Eiskunstläuferin Katarina Witt und ARD-Sportreporter Tom Bartels wurden auch die kolumbianische Popsängerin Shakira, die Band Silbermond aus Bautzen, Modemacher Giorgio Armani sowie die Box-Weltmeister Vitali und Wladimir Klitschko geehrt. Für den Einsatz mit der Björn Schulz Stiftung zugunsten leukämie- und tumorkranker Kinder erhielt Jürgen Schulz den "Engagement"-Bambi. Zum "TV-Event" des Jahres kürten die Zuschauer den ZDF-Dreiteiler "Krupp - Eine deutsche Familie" mit Iris Berben.
Der am Freitag aus dem Amt scheidende Manager des FC Bayern München, Uli Hoeneß, wurde in der Kategorie "Wirtschaft" prämiert. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war als Laudator kurzfristig wegen der Enthüllungen zum umstrittenen Luftschlag von Kundus verhindert. Seine Ehefrau Stephanie vertrat ihn charmant. "Denken Sie Sich einfach Ihren Verteidigungsminister in dieses Abendkleid", sagte sie.
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