"Er weiß viel, was man nicht wissen will": Beckmann als Kommentator fürs WM-Endspiel umstritten
zuletzt aktualisiert: 05.07.2006 - 12:08Frankfurt/Main (rpo). Leider findet das Final der Weltmeisterschaft ohne deutsche Beteiligung statt. Trotzdem werden am Sonntagabend Millionen auch hierzulande vor den Bildschirmen sitzen, um hautnah mitzuerleben, wer Brasilien auf den Weltmeisterthron nachfolgen wird. Reinhold Beckmann wird wohl die Ehre zuteil, das Spiel zu kommentieren - für viele Fußballfans eine schlimme Vorstellung.
Reinhold Beckmann hat den richtigen Riecher bewiesen. Entgegen der allgemeinen Skepsis sagte er bereits im Mai: "Wenn wir ins Viertelfinale kommen und uns da anständig schlagen, wenn unsere Spieler dann in der gigantischen Euphorie etwas Außergewöhnliches schaffen, das sie selbst vorher niemals für möglich gehalten hätten - dann ist alles möglich." Seinen persönlichen Triumph hatte er schon im März erlebt, als die ARD ihn zum Kommentator des WM-Finales am 9. Juli berief.
Die Mehrheit der Zuschauer hatte sich Beckmann auch gewünscht, wie in Umfragen ermittelt wurde. Gerd Rubenbauer zog sich kurz vor der Entscheidung der ARD zurück und war damit aus dem Rennen.
Obwohl erste Wahl, ist Beckmann alles andere als unumstritten. Selten ist in den Medien ein Lob für ihn zu vernehmen, dafür umso mehr Kritik. Beckmann sei ein "Berufs-Enthusiast" war zu lesen: "Bei ihm ist jeder Schuss aus 16 Metern 'Weltklasse', ein 'Genie-Streich' oder 'Zaubertrick'." Für Fußball-Puristen sei der 50-jährige Promi-Talker ein rotes Tuch: "Er liebt es, Banales gefühlig 'rüberzubringen." Und der "Stern" lästerte: Er "weiß viel, was man nicht wissen will".
Kritik prallt ab
Beckmann lässt die Kritik abprallen: "Die Rolle des Zuschauers als besserer Schiedsrichter, als besserer Trainer, als besserer Spieler, als besserer Kommentator, das ist doch Teil des Spiels, Teil der Faszination Fußball", sagte er Anfang Juni im Deutschlandfunk. Zugleich zeigte er sich problembewusst. Als Kommentator gelte es zwar auch, die emotionale Seite zu bedienen. "Aber auf der anderen Seite: Du darfst nicht zu viel quasseln. Du darfst nicht nerven, du musst auch mal 30, 40 Sekunden Pausen einlegen."
Sein wichtigstes Argument zur Verteidigung seines Stils aber lautet: Bei der Weltmeisterschaft sei "ein ganz anderes Publikum da" als bei einem normalen Fußballspiel, und das habe möglicherweise nicht so genaue Kenntnisse wie die Stammzuschauer.
Steile Karriere
Für ihn selbst dreht sich nicht alles um Fußball, und Kommentator ist er nicht geworden, weil er dies mit aller Macht angestrebt hätte. Nach seinen Worten ergab sich dies eher auf spielerische Weise. Als junger Fernsehreporter mit Talent für Spontaninterviews in der WDR-Musiksendung "Backstage" imitierte er im Schneideraum Fußball-Kommentatoren, was er auch schon als Kind mit seinen zwei Brüdern vor dem Fernseher gemacht hatte. Ein Redakteur schickte ihn daraufhin 1985 zu einem Amateurliga-Spiel von Bad Honnef gegen Schwarz-Weiß Essen.
1990 durfte Beckmann bereits von der WM in Italien berichten und Interviews führen. Kurz danach begann seine steile Karriere: Ende 1990 wurde er Sportchef des Pay-TV-Senders Premiere, am 1. Februar 1992 warb ihn Sat1 ab und machte ihn 1993 sogar zum Programmdirektor Sport. Seine Sendung "ran" präsentierte Fußball aus neuen Perspektiven, mit der Superzeitlupe zu dramatischen Ereignissen hochgepusht.
Von dieser Art Fußball-Show hatten die Zuschauer bald wieder genug. Beckmann machte Pause vom Fußball und konzentrierte sich nach seiner Rückkehr zur ARD Ende 1998 auf die Moderation von Talk- und Rekordshows. Jetzt, nach dem Endspiel will er "möglicherweise" als Kommentator wieder eine kleine Pause einlegen, wie er kurz vor Beginn der WM sagte.
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