Stuttgarter Ermittler glänzen: Bewegender Tatort über das Altern
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 28.12.2009 - 09:55Düsseldorf (RPO). Kaum war Weihnachten, das Fest der Familie vorbei, holte ein Tatort die Zuschauer aus der einlullenden Besinnlichkeit zurück in die Realität – und er rührte zu Tränen. In „Altlasten“ mussten sich Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) mit Liebe, Alter und Tod auseinandersetzen.
Die Stuttgarter Ermittler hatten diesmal gleich eine ganze Familie im Visier: Ein 80-jähriger, krebskranker Mann stirbt. Und nur durch Zufall stellt sich heraus, dass er durch Gift aus dem Leben schied. Verdächtigt wird Tochter Eva, die ihren Vaters gepflegt hatte. Neben ihrer Arbeit als Lehrerin musste sie sich auch noch um ihren geistig behinderten Sohn kümmern. War sie überfordert? Doch auch der Schwiegersohn des Opfers, der dessen Anwaltskanzlei übernommen hatte und der völlig verschuldete Sohn hätten ein Motiv gehabt. Bis dahin gleicht der Tatort noch der üblichen Suche nach dem Täter - gekonnt, aber klassisch.
Dann gewinnt der Krimi an Tiefe. Während Ermittler Bootz daheim die Schwiegermutter ertragen muss, schaut Lannert immer mehr hinter die Kulissen der Familie. Vor allem zur trauernden Witwe (großartig gespielt von Bibiana Zeller) entwickelt der Kommissar eine Beziehung.
Nach einem Selbstmordversuch der alten Dame entdeckt Lannart, dass sie an Alzheimer leidet. Während sich die Familie Sorgen macht, wie sie mit der Krankheit und Pflege der Mutter im Alltag zurecht kommen soll, ist sie plötzlich verschwunden.
Stattdessen taucht eine Videobotschaft des alten Ehepaares auf. Sie wollten gemeinsam Selbstmord begehen, aus Angst, später keinen eigenen Willen mehr zu haben, ihn nicht äußern zu können und dadurch anderen Menschen ausgeliefert zu sein. Und sie wollten keine Last für ihre Kinder sein.
Vor allem die stillen Momente in dem Tatort, etwa, wenn Lannart und die alte Dame sich an den Händen halten, oder sie lächelnd in den Tod gehen will, sind rührend. Das Problem, wie unsere Gesellschaft mit ihren Alten umgeht, betrifft jeden – ob er nun selbst älter ist, oder als Kind Verantwortung für die Eltern übernehmen muss. Dass die staatliche Absicherung längst nicht mehr für einen würdevollen Lebensabend reicht, wird auch im Film deutlich.
Mit dem Ende des Tatorts muss man sich versöhnen. Denn längst hat man so sehr mit der Frau gelitten, dass man ihr ein friedliches Ende wünscht. Doch der Freitod kann nicht die Lösung eines gesellschaftlichen Problems sein – und sollte es auch in diesem sehr emotionalen Tatort nicht.
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