In der Kerner-Show: Bohlen packt aus, Barth haut drauf
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 15.10.2008 - 09:57Mainz (RPO). Eine deutsche Versicherung wirbt mit dem Slogan "Da weiß man, was man hat". Naja, in Zeiten der Finanzkrise, weiß man es eher nicht mehr so genau. Anders ist das bei Dieter Bohlen. Wer den Pop-Giganten einlädt, weiß genau, was er bekommt. Coole Sprüche und, wir müssen es zugeben: jede Menge Spaß.
Johannes B. Kerner hatte geladen und neben dem Sprücheklopfer den derzeit beliebtesten deutschen Comedian für seine ZDF-Show verpflichtet - zumindest wenn es nach der Zuschauerzahlen bei einem Auftritt geht (70.000 im Berliner Olympia-Stadion): Mario Barth.
Es konnte nichts schiefgehen. Kerner wusste das und ließ den Dingen ihren Lauf. Er lenkte den wortgewaltigen Dieter nur ab und an in die gewünschte finanzthematische Richtung. Der plauderte zunächst besserwisserisch daher ("die Sparkasse ist schon gut", "man sollte nur kaufen, was man kennt" oder "verlässt du dich auf etwas, bist du verlassen"), ehe er private Details auspackte.
Mit dem ersten großen Geld habe er sich gleich einen Ferrari gekauft, "mit dem bin ich sofort nach Sylt gefahren. Ich dachte, die machen mir da alle Platz, aber ich hatte ja noch diese Trainingsanzüge an. So ein älterer Typ hatte keine Ahnung von Modern Talking, der dachte, ich käme vom Kiez."
Früher habe er Aktien von Daimler Benz oder Deutsche Bank gekauft, aber nur, weil die dieselben Anfangsbuchstaben wie Dieter Bohlen hätten. Die netten Anekdoten reihten sich im Minutentakt aneinander.
An der Reihe war schließlich auch Barth, der die guten Vorlagen gekonnt für seine Abschussliste nutzte und den perfekten Doppelpass spielte. Bohlen fragt neidisch: "Was hast Du an den 70.000 Zuschauern verdient?" Barth: "An den Eintrittspreis kann ich mich nicht mehr erinnern. Außerdem hatte ich ja eine Menge Ausgaben." Bohlen: "Ja, Kerzenleuchter und ein Mikrofon. Was sind das für Ausgaben?"
Aber der studierte Bohlen mag den Realschulabsolventen Barth, kennt sein Programm. In Anspielung auf die vielen Geschichten über die Freundin meint Bohlen: "Ich dachte, du bist mit Naddel zusammen." Barth kontert: "Nee, mit Verona."
Der Comedian, der mit dem T-Shirt-Spruch "Das weibliche Duschverhalten" auflief, blieb bei seinem Bühnenprogramm. "Klar, ich hatte mal Schulden. Aber nicht zwei Millionen, ich heiße ja nicht Franjo." Barth haute sogar auf Bohlen drauf: "'Cherie Cherie Lady' war doch Scheiße – aber jeder singt's."
Bohlen versuchte zwischendurch, ernsthaft zu werden. "Ich würde eine Frau nie anders bezahlen, als einen Mann, das ist doch völliger Quatsch." Doch Kerner war schnell zur Stelle: "Von welchen Frauen lässt Du Dir denn etwas sagen?" Bohlen: "Meiner Mami hör' ich zu, aber dann mach ich das, was ich will." Ehrlich, das ist Bohlen.
Die überaus kurzweilige Sendung schwächelte nur ab und an. Unvermeidlich: die Weisheiten aus dem neuen Buch "Der Bohlen-Weg": "Wenn du Gas gibst ohne Ende, wird dein Leben besser."
Noch schlimmer: der Dialog mit einem Studiogast. Eine Langzeitarbeitslose im Studio, Ein-Euro-Jobberin, allein erziehende Mutter eines 14-jährigen Sohns und verzweifelt auf der Arbeitssuche. "Wie würdest Du ihr helfen, Dieter?" Die Ratschläge des DSDS-Jury-Chefs konnten nur peinlich enden: "Gute Leute werden immer gesucht."
Zum Glück wurde es wieder lustig. Bohlens Weg, wenn's beim ihm mal schlecht läuft: "Wenn man mir alles nimmt, na gut, dann schreibe ich halt einen Nummer-eins-Hit."
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