Streit um Bundesliga-Fernsehrechte: "Briefmarken-Fernsehen" - Arena will gegen Telekom und Premiere vorgehen
zuletzt aktualisiert: 20.05.2006 - 10:55Hamburg (rpo). Die Telekom steigt in die Vermarktung von Sportveranstaltungen ein. Alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga sollen über den Abo-Sender Premiere live im Internet zu sehen sein. Der Medienkonzern "Arena", eigentlich im Besitz der Live-Fernsehrechte, wittert rechtswidrige Konkurrenz und droht mit juristischen Schritten gegen die Allianz.
"Solange sie Briefmarken-Fernsehen übers Internet machen, berührt uns das nicht", sagte Arena-Geschäftsführer Dejan Jocic. "Falls Telekom und Premiere aber unsere exklusiven Rechte tangieren, werden wir selbstverständlich juristisch gegen sie vorgehen."
Premiere-Chef Georg Kofler glaubt aber weiter, dass er in der kommenden Saison Bundesligaspiele über Kabel und Satellit zeigen kann. Die Telekom hatte am Freitag ihre Pläne vorgelegt. Danach kann Premiere trotz des Verlustes der Fernsehrechte an Arena dank der neuen Partnerschaft auch in der kommenden Saison sämtliche Spiele der Bundesliga via Internet in voller Länge sowie per Konferenzschaltung anbieten.
Einzelheiten über Preis, Verfügbarkeit und Produkte des künftigen Angebots sollen in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden. Premiere-Kunden brauchen für den Empfang der Bundesliga in Zukunft einen neuen Empfangsdecoder und einen DSL-Anschluss. Auch die Deutsche Fußball Liga als Lizenzgeber hatte dem Konzept den Segen erteilt. Eine Verbreitung ausschließlich über Internetanschlüsse sei geplant gewesen. "Die Deutsche Telekom AG bewegt sich daher im Rahmen der erworbenen Rechte, der allerdings damit erschöpft ist."
Zuvor hatte es zwischen beiden Seiten einen heftigen Streit darüber gegeben, ob die Arena-Konkurrenten ihr Programm im Internet-Format auch über Kabel und Satellit ausstrahlen dürften. Kofler sagte, in der Ausschreibung der Bundesliga-Rechte seien "Übertragungen über das Internet-Protokoll via Satellit und Kabel sogar explizit vorgesehen". Objektive Ausschreibungsbedingungen könnten "nicht so einfach im Nachhinein verändert werden".
Die Telekom als Inhaber der Ligaübertragungsrechte via Internet-Protokoll (IP-TV) hatte am Freitag ihre gemeinsamen Pläne mit dem Bezahlfernsehanbieter Premiere vorgestellt. Danach soll Premiere seine Abonnenten in den VDSL-Ausbaugebieten ab Sommer im Rahmen des neuen T-Home-Angebotes weiterhin mit seiner Bundesliga-Berichterstattung bedienen können.
Hinter den Kulissen arbeiten die Arena-Verantwortlichen an einem medienpolitischen Vorstoß in eigener Sache, wie das Magazin Spiegel am Samstag vorab berichtet. Weil EU-Kommissarin Viviane Reding den von der Bundesregierung geplanten Wettbewerbsschutz für den teuren Aufbau der Telekom-VDSL-Netze ohnehin kritisch beobachte, erwäge Arena eine Beschwerde in Brüssel. Demnach entstehe in der Kombination mit dem bislang marktbeherrschenden Bezahlfernsehanbieter Premiere ein mächtiges Oligopol, das andere Marktteilnehmer nach Belieben diskriminieren könne.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







