50 Frauen zeigen Sommermode: "Brigitte" mit Models von nebenan
zuletzt aktualisiert: 26.01.2011 - 08:24Düsseldorf (RP). Für ihre aktuelle Ausgabe hat die Zeitschrift 50 ganz normale Frauen aus Deutschland fotografiert. Sie zeigen die neue Sommermode, aber auch ihren Alltag. Seit einem Jahr werden bei "Brigitte" mittlerweile keine Profi-Models mehr engagiert. Der Erfolg ist umstritten.
Eine Düsseldorfer Studentin im Sixties-Look lehnt an der Wand ihres Appartements und schwärmt von ausgedehnten Flohmarktbesuchen, eine Kölner Konditorin präsentiert im Etuikleid kleine Köstlichkeiten, eine Erzieherin aus Wuppertal strahlt in Denim inmitten ihrer Kita-Kinder, und eine Verkäuferin aus Mönchengladbach darf während ihrer Pause in Neckholder-Robe von der Karibik träumen: 50 Frauen aus Deutschland, 50 unterschiedliche Momentaufnahmen – mit der Serie "Ein Tag in Deutschland" zeigt die aktuelle "Brigitte" die neue Sommermode, vor allem aber die Lebenswelt "ganz normaler Frauen".
Diesem Ziel hatte sich die Redaktion der "Gruner+Jahr"-Zeitschrift vor einem Jahr verschrieben – es aber nicht wirklich erreicht. So schön die Fotos der aktuellen Ausgabe auch sind – meist sind die Aufnahmen zu schön, als dass sie sich für die Umsetzung der ursprünglichen Idee eigneten.
Brigitte will alle Models durch echte Frauen ersetzen
Mit großem Tamtam hatte "Brigitte" vor einem Jahr angekündigt, professionelle Models durch "echte Frauen" zu ersetzen. Der Trend vieler Designer zu Size Zero sei "pervers", meinte Chefredakteur Andreas Lebert, die Durchschnittsleserin schließlich stolze 23 Prozent schwerer als Vertreterinnen der aktuellen Modelgeneration und mit 48 Jahren auch um einiges älter.
Der Auflage verpasste das zunächst einen Schub, zumindest am Kiosk. Der Einzelverkauf der "Brigitte" stieg von 395 000 Exemplaren im vierten Quartal 2009 auf 448 000 im ersten Quartal der "Brigitte ohne Models". Inzwischen stabilisiert er sich bei rund 420 000. Die Abonnementzahlen dagegen bleiben rückläufig: Ließen sich Ende 2009 noch 191 000 Leser die "Brigitte" nach Hause schicken, waren es Ende vergangenen Jahres nur noch 172000. "Ohne Models" – ein gelungener PR-Coup, der zwar viele neugierig machte, das vorher gescholtene Schönheitsideal aber nicht wirklich veränderte. Dafür fehle es, so Medienexperten, an Glaubwürdigkeit.
Bisher mehr als 30 000 Bewerber
Die 321 Frauen und 61 Männer, die sich die Brigitte-Redakteure aus den bisher mehr als 30 000 Bewerbern für die Shootings aussuchen konnten, sind zwar keine Models – sehen aber allzu oft so aus. Vor allem die Titelgesichter gehören häufig sehr jungen Frauen – wie der 19-jährigen Studentin aus Hannover, die das November-Cover zierte. Körper, die nicht den Idealmaßen entsprechen (das älteste weibliche Model war 81 Jahre) werden bis zur Makellosigkeit inszeniert, wie die Redaktion in ihrem Online-Bildervergleich "Ohne Models: Vorher und Nachher" dokumentiert. Mitunter werden die Frauen auch überzeichnet. Die 62-jährige Rentnerin Gülüfer etwa durfte Mode im "Männerstil" interpretieren.
All das scheint im Kampf um ein entspannteres Verhältnis zu Schönheitsidealen wenig konsequent – auch im Vergleich zu Kampagnen anderer Unternehmen. Die Unilever-Marke "Dove" etwa begann bereits 2004, auf Plakaten echte Frauen statt Profis zu zeigen: Sie präsentierten reichlich nackte Haut, samt unschöner Dellen, Narben und Wölbungen. "Dove" meldete ein Jahr nach dem Start der Kampagne, die Umsätze im Bereich Körperpflege hätten sich verdoppelt.
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