Der letzte Spieltag bei SAT.1 und ZDF: Bundesliga-Fußball: Erbseneintopf statt Filet-Steak
zuletzt aktualisiert: 26.05.2003 - 10:21Der Sender befindet sich derzeit in "sehr ernsthaften Verhandlungen" mit der Rechte-Agentur Infront von Günter Netzer. Angeblich ist die ProSiebenSAT.1-Media AG mittlerweile bereit, für künftige TV-Rechte an der Bundesliga jährlich 60 Millionen Euro hinzublättern. Wird "ran" also ab August wieder die Sams-Tagesordnung der deutschen Familie diktieren?
Die Inszenierung des Bundesliga-Finales hat noch einmal deutlich gemacht, was die Sendung kann und was nicht. Sie kann den Zuschauer knapp eine Stunde nach dem Schlusspfiff umfassend über das Spielgeschehen informieren. Alle Tore, alle Statistiken, alle Szenen, die für Gesprächsstoff sorgen.
Sie kann die vielen Emotionen, mit denen der Zirkus Bundesliga sein Publikum aufwühlt, kondensiert ins Wohnzimmer bringen: Calmund leidet, Sammer wütet, Magath badet in Champagner. Sie macht selbst Langweiler interessant, weil die Reporter wissen, wie man ein Spiel anspitzt. Und weil die Bilder mehr erzählen als jeder Kommentar: Die Tränen des "Heintje" Möller, die gespielte Wut des Ansgar Brinkmann, die kalte Arroganz, mit der ein Everthon seinen Trainer brüskiert.
Was "ran" nicht kann: Distanz halten zum Kick-Konzern Bundesliga. "ran" ist grundsätzlich affirmativ. Zwischen den Werbeblöcken (am Samstag insgesamt eine halbe Stunde) bleibt kein Platz für Hintergrund, Analyse oder gesellschaftlichen Bezug. Und Paul Breitner, der Maoist von früher, ist längst zur Witzfigur mutiert.
Aber für "richtigen" Sportjournalismus bezahlen wir ja den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sollte man meinen. Stimmt aber leider nicht. Die kritische Analyse, die "ran" nicht leistet, wäre die Chance für das Sportstudio im ZDF. Aber "Poschi" und seine Freunde grätschen immer wieder vorbei. "Zu oft Erbseneintopf, zu selten Filetsteak" - das ist es, was Michael Palme zum "Faszinosum" Fußball einfällt.
Und warum ausgerechnet Mario Basler zum x-ten Mal als Interviewpartner herhalten musste, weiß wohl nur die Redaktion selbst. Die Frage nach dem künftigen Schalke-Trainer konnte Basler auch nicht beantworten. "Die Entscheidung werden Rudi Assauer und der Herr Magath unter sich ausmachen", meinte Basler zu Poschmann: "Und Ihr werdet die Letzten sein, die es erfahren!" Wohl wahr. Der Mario, der kennt halt seine Journalisten.
ROLF LANGENHUISEN
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