Beschwerde bei der Europäischen Kommission angekündigt: Bundesliga-Rechte: Privatsender attackieren ARD
zuletzt aktualisiert: 21.06.2003 - 12:42Hamburg (rpo). Die Privatsender wollen die Vergabe der Bundesliga-Rechte an die ARD offenbar nicht kampflos hinnehmen. Man werde eine Beschwerde an die Europäische Kommission richten, teilte Verbands-Präsident Jürgen Doetz mit. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Rechte wird am Dienstag erwartet.
Nach einem Vorabbericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" vom Samstag bereiten die Privatsender eine Beschwerde dagegen bei der Europäischen Kommission in Brüssel vor. Mit einer Einigung zwischen der ARD und dem Fußballrechtevermarkter Infront um Günter Netzer wird bis Dienstag gerechnet. Dann könnten die Spielberichte aus der ersten Bundesliga mit Beginn der neuen Saison Anfang August wieder in die Sportschau des Ersten Fernsehprogramms zurückkehren.
Der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), Jürgen Doetz, kündigte im Gespräch mit dem "Spiegel" konkrete Schritte gegen den Erwerb der Erstverwertungsrechte für die sieben Samstagsspiele durch die ARD und für die zwei Sonntagspartien durch das ZDF an. "Wir werden die Bundesliga als besonders krasses Beispiel in unser laufendes Beschwerdeverfahren bei der Brüsseler Wettbewerbsbehörde einbringen", sagte er. Die Sache sei bereits den Anwälten übergeben worden. Die Brüsseler Behörde prüft auf Antrag der Privatfunklobby schon seit April, ob es sich bei der Rundfunkgebühr teilweise um eine laut EU-Recht untersagte öffentliche Beihilfe handelt.
Eine endgültige Entscheidung über die Rechtevergabe soll spätestens nach der Intendanten-Schaltkonferenz der ARD und einem Board-Meeting beim schweizerischen Rechteinhaber Infront fallen. Laut "Spiegel" glaubt ARD-intern kaum jemand daran, dass der Deal noch scheitern könnte. Der ARD-Vorsitzende Jobst Plog hatte nach einer Intendantenkonferenz in Frankfurt am Main am Dienstag die Erwartung geäußert, eine Einigung könnte bereits bis zum Wochenende erfolgen. Beide Seiten seien in ihren Preisvorstellungen schon nahe beieinander, und neben der ARD gebe es derzeit gar keinen weiteren Kaufinteressenten für die Rechte an den Samstagsspielen.
Dem Vorabbericht des Hamburger Magazins vom Samstag zufolge hat WDR-Fernsehchef Ulrich Deppendorf für Dienstag bereits ARD-Experten wie Programmchef Günter Struve, Sportkoordinator Hagen Boßdorf sowie den einstigen Sat1-Sportmoderator Reinhold Beckmann und den Länderspiel-Kommentator Gerhard Delling nach Köln eingeladen. Sie sollten so schnell wie möglich einen zeitgemäßen Auftritt der Sportschau auf den Weg bringen und die umstrittene Moderatorenfrage klären, heißt es in dem Bericht.
Neben den bekannten ARD-Gesichtern Delling und Beckmann solle offenbar auch eine Frau für die Moderation der Samstags-Sportschau" gewonnen werden. Gespräche darüber habe es auch mit Sandra Maischberger gegeben, die ab September bei der ARD mit einer Talkshow die Nachfolge Alfred Bioleks antritt, sowie mit Tagesthemen-Moderatorin Anne Will.
Sat1 weicht auf Comedy aus
Beim Privatsender Sat.1 habe man unterdessen ein Alternativprogramm zu den "ran"-Sendungen beschlossen, in denen bisher immer die Berichte über die Bundesligaspiele liefen. Danach sollen nunmehr stattdessen samstags künftig neue halbstündige Comedys wie "Top of the Jobs" mit dem Entertainer Jasin Challah, "Die Wachmänner", sowie "Tiere auf der Couch" laufen, bei der ein Tierpsychologe Hund und Herrchen auf ihre Macken abklopft. Sonntags wolle der Sender auf die Show "Family Date" setzen, in der sich hoffnungsvolle Verehrer ein Wochenende lang bei den Schwiegereltern in spe bewähren müssen, sowie das Format "Wie bin ich?", in dem vier Prominente Persönlichkeitstests absolvieren.
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