Liga diskutiert über Premiere-Vorschlag: Bundesliga: Rückkehr zu Freitagspielen?
zuletzt aktualisiert: 29.10.2003 - 14:28München (rpo). Kehrt die Fußball-Bundesliga zu Freitagspielen zurück? Flutlicht-Spiele haben immer ihren besonderen Reiz. Der Vorschlag ist gut, scheint im Rahmen des TV-Pokers aber nicht so leicht umzusetzen.
Der Vorschlag, den Freitagabend als Spieltag wieder einzuführen, bei führenden Klubvertretern auf ein geteiltes Echo gestoßen. Die laufenden Verhandlungen zwischen dem Bezahl-Sender Premiere, der Rechte-Agentur Infront von Günter Netzer und der Deutschen Fußball Liga (DFL) sollen aber noch in dieser Woche erfolgreich beendet werden. "Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Wochenende zu einer Einigung kommen", sagte DFL-Geschäftsführer Michael Pfad, der sich am Mittwoch in Frankfurt/Main von Infront über den Stand der Dinge unterrichten ließ.
Für Diskussionsstoff innerhalb der Liga sorgt Premiere-Chef Georg Kofler, der bis zum 31. Oktober den laufenden Vertrag des Pay-TV-Kanals mit Infront bis 2006 verlängern kann und den Freitagabend gerne als exklusiven Sendetermin hätte. Während sich das DSF, das dann wohl eines seiner beiden Sonntagsspiele abgeben müsste, dagegen vehement wehrt, reagieren die Klubs interessiert, sehen aber Probleme bei der Umsetzbarkeit.
Meier: Immer dafür gewesen
"Das war immer unser großes Ziel. Wir sind immer dafür gewesen. Das ist grundsätzlich möglich. Ob man das allerdings durchsetzen kann, ist die Frage", sagte Borussia Dortmunds Manager Michael Meier. "Ich habe den Freitag immer gut gefunden. Flutlicht-Spiele haben immer ihren besonderen Reiz. Außerdem gibt es für den Fan auch mal ein freies Wochenende", meinte Hertha-Manager Dieter Hoeneß, der allerdings nicht an eine Realisierung glaubt: "Wenn es terminlich machbar wäre, würde ich es begrüßen. Aber mit Blick auf die Reform des Uefa-Cups gehe ich davon aus, dass das nicht funktionieren wird."
Bayern Münchens Coach Ottmar Hitzfeld begrüßt die Initiative aus Sicht des Trainers: "Mir würde das schon gefallen. Ich fand Freitagabendspiele immer sehr reizvoll." Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dagegen bleibt eher zurückhaltend. Der als möglicher Nachfolger des derzeitgen DFL-Hauptgeschäftsführers Wilfried Straub gehandelte Bayer-Finanzmanager stellte klar, dass er sich nicht in die laufenden Verhandlungen einmischen wolle. Aber: "Grundsätzlich muss die Liga überlegen, kreativere Formen der Fernsehvermarktung für die Sender zu finden. Da kann das Freitagsspiel eine Lösung sein, aber das sehe ich eher mittelfristig und nicht kurzfristig."
Dicht gedrängter Terminkalender
Praktiker halten derzeit schon auf Grund des dicht gedrängten Terminkalenders und der zahlreichen Spiele in der Champions League und im Uefa-Pokal, die dienstags, mittwochs und donnerstags stattfinden, Freitagabend-Begegnungen für wenig sinnvoll. Denn dann müssten wohl meist Klubs gegeneinanander antreten, die nicht international vertreten sind. "Und Rostock gegen Bochum ist wohl auch kein Top-Spiel im Sinne von Premiere, oder?" meinte ein Funktionär, der statt dessen ebenso wie Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge eine Partie am Samstagmittag ins Gespräch brachte.
Bei der DFL heißt es dagegen, angesichts der Vertragslage mit ARD und DSF sei der Freitag die einzige Möglichkeit, Premiere mehr Exklusivität zu gewähren. Und auf die 150 beziehungsweise 155 Millionen Euro, die der Abo-Sender in den kommenden beiden Jahren zahlen soll, ist die Liga dringend angewiesen. Doch das DSF will auf keinen Fall Abstriche an seinem derzeitigen Sonntagsprogramm machen.
"Wir sind ein veritabler Partner für die DFL und die Vereine. Wir habe gute Arbeit abgeliefert und dabei gute Quoten erzielt. Wir gehen davon aus, dass wir auch in den nächsten beiden Jahren bis 2006 die Bundesliga mit zwei Spielen in der Free-TV-Erstverwertung am Sonntag präsentieren werden", sagte DSF-Geschäftsführer Rainer Hüther. Die ARD hat sich dagegen den Samstag mit sieben Partien vertraglich garantieren lassen, so dass "das Erste" die laufende Diskussion mit Gelassenheit verfolgen kann.
Die erneute Drohung von Rummenigge, einen eigenen Bundesliga-Kanal aufzubauen, dürfte Premiere dagegen wenig schrecken. "Wir könnten mit Partnern einen eigenen Fernsehkanal machen im Pay-TV-Bereich", hatte der Bayern-Boss in Sport-Bild gemeint und ausgerechnet Pfad, über den sich die Münchner zwischenzeitlich massiv beschwert hatten, als Organisator des Ganzen vorgeschlagen. Außerdem soll die Liga künftig nach Meinung von Rummenigge "wieder an die 400, auf Dauer Richtung 500 Millionen gehen". Wie das allerdings funktionieren soll, ließ er offen.
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