Doku-Reihe: CDU-Politiker Rüttgers spielte alleinerziehende Mutter
zuletzt aktualisiert: 09.03.2005 - 10:53Essen (rpo). "3 Tage Leben - Der Alltagstest für Politiker" nennt sich die neue Doku-Reihe des ZDF. Soll heißen: Politiker erleben drei Tage lang das wirkliche, das "echte Leben". Für den Auftakt der dreiteiligen Reihe am Dienstagabend schlüpfte der nordrhein-westfälische CDU-Chef Jürgen Rüttgers in die Rolle einer alleinerziehenden Mutter und Hauptschullehrerin. 72 Stunden lang hütete er im Reihenhaus fünf Kinder und Hund in Essen.
Statt über Bildungspolitik zu debattieren, musste der 53-Jährige eine Hauptschulklasse bändigen, statt über Wirtschaftspolitik zu reden, für 58,51 Euro drei Tage lang das Leben der Familie finanzieren. Spülen, Saugen, Gartenarbeit, Einkaufen, Kochen - das volle Programm von Mutter Anke wartete auf den Chef der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, der bereits im Juli 2004 die Aufgaben übernommen hatte. Derweil durfte sich Anke in einem Hotel ausruhen und anhand von Video-Aufnahmen den fremden Mann im Haus beobachten.
Der wurde im Haushalt tatkräftig unterstützt von den fünf "Pflegekindern" im Alter zwischen 11 und 23 Jahren, Brigitte, Meike, Angela, Frithjof und Wiebke. Sie erklärten dem Politiker, wie man eine Brotbackmaschine bedient und welche einfachen aber effektiven Regeln es im Supermarkt gibt, um preiswert einzukaufen. Dabei griff der Politiker, der Vater von drei Söhnen ist, zwar zum falschen Käse, blieb aber dennoch im Budget. Dass die ZDF-Doku-Reihe dann doch nicht ganz das echte Leben widerspiegelte, merkte der Zuschauer aber spätestens, als Rüttgers im Supermarkt gleich zwei Verkäuferinnen auf der Suche nach preiswerten Würstchen zur Seite sprangen.
Einmal andere reden lassen
"Der ist nett, sportlich", lautete das erste Urteil vom zweiten Mann im Haus, dem 14-jährigen Frithjof. Das Nesthäkchen Wiebke bilanzierte: So einen Politiker habe man ja nicht "alle Tage in der Bude". Die älteren Schwestern hingegen wunderte, dass der Gast eher "ruhig und zurückhaltend" sei und sorgten sich sogar, er könne in der Familie "untergehen". Rüttgers dagegen genoss nach eigenen Worten, einmal andere reden zu lassen.
Bei seinen Kochkünsten - Pfannkuchen nach zwei Rezepten, Spaghetti und Kotelett mit Gurkensalat - gab sich der Politiker bescheiden: "So lange keiner vom Stuhl fällt und anfängt zu röcheln ..." Der Versuch, die Frage "Wer deckt den Tisch?" demokratisch zu entscheiden, scheiterte dagegen kläglich: Da sich niemand angesprochen fühlte, packte Rüttgers am Ende selbst an.
Neben den häuslichen Pflichten übernahm Rüttgers auch den Unterricht von Mutter Anke in einer Hauptschule, referierte über das Hühnerei und den Imperialismus in Afrika. Dass ein leibhaftiger Politiker vor ihnen saß, beeindruckte die Schüler aber wenig. Es ging munter zu in den Klassen und Rüttgers hatte alle Hände zu tun, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Gelassen nahm er dabei den Wunsch der Schüler hin, ein Autogramm vom politischen Gegner, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), zu erhalten.
Nach drei Tagen Hausarbeit und Unterricht räumte Rüttgers offen ein, dass er "k.o." sei. Dann durfte er das Feld wieder Mutter Anke überlassen - stieg in den Dienstwagen und kehrte zurück in sein Alltagsleben zwischen Akten und Landtagsdebatten. "Ich glaube, ich werde ihn auch vermissen", meinte Wiebke am letzten Tag. Das Urteil von Frithjof fiel dagegen etwas kritischer aus: "Was Herr Rüttgers noch üben muss, ist Rasen mähen, größerer Portionen kochen und einkaufen."
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