Neue Bombendrohung: Chef von "France Soir" wegen Mohammed-Karikaturen entlassen
zuletzt aktualisiert: 02.02.2006 - 10:54Paris (rpo). Der Chef der französischen Tageszeitung "France Soir" hat sich mit dem Abdruck der umstrittenen Mohammed-Karikaturen der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" zu weit vorgewagt. Weil ihm offenbar entfallen war, dass der Besitzer der Zeitung aus Ägypten stammt, muss er sich jetzt einen neuen Job suchen. Bei "Jyllands-Posten" ist unterdessen am Mittwochabend eine erneute Bombendrohung eingegangen.
Wegen des Nachdrucks von umstrittenen Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed ist der Chef der französischen Boulevardzeitung "France Soir", Jacques Lefranc, entlassen worden.
Der ägyptischstämmige Besitzer der Zeitung, Raymond Lakah, entschuldigte sich am Mittwochabend für die Veröffentlichung der Zeichnungen, die unter Moslems große Empörung ausgelöst hatten.
Lefrancs Entlassung sei "ein kraftvolles Signal, dass wir die persönlichen Glaubensvorstellungen und Überzeugung jedes Einzelnen respektieren", hieß es in einer Erklärung von Lakah an die Nachrichtenagentur AFP. "Wir entschuldigen uns bei der moslemischen Gemeinschaft und bei allen, die über die Veröffentlichung empört sind."
Als erste Zeitung in Frankreich hatte "France Soir" am Mittwoch die Karikaturen gedruckt, die im vergangenen Jahr zuerst in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht worden waren. Zur Begründung hatte "France Soir" erklärt, genau wie den dänischen Kollegen gehe es dem Blatt nicht um Provokation, sondern um das Gleichgewicht zwischen Glauben und Meinungsfreiheit in einer Demokratie.
Das Boulevardblatt "France Soir" kämpft derzeit gegen Auflagenverluste. In den 60er Jahren war es mit bis zu 1,3 Millionen Exemplaren Frankreichs auflagenstärkste Zeitung. Derzeit liegt die Auflage bei nur 45.000 Stück. Im vergangenen Jahr wurde ein Sanierungsplan in Kraft gesetzt.
Neue Bombendrohung
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hat nach einer neuerlichen Bombendrohung am Mittwochabend ihre Büros geräumt. Das Blatt hatte mit dem Abdruck von Karikaturen des Propheten Mohammed in der moslemischen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst.
"Jyllands-Posten" teilte auf seiner Internetseite mit, am Mittwochabend habe ein Mann in gebrochenem Englisch telefonisch angekündigt, dass eine Bombe in den Redaktionsräumen in Aarhus explodieren werde. Nach Polizeiangaben kam der Drohanruf aus einem öffentlichen Telefon. Die Büros der Zeitung in Aarhus seien daraufhin geräumt worden. Spürhunde hätten danach in dem Gebäude nach Sprengstoff gesucht, sagte der Einsatzleiter Jan Ebeldtrup.
Auch die "Jyllands-Posten"-Mitarbeiter in Kopenhagen mussten ihre Redaktionsräume zeitweise verlassen. "Es ging alles sehr schnell. Die Leute verließen das Gebäude um etwa 19.40 Uhr und konnten gegen 20.20 Uhr wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren", sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP. Die Bombendrohung war nach Angaben der Zeitung die zweite innerhalb von 24 Stunden.
"Jyllands-Posten" hatte Ende September zwölf Karikaturen unter der Überschrift "Die Gesichter Mohammeds" veröffentlicht. Sie zeigten unter anderem einen Propheten mit einem Turban in Form einer Zeitbombe. Nach heftigen Protesten und Boykotten gegen dänische Waren in der moslemischen Welt hatte sich der Chefredakteur von "Jyllands-Posten", Carsten Juste, für den Abdruck der Karikaturen entschuldigt.
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