Cicero-Affäre: Chefredakteur und Autor drohen weiter Anklagen
zuletzt aktualisiert: 14.02.2006 - 13:39Potsdam (rpo). Die Ermittlungen in der Affäre um das Magazin "Cicero" sind noch nicht abgeschlossen. Fünf Monate nach der umstrittenen Durchsuchung der Redaktion drohen dem Chefredakteur und einem Autor weiter Anklagen. Hintergrund sind Zitate aus Akten des Bundeskriminalamtes.
Fünf Monate nach der umstrittenen Durchsuchung der Redaktion des Magazins "Cicero" drohen Chefredakteur Wolfram Weimer und Autor Bruno Schirra weiter Anklagen wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat. Die Ermittlungen, die sich auch gegen den Auslandschef der Schweizer Zeitung "Sonntagsblick", Johannes von Dohnányi, richten, seien noch nicht abgeschlossen, sagte Benedikt Welfens von der Staatsanwaltschaft Potsdam.
"Cicero" hatte aus internen Akten des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Terrorismusbekämpfung zitiert. Laut "Potsdamer Neuesten Nachrichten" beabsichtigt der ermittelnde Staatsanwaltschaft, alle drei Journalisten anzuklagen. Die Zeitung berief sich in ihrer Dienstagsausgabe auf einen entsprechenden Aktenvermerk im Abschlussbericht des Ermittlers.
Welfens erklärte dazu, über eine Anklage sei noch nicht entschieden worden. Allerdings verwies er darauf, dass das Landgericht Potsdam eine Beschwerde gegen die Durchsuchung bei "Cicero" zurückgewiesen und die Aktion für rechtmäßig erklärt habe.
Am 12. März verjährt die Angelegenheit
Anklage müsste nach Lage der Dinge vor Ende der Verjährungsfrist am 12. März erhoben werden. Der von Schirra verfasste Bericht über den im Irak tätigen Terroristenführer Abbu Mussab al Sarkawi mit Angaben aus einer BKA-Analyse war in der "Cicero"-Ausgabe vom April 2005 erschienen. Von Dohnányi, der mit Schirra im Auslandsressort des im Ringier-Verlages erscheinenden Boulevardblattes "Sonntagsblick" zusammenarbeitet, soll die Unterlagen an den Autor weitergeleitet haben.
Am 12. September hatte die Staatsanwaltschaft die Redaktion des Magazins in Potsdam sowie die Berliner Wohnung Schirras durchsucht, um Hinweise auf den Informanten aus dem BKA zu erhalten. Dieser ist Welfens zufolge bis heute nicht ermittelt. Wegen der Durchsuchung hatte sich vergangenen Oktober der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) vor dem Innenausschuss des Bundestages rechtfertigen müssen. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sprach von einem Eingriff in die Pressefreiheit.
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