Popstars: Das Gähnen geht weiter
VON CAROLYN WISSING - zuletzt aktualisiert: 19.09.2008 - 13:54„Wir woll'n die Jury seh'n!“ - Sprechchöre erklingen vor dem Congress Center am Elbufer in Dresden. Allerdings fallen diese etwas dürftig aus. Kein Wunder, denn gerade einmal 432 Mädchen sind zum letzten Casting der aktuellen Popstars-Staffel angereist. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich noch Massen von Halbwüchsigen und selbst erklärten Gesangstalenten vor den Castingstätten tummelten. Die Popstars-Manie scheint ein Ende gefunden zu haben und die gesamte Show schreit gerade zu nach einem Gnadenschuss.
Sido, wo bist du?
Gleich zu Beginn des Dresdener Castings der erste Schock: Sido verlässt die Jury. Allerdings nur für einen Tag. Ein lang geplanter Auftritt ruft und der Aggro-Rapper macht sich mit dem Helikopter auf und davon. Loona und Detlef D! Soost müssen sich somit allein durch den Wust von Stil-, Gesangs- und Benimm-Granaten wühlen. Dabei schießen einem nicht nur angesichts der vielen Talentfreiheiten die Tränen in die Augen. Sido, wo bist du? Die letzte Hoffnung auf ein bisschen Abwechslung, ein paar freche Jury-Urteile, ein bisschen Aggro-Stimmung kehrt leider erst zum Recall auf den Jurystuhl zurück.
Das Übliche halt
Versucht man einmal die idealtypischen Castingshow-Kandidaten in Kategorien einzuteilen, kommt dabei Folgendes heraus: die Versager auf ganzer Linie, die hässlichen Entlein mit bezaubernder Stimme, die rattenscharfen Zicken-Mädels ohne Stimme und die durchgestilten Multitalente mit ekelhaft perfekter Gesangs- und Tanzeinlage. Auch gestern war mal wieder von allem etwas dabei.
Oh ach ja, eine Kategorie fehlt natürlich noch. Auch in Dresden gab es ein todunglückliches Mädchen, das nur durch D!s tröstende Umarmung ihre wahre Stärke wiederfand und nach eigener Aussage nun endlich einen schönen Tag in ihrem Leben verbuchen kann. Beinahe Herz zerreißend, bekämen wir so etwas nicht in jeder Folge zu sehen.
Zum Gähnen
Sidos Rückkehr in die Jury wird so zum einzigen Hoffnungsschimmer auf gepflegte ProSieben-Unterhaltung. Na komm schon, hau mal einen raus und zeig den Tussen auf den billigen Plätzen bzw. Sternen wer hier was zu Trällern hat. Aber nein, das bleibt reines Wunschdenken. Seine öden Urteile klingen abgelesen und sind es höchst wahrscheinlich auch. Wer zum Hänker hat dem Aggro-König nur die Baldriantropfen in den Kaffee gemischt?
Doch dann scheint auch die Jury einzusehen, dass dieses Casting noch ein bisschen Zunder braucht. So werden kurzerhand die beiden Oberzicken im Rerecall zum gemeinsamen Team erklärt und erfüllen ihre Aufgabe durchaus passabel – die Fetzen fliegen. Und ein bisschen gedisst, wird dann tatsächlich auch noch. D! lässt eine leicht pummelige Kandidatin mit Hornbrille (Kategorie hässliches Entlein also) Liegestützen machen. „Zeig uns, dass du es wirklich willst!“ - na also, geht doch. Mehr verlangt der Popstars-Zuschauer doch gar nicht.
Vier mal vier macht 18
Wie war das noch gleich, Ausnahmen bestätigen die Regel? Aber was, wenn die Ausnahme zur Regel wird? Jedenfalls zittern am Ende des Castings neun Kandidatinnen um den Einzug in die große Entscheidungsshow. Das Motto „Just 4 girls“ verrät schon, nur vier Mädchen werden aus jedem Ort mitgenommen. Doch nach dem üblichen „Du bist raus und kannst gehen...aber halt, warte, wir geben dir doch noch eine Chance“ standen plötzlich fünf Kandidatinnen noch da. „Regeln sind da um gebrochen zu werden,“ erklärt Sido. Eine Sensation, hätte die Jury die gleiche Masche nicht auch schon in der letzten Woche durchgezogen.
Alles in allem also eine Popstars-Folge ohne Überraschungen, ohne gute Jury-Sprüche, ohne überragende Kandidatinnen. Kurz gesagt: Langweilig. Wer erklärt sich also bitte bereit dieser Castingshow nach gefühlten 100 Staffeln endlich den Gnadenschuss zu erteilen?
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