Zwölfteilige ZDF-Serie: "Das Kanzleramt" - Die Fiktion ist Realität
zuletzt aktualisiert: 23.03.2005 - 07:19Bonn (rpo). "Der Schlüsselloch-Blick in die Machtzentrale ist der Hauptreiz der neuen Serie. Wenn sie lang genug läuft, werden es einige Darsteller sicher ins Politbarometer schaffen". Davon zeigt sich ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut überzeugt. Und es ist auch tatsächlich etwas Außergewöhnliches, was das "Zweite" am Mittwochabend startet: Das "Kanzleramt" blickt direkt hinter die Kulissen der Macht. "Die Fiktion ist Realität. Alles und nichts ist erfunden."
Ab 23. März zeigt der Mainzer Sender - zunächst - zwölf Folgen der Serie aus der Schaltzentrale der Macht in Berlin jeweils mittwochs um 20.15 Uhr.
Das hochkarätig besetzte Werk von Hans-Christoph Blumenberg (Buch und Regie), Martin E. Süskind (Buch) und Jochen Brunow (Buch) scheint einen Blick hinter die Kulissen des Berliner Kanzleramtes zu gewähren. Die Serie erzählt in spannenden und teils dramatischen Geschichten, wie es dort zugeht - oder zugehen könnte.
Im Mittelpunkt stehen der Bundeskanzler Andreas Weyer (Klaus J. Behrendt) und der Chef des Kanzleramts, Norbert Kraft (Robert Atzorn). Die Handlung sei leicht in die Zukunft versetzt, "etwa in das Jahr 2009 und keinesfalls eine verschlüsselte Darstellung der Schröder-Regierung", nimmt Blumenberg der authentisch wirkenden Szenerie die Spitze. "Die Fiktion ist Realität. Alles und nichts ist erfunden."
Im Kanzlerbüro, der zentralen Koordinierungsstelle für die gesamte Regierungspolitik, laufen alle Fäden zusammen. Die bewährte Büroleiterin Birte Schmitz (Rita Russek) und die neue Abteilungsleiterin Außenpolitik, Edith Lambert (Claudia Michelsen), werden täglich mit neuen Überraschungen konfrontiert. Sie und der Regierungssprecher (Herbert Knaup), der Redenschreiber (Heikko Deutschmann), diverse Personenschützer, Fahrer und einige andere, die aufs Engste mit dem Bundeskanzler zusammenarbeiten, sind ein eingeschworenes Team.
In der ersten Folge ("Außer Kontrolle") tritt Edith Lambert ihren Dienst an. Sie muss sich um fünf deutsche Touristen in Peru kümmern, die von einer Guerilla-Gruppe entführt worden sind. Auch innenpolitisch gibt es Ärger, weil der Forschungsminister schwere Vorwürfe gegen die Regierung erhoben hat und nicht klar bei Sinnen zu sein scheint. Erst als Kanzler Weyer, der eben erst von einer Auslandsreise zurückkehrt, das Ganze zur Chefsache erklärt, kommt Licht ins Dunkel.
Martin E. Süskind, renommierter Politik-Journalist und ehemaliger Redenschreiber Willy Brandts, und Hans-Christoph Blumenberg, der zuletzt mit Polit-Filmen wie "Deutschlandspiel" (2000) und "Der Aufstand" (2003) Kritiker- und Publikumserfolge feierte, recherchierten fast vier Jahre lang.
Sie wollten "keine Soap" machen, sondern authentisch nacherzählen, "wie die Leute im Kanzleramt sind, wenn die Türen zugehen". Die Erzählperspektive wechselt von Folge zu Folge: Mal steht der Kanzler als allein erziehender Vater einer Tochter im Mittelpunkt, mal der drohende Staatsbesuch eines Diktators, mal die persönliche Krise einer Personenschützerin oder der Verdacht auf Spionage im inneren Kreis.
Die Szenen spielen zur Hälfte im Kanzleramt, dessen typische Teilansichten im Studio nachgebaut wurden, und an Berliner Originalschauplätzen. "Im 'Kanzleramt' soll es zugehen wie im richtigen Leben", sagen die Macher und hoffen, mit der politischen Unterhaltung "eine neue Serienfarbe zu etablieren, die mit ihrer Machart und Darstellung neue Maßstäbe setzt".
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