"Tatort" vom Sonntagabend: Der alte Krimineser finds den Mistwoagn
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 05.07.2010 - 08:22Düsseldorf (RPO). ORF-Tatorte aus Wien sind im Krimijahr eine seltene Besonderheit und dabei immer eine Betrachtung wert. Wenn es dem Film dann gelingt, dramatische Spannung mit liebenswerter lokaler Schrulligkeit zu verbinden, entsteht ein sehr sehenswerter Krimi. Wie bei der "Operation Hiob" vom Sonntagabend.
Im abwechslungsreichen wie überraschenden Film des Autoren Max Gruber bekommt es Sondermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) mit der internationalen Drogenmafia zu tun. Es geht um brutale Morde, das Schicksal eines Polizeispitzels und Eisners Tochter Claudia (gespielt von der stets erfrischenden Sarah Tkotsch), die aufgrund ihrer eigenen Drogenerfahrungen selbst ins Visier der Mafia gerät.
Dem Film gelingt eine gute Mischung aus modernen Thriller-Elementen und liebenswertem Lokalkolorit mitsamt des unvermeidlichen Wiener Schmäh. Für diese Momente sorgt vor allem Inspektor Bernhard Weiler (Heribert Sasse), der zwar kein Handy bedienen kann, dafür als altmodischer "Krimineser" mit Karte und Bleistift das Fluchtfahrzeug des Syndikats (passenderweise einen Müllwagen oder besser gesagt: einen Mistwoagn) entdeckt.
Mittendrin Harald Krassnitzer, dem die spannende Abwechslung von seiner sonstigen TV-Arbeit als "Winzerkönig" sichtlich Spaß macht. Die vielen Facetten des Sonderermittlers und alleinerziehendem Vater gehen dem 49-Jährigen leicht von der Hand. Krassnitzer gehört seit Jahren zu den renommiertesten Schauspielern im deutschsprachigen Raum.
Gibt es was zu meckern an diesem Film? Eher Kleinigkeiten. Das ständige Handyklingeln nervte nicht nur Tochter Claudia, sondern phasenweise auch den Zuschauer. Und auch, dass die Tochter partout nicht auf die Warnungen des Vaters reagieren wollte, war ein bisschen anstrengend.
Zumal man nach acht Staffeln "24" nun wirklich weiß, dass man als Tochter eines Sonderermittlers oder Regierungsagenten immer (immer!) ans Telefon gehen sollte, wenn der Vater anruft. Und bittschö' net auf Dates mit plötzlich auftauchenden Albanern geht, wenn der Erzeuger gerade gegen seine Landsleute ermittelt.
Auch wenn dies ein bisschen nervte: Dem ORF ist mit "Operation Hiob" ein toller und sehenswerter "Tatort" gelungen.
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