"Tatort" am Sonntag: Der Böse ist immer der Gaststar
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 14.12.2009 - 11:31Düsseldorf (RPO). Das Münchener Ermittler-Duo Batic und Leitmayr gehört seit Jahren in die erste Liga der sonntäglichen ARD-Krimis. Und so kam der Tatort "Wir sind die Guten" mit Spannung, tollen Schauspielern, einem dichten Plot und einigen Schönheitsfehlern daher. Denn Regisseur Jobst Oetzmann versuchte in einigen Szenen zu vehement, aus dem Krimi ein Kunstwerk zu machen.
Der Tatort spielte mit einer der Urängste des Menschen. Amnesie, dem zeitweisen Verlust des Gedächtnis. Während der Film zu Beginn eindrucksvoll die Leiden der Betroffenen sowie Unverständis und Hilflosigkeit des Umfelds veranschaulichte, erschienen spätere Szenen dick aufgetragen.
Die ein oder andere Sequenz in Zeitlupe, in der Batic mit einem eingebildeten Verfolger kämpfte, erschien verzichtbar. Das Finale, das auf Splitscreen-Technik nach dem Vorbild "24" setzte, kam überkandidelt daher.
Der Film war dennoch sehenswert. Denn obwohl Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl seit einer gefühlten Ewigkeit gemeinsam ermitteln, wirkt das Zusammenspiel überraschend frisch und unverbraucht.
Im Unterschied beispielsweise zum Kölner Tatort fällt den Machern mehr ein, als das Ermittler-Duo an einer Pommesbude über das Leben simpeln zu lassen. Die Münchener Ermittler dürfen das Publikum überraschen. Und das nicht nur, wenn Batic seinem Freund die Dienstwaffe klaut und nackt nach Hause laufen lässt.
Auch die Spannung stimmte. Zwar kam der Zuschauer schnell auf den Trichter, dass Michael Mendl als grandios-garstiger LKA-Ermittler etwas mit dem Mord an einer Polizistin zu tun hatte. Schließlich ist in neun von zehn Tatort-Filmen der Gaststar am Ende auch der Mörder.
Dennoch rätselte der Krimi-Fan lange über die wahren Hintergründe, die wahren Zusammenhänge des verstrickten Falls. Das am Ende auch der Vater des Opfers mit den Mördern gemeinsame Sache machte, kam tatsächlich überraschend.
Kurzum: "Wir sind die Guten" brachte alles mit, was ein guter Tatort braucht. Ein starker Krimi, dem auch vereinzelte Übertreibungen und Überflüssigkeiten letztlich nichts anhaben konnte.
Quoten
Der BR-"Tatort" hat sich am Sonntagabend trotz starker Konkurrenz beim TV-Publikum durchgesetzt. 7,91 Millionen Zuschauer schalteten die Folge "Wir sind die Guten" ein und brachten dem Ersten damit einen Marktanteil von 21,7 Prozent.
Auf dem zweiten Platz landete die Rosamunde-Pilcher-Verfilmung "Vier Jahreszeiten" mit 5,75 Millionen Zuschauern (16,7 Prozent). Günther Jauch sicherte sich mit dem RTL-Jahresrückblick "2009! Menschen, Bilder, Emotionen" und 5,04 Millionen Gesamtzuschauern (16,4 Prozent) den dritten Platz vor dem US-Film "Jumper" auf ProSieben, der 4,45 Millionen Zuschauer (12,3 Prozent) erreichte.
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