Ex-Big-Brother-Star stirbt an Krebs: Der öffentliche Tod der Jade Goody
VON NANCY ZUCKERBROD - zuletzt aktualisiert: 23.03.2009 - 08:36London (RP). Die TV-Show "Big Brother" machte Jade Goody in England bekannt, ihr langsames Sterben an Krebs aber bescherte ihr die größeren Schlagzeilen – weil sie ihre Krankheit gnadenlos vermarktete. Gestern starb die 27-Jährige.
Ihr Leben zwischen Armut und Reichtum, Skandal und Tragödie bewegte Großbritannien: Gestern Morgen ist die umstrittene Reality-TV-Berühmtheit Jade Goody an Krebs gestorben. Sie wurde 27 Jahre alt. Erst Ende Februar hatte sie unter großem Medienwirbel Hochzeit gefeiert – ebenso öffentlich, wie sie seit der Diagnose Gebärmutterhalskrebs über ihre Krankheit gesprochen hatte. "Ich habe vor Fernsehkameras gelebt. Und nun werde ich eben vor ihnen sterben", hatte die Mutter von zwei vier und fünf Jahre alten Söhnen in einem Interview gesagt.
Bekannt wurde die ehemalige Zahnarzthelferin 2002 als Teilnehmerin von "Big Brother". Laut und schnodderig, schieden sich an der damals 21-Jährigen bald die Geister. Erst wurde sie als Schlampe verspottet, dann von der Boulevardpresse als Frau Jedermann gefeiert, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Manche betrachteten Goody als Überlebenskünstlerin: eine harte Kindheit in einem Londoner Sozialbau, der Vater abwesend und oft im Gefängnis, die Mutter drogenabhängig.
Doch zog die Presse die "Big-Brother"-Kandidatin auch wegen ihres Gewichts, ihrer großen Klappe und ihres Mangels an Allgemeinbildung durch den Kakao. Sie hatte zum Beispiel Rio de Janeiro für eine Person gehalten und daran gezweifelt, ob in den USA Englisch gesprochen werde. Sie gewann zwar nicht die Show, aber immerhin so viel Aufmerksamkeit, dass sie mit Fernsehauftritten und Magazingeschichten, einer Autobiografie, einem Parfüm und Fitness-Videos Millionen verdiente.
Der Absturz folgte bei einem Prominenten-Special von "Big Brother" 2007. Da stand Goody als rassistische Mobberin da, weil sie die indische Bollywood-Schauspielerin Shilpa Shetty triezte, über deren indische Küche meckerte, ihren Akzent nachäffte und sie "Shilpa Pappadam" titulierte. Es hagelte Beschwerden, und die Quoten schossen hoch. Ihr Benehmen löste in Indien wie in Großbritannien Unmut aus, sogar das Unterhaus beschäftigte sich in einer Fragestunde damit. Die Zuschauer wählten sie aus der Sendung. Goody, selbst gemischter Abstammung, verteidigte sich heftig gegen den Vorwurf des Rassismus. "Ich streite mit allen so. Ich war nicht bloß wegen ihrer Hautfarbe so aggressiv", sagte sie.
Nach dem Hinauswurf lud das indische Fremdenverkehrsamt sie ein, das Land kennenzulernen. Das tat sie auch, besuchte Wohltätigkeitsprojekte und sagte zu, bei der indischen Version der Show mitzumachen. Bei den Aufnahmen dazu erhielt Goody im Sommer 2008 telefonisch aus der Heimat die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Dieser sehr private Moment wurde von der Kamera eingefangen und im britischen Fernsehen wiederholt gezeigt. Die Regenbogenpresse verfolgte das Fortschreiten ihrer Krankheit, zum Unbehagen vieler, in allen Einzelheiten.
Im Februar gab Goody, mager und kahl von der Chemotherapie, ihrem Verlobten Jack Tweed in einem eleganten Landhotel außerhalb Londons mit großem Brimborium das Ja-Wort. Die Fotos und Fernsehrechte davon soll sie für fast eine Million Pfund verkauft haben. Goody stand dazu, dass sie sich für Interviews und Bilder bezahlen ließ. "Die Leute werden sagen, ich tue das für Geld", sagte sie. "Und sie haben Recht, das tue ich. Aber nicht für schicke Autos oder große Häuser. Es ist für die Zukunft meiner Söhne, wenn ich nicht mehr da bin. Ich will nicht, dass meine Kinder so eine elende Kindheit mit Armut und Drogen haben wie ich."
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