"Wetten, dass..?" in Stuttgart: Der "sexiest man alive" und die Familienministerin
VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 14.12.2008 - 02:42Düsseldorf (RPO). „Wetten, dass..?“ erreichte zuletzt „nur“ noch 9,68 Millionen Zuschauer. Deutschlands Quotenschiff geht langsam unter. Thomas Gottschalk ist aus dem „Himmel der Zweistelligkeit“ gefallen. Für diesen Fall hatte er zwei Optionen angekündigt: Aufhören oder "schönreden".
Ist der erfolgreichste Moderator der Republik wirklich schon reif für die Rente? Der folgende "Wetten, dass..?"-Check soll als Entscheidungshilfe dienen:
Die Couch: Star des Abends war Hugh Jackman. Der Mann ist nicht nur der "sexiest man alive", sondern offenbar auch der entspannteste Hollywoodstar auf diesem Planeten. Erst tauschte er mit Thomas Gottschalk die Schuhe, dann sorgte er mit Ursula von der Leyen für das Highlight des Abends:
Die Familienministerin war zu einem der Wettkandidaten in die Mülltonne gestiegen. Im Anschluss wurde sie von Jackman galant aus der Tonne gehoben und auf Händen zurück auf die Couch getragen. Die Aussage wurde an diesem Abend zu häufig gemacht - aber Hugh Jackman ist offenbar "wirklich ein netter Kerl".
Das musste auch Til Schweiger erkennen, der auf sympathische Weise für sich in Anspruch nahm, der "sexiest man in Deutschland" zu sein. Der Rest der Gäste verblasste daneben. Da waren noch der etwas zu glatt wirkende Formel-1-Star Lewis Hamiton mit seinem Mentor Norbert Haug, Komiker Rick Kavanian und die etwas begriffsstutzige Alexandra Neldel, die sich gleich mehrfach eine Wette erklären lassen musste.
Ach ja, da war doch noch etwas! Hugh Jackman hatte auch noch Nicole Kidman mitgebracht. Beide kamen, um ihren neuen Film "Australia" vorzustellen. Die Kidman tat keiner Fliege etwas zu leide, aber sie blieb so blass wie ihre Gesichtsfarbe.
Die Gesangseinlagen: Ein 105-Jähriger stahl allen anderen die Show. Joopie Heesters sang das Robert-Stolz-Lied "Es ist einmal im Leben so". Der Pianist hatte schon angefangen zu spielen, doch Heesters unterbrach ihn: "Vor ein paar Tagen habe ich etwas Dummes, Blödes, Fürchterliches gesagt", entschuldigte er sich beim Publikum.
Gemeint war ein Interview mit einem holländischen TV-Sender, in dem der gebürtige Niederländer die Frage bejahte, ob Adolf Hitler ein „guter Kerl“ gewesen sei. Auf die Entschuldigung folgte ein langer Applaus.
Die angekündigten Superstars enttäuschten dagegen. Nicole Scherzinger und ihre Pussycat Dolls konnten einem gewohnt großartigen Herbert Grönemeyer, dem "Tiger" Tom Jones oder einer komplett verwandelten Anastacia nicht das Wasser reichen.
Die Wetten: Nach gefühlten 3000 Bagger-Wetten will man in dieser Sendung einfach keinen Bagger mehr sehen. Ausgefallener war dagegen die Siegerwette des Musikstudenten aus Mainz, der jeweils mit einem Wurf vier Würfel übereinander gestapelt auf Nägeln platzierte. Auch der Wettschützling der Familienministerin, der innerhalb von einer Minute sieben Handstände in einer Mülltonne machte, konnte überzeugen.
Die Moderation: Thomas Gottschalk hatte schon schlechtere Abende. Zu seinen weiblichen Gästen hielt er diesmal einen größeren Sicherheitsabstand. Im Gespräch mit den Pussycat Dolls wirkte der sonst so souveräne Moderator schon fast unsicher. Sprüche wie "kauf Dir mal ein neues Hemd" ließen zwischenzeitlich die alte Klasse des Moderators aufblitzen.
Fazit: "Wetten, dass..?" hat sich in den letzten zwanzig Jahren kaum weiterentwickelt, aber die Sendung bietet nach wie vor solide Abendunterhaltung. Die Qualität erlebt dabei Höhen und Tiefen. Heute Abend gab es mehr Höhen als Tiefen. Gottschalk darf bleiben.
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