"Wetten dass..?" aus Erfurt: Der traurige Abend der alten Männer
VON FRANZISKA BLUHM - zuletzt aktualisiert: 27.02.2010 - 23:39Erfurt (RPO). Die letzten Ausgaben der Samstagabendshow „Wetten dass..?“ waren nicht so schlecht. Michelle Hunziker sorgte immer für ein bisschen Pepp, irgendwas Überraschendes passierte dann doch irgendwie oder die Gäste auf der Couch waren zumindest so interessant, dass es nicht schwer fiel, einfach mal dranzubebleiben. Doch bei „Wetten dass..?“ aus Erfurt fiel das diesmal schwer.
Gähnende Langeweile – zwei Worte, die die Ausgabe von „Wetten dass..?“ aus Erfurt ziemlich gut umschreiben. Dabei hatte alles so gut angefangen. Thomas Gottschalk erschien im quietschblauem Sakko und den passend darauf abgestimmten Turnschuhen auf der Bühne, wenig später holte er seine Michelle dazu. Die Hunziker, die in den vergangenen Sendungen immer wieder für die Frische sorgte, die Gottschalk mittlerweile leider fehlt. Doch diesmal nützte es nichts. Wie ein langgezogenes Kaugummi zog sich die Show, hangelte sich von Studiogast zu Wette zu Showact und zurück zum Studiogast. Zu viele Medleys – selbst die Pet Shop Boys kommen heutzutage nicht mehr um neue Songs, sondern alte zu präsentieren. Zu viel Optimismus-Gequarke von Bauern-Verkupplerin Inka Bause – zu viel Trutschigkeit.
Da konnten auch die Anstands-Youngsters Matthias Schweighöfer und Jan Delay nichts rausreißen. Nachdem das Jugendprogramm überstanden war, taute dann wenigstens der Gottschalk ein wenig auf. Sophia Loren, der Auftritt von Kiss, der zu einem Schlager-Mitklatsch-Medley mutierte, Kevin Costner, der wenigstens live sang - herrjeh, nicht zu vergessen: die Wetten. Ein Bagger wurde von einem LKW-Anhänger auf einen anderen bugsiert, OP-Geräte am Hinunterfallen erkannt, Wände von zwei Seiten angebohrt (Das zog sich leider so sehr in die Länge, dass der Zuschauer sogar Zeit hatte, die Farbe von Gottschalks Sakko mit der der Blaumänner der Wettkandidaten abzugleichen - passte übrigens). Selbst die Kinder-Wette war wenig mitreißend – obwohl die zehnjährige Kandidatin beim Mit-dem-Mund-erkennen ihrer Legofiguren wirklich einen guten Job machte. Sieger wurde am Ende der Mann, der auf einem Seil balancierte und per Sprung die Luftballons unter ihm eleminierte. Wenig spektakulär, aber wenigstens geschickt.
Der Wetten-dass-Abend endete traurig vor der Halle: Thomas Gottschalk hatte gewettet, dass 1500 Kiss-Fans in die Sendung kommen, um mit Lampen die vier Buchstaben nachzubilden. Es reichte leider nur für das K, das I und ein S. Welch eine Schmach, aber auch welch ein Beweis dafür, dass Gottschalk da gerade etwas entgleist (Sein Publikum?).
Die alten Herren ließen es sich trotzdem nicht nehmen, auf die extra für sie eingerichtete Bühne zu steigen und mit ihren Anhängern noch ein bisschen vor sich hinzurocken. Die Musik kam aus der Konserve, die Band stand da, jubelte ein bisschen und zeigte ihre Zungen. Ein trauriger Abend.
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