Foto: ZDF/Joseph Vilsmaier; UFA/Elektrofilm
Es war die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten. Ein russisches U-Boot torpedierte am 30. Januar 1945 das Flüchtlingsschiff "Wilhelm Gustloff". Für über 10.000 Menschen begann ein dramatischer Überlebenskampf.
"Wer zu Boden fiel, wurde zu Tode getrampelt", erinnert sich der Bordfunker Albert Schirra. Zwei Schwestern, beide Marinehelferinnen, wollten um jeden Preis zusammen bleiben: "Ich sagte ''Ulla, jetzt müssen wir sterben', sie aber sagte 'nein' und riss mich wieder hoch", schildert Rosemarie Petrus-Resas die schlimmsten Stunden ihres Lebens.
Der zehn Millionen Euro teure Streifen entstand unter der Regie von Joseph Vilsmaier. Kai Wiesinger und Valerie Niehaus spielen Hauptrollen in dem mit großem Aufwand produzierten Werk über das Schicksal des Flüchtlingsschiffes. Verknüpft ist das Drama mit einer sensiblen Liebesgeschichte. Der Film beruht auf historischen Fakten, die Figuren sind frei erfunden.
Von dem Unglück waren mehr als 10.000 Kriegsflüchtlinge auf dem umfunktionierten deutschen Urlauberschiff betroffen.
Nach dem Ablegen in Gotenhafen in der Danziger Bucht wurde die "Wilhelm Gustloff" von einem U-Boot der Roten Armee versenkt. Dabei kamen damals über 9.000 Menschen in der eisigen Ostsee um, sechs Mal mehr als beim Untergang der "Titanic". Nur 1239 Passagiere überlebten.
Augenzeugen berichten, wie die fünf Kapitäne des Schiffes sich umgehend in Sicherheit brachten und ihre Passagiere im Stich ließen. "Trockenen Fußes" konnten sie an Land gehen. Keiner von ihnen wurde später zur Rechenschaft gezogen.
Um eine möglichst realitätsnahe Darstellung der Ereignisse im Film zu erreichen, hat Drehbuchautor Rainer Berg nichts dem Zufall überlassen. Er zog mit Heinz Schön einen Überlebenden der "Wilhelm Gustloff" zurate. Der damals 18-Jährige gehörte als Zahlmeister-Assistent zur Stammbesatzung des Unglücksschiffes.
Hätte die Katastrophe verhindert werden können? "In jedem Fall hat die Lichterführung die Versenkung wesentlich erleichtert", sagt der "Gustloff"-Überlebende Schön. Er führt die Entscheidung, Lichter zu setzen, auf einen fingierten Funkspruch zurück. Die Gustloff wollte dadurch der Kollision mit einem entgegenkommenden deutschen Flottenverband entgehen. Dieser Verband wurde nie gesichtet, ein Rätsel.
Erzählt wird die ergreifende Geschichte aus der Perspektive des jungen zivilen Fahrkapitäns Hellmut Kehding (Kai Wiesinger). Die Handlung beginnt drei Tage vor dem Auslaufen der "Gustloff" in Gotenhafen und endet am Tag ihres Untergangs.
Prominent ist auch die Besetzung der weiteren Hauptrollen mit Dana Vavrova, Ulrike Kriener, Heiner Lauterbach (Foto) und Michael Mendl.
Begleitet wird der Film von einer zweiteiligen Dokumentation des ZDF-Historikers Guido Knopp, die am Sonntag und Montag jeweils nach dem Streifen ausgestrahlt werden soll. Knopp lieferte die historischen Fakten zur Vorgeschichte und zum Untergang des Flüchtlingsschiffes. Zeitzeugen berichten, wie sie die Katastrophe überlebten.
Regisseur Vilsmaier hofft, mit seinem Film vor allem junge Menschen zu erreichen: "Ich beobachte ein steigendes Interesse der Jugend an solchen historischen Stoffen", sagte er.
Vilsmaier hat ein Jahr an dem Projekt gearbeitet und an 60 Tagen gedreht: "Jetzt lasse ich die historischen Stoffe aber erst einmal ruhen." Anfang der 90er Jahre drehte er bereits den Kinofilm "Stalingrad".
Die Wilhelm Gustloff war ein Passagierschiff der NSDAP-Organisation Kraft durch Freude (KdF). Das Schiff, das nach dem von den Nationalsozialisten zum Märtyrer stilisierten Wilhelm Gustloff benannt wurde, war ausschließlich für Kreuzfahrten konzipiert.
Es wurde im Auftrag der NSDAP-Arbeitsorganisation Deutsche Arbeitsfront (DAF) bei Blohm & Voss in Hamburg auf Kiel gelegt.
Ihr Stapellauf fand am 5. Mai 1937 statt, die Taufe vollzog Hedwig Gustloff - die Witwe des Namensgebers - im Beisein Adolf Hitlers. Die Fertigstellung erfolgte am 15. März 1938, die Jungfernfahrt am 23. März desselben Jahres. Das größte KdF-Schiff sollte eigentlich auf den Namen „Adolf Hitler“ getauft werden.
Wilhelm Gustloff war ab 1932 Landesgruppenleiter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz. Bis 1936 warb er mehr als 5.000 Mitglieder in der Schweiz an. Am 4. Februar 1936 tötet ihn der Medizinstudent David Frankfurter mit vier Schüssen. Daraufhin stilisierte ihn die nationalsozialistische Propaganda zum so genannten "Blutzeugen der Bewegung".
Das Schiff war auf 417 Besatzungsmitglieder und 1463 Passagiere ausgelegt. Die Kabinen waren für Fahrgäste und Besatzung gleich.
Die Passagiere waren in Touristenklasse-Kabinen untergebracht. Es gab ausschließlich Außenkabinen für zwei oder vier Personen. Alle verfügten über fließendes kaltes und warmes Wasser, einen Tisch, eine Sofabank, Betten, die übereinander angeordnet waren und einen Kleiderschrank für jeden Fahrgast.
1939 brachte das Schiff die Soldaten der Legion Condor, mit der Hitler den Putsch General Francos im Spanischen Bürgerkrieg unterstützt hatte, nach Deutschland zurück.
Das Wrack der gesunkenen Wilhelm Gustloff ist ein geschütztes Denkmal. Taucher bargen die Schiffsglocke, die daraufhin der polnische Staat übernahm. Sie ist im Danziger Museum am Krantor zu besichtigen.
Das ZDF zeigt die beiden Teile am Sonntag und Montag (2. und 3. März, jeweils 20.15 Uhr)