10 Jahre Kölner "Tatort": Die beliebtesten Kommissare im deutschen Fernsehen
VON JULIA NAKÖTTER - zuletzt aktualisiert: 06.10.2007 - 09:41Köln (RP). Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk nehmen es mit internationalen Verbrecherbanden auf. Ihre spektakulären Fälle und ihre „rheinisch ruppige” Art belohnen die Zuschauer seit zehn Jahren mit Traumquoten.
Kommissar Freddy Schenk geht fremd. Erstmalig in der zehnjährigen Geschichte des Köln-Tatorts wird der moppelige Kommissar Sonntagabend untreu. Nicht an Deutschlands berühmtester Würstchenbude mit Blick auf den Rhein endet die neueste Krimi-Folge „Nachtgeflüster”. Das ungleiche Ermittlerduo Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) gönnt sich einen Döner in Simseks Imbiss - aber nur aus ermittlungstaktischen Gründen.
Bis zu neun Millionen Zuschauer ziehen die „beliebtesten Tatort-Kommissare” regelmäßig vor den Bildschirm. Das Erfolgsrezept der beiden: Sie sind authentisch. Als Ermittler machen sie keinen Dienst nach Vorschrift. Nach Dienstschluss spüren Ballauf, der keine Familie hat, und Schenk gemeinsam den Verbrechern nach. „Das Duo kommt mit seiner rheinischen Ruppigkeit gut an”, urteilt WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke. „Die Krimis leben von den Gegensätzen der Figuren.” Auf der einen Seite steht der bodenständige Freddy Schenk, auf der anderen Seite der „einsame Wolf” Max Ballauf, der in einem Kölner Hotelzimmer wohnt.
Dabei hatte es Hauptkommissar Max Ballauf vor zwei Jahrzehnten nicht gerade leicht, als er drehbuchgemäß seinen Dienst in der Domstadt antrat. Nach acht Fällen im Tatort-Team der Kripo Düsseldorf und nach einem Abstecher als BKA-Kontaktbeamter bei der US-Drogenfahndung war er an den Rhein zurückgekehrt. Der Kommissarische Leiter der Mordkommission 3, Freddy Schenk, zeigte sich anfangs wenig begeistert, als ihm ein „Supercop” aus den USA vor die Nase gesetzt wurde.
Zehn Jahre und unzählige gemeinsam konsumierte Currywürste nebst Kölsch später sind die Kommissare längst ein eingespieltes Team. „Die beiden haben zig Morde aufgeklärt, extrem brenzlige Situationen bestanden und sich mit komplexen Themen auseinander gesetzt”, sagt Schauspieler Dietmar Bär (46). „Nach 40 Fällen weiß man mehr über den Charakter, den man darstellt.” Die Zeit, in der Schenks Markenzeichen seine Cowboystiefel waren, seien lange vorbei.
Große, unbequeme Themen, die sich um die Jagd nach dem Täter ranken, haben Ermittler wie Schauspieler nie gescheut. In bislang 36 Fällen ist es gelungen, gleich mehrfach aufzurütteln. Der Tatort „Minenspiel”, bei dem ein Jogger auf eine Landmine tritt und Ballauf und Schenk einen terroristischen Hintergrund hinter dem Mord vermuten, wurde sogar im Menschenrechtsausschuss des Bundestages gezeigt. Darauf ist Schauspieler Klaus J. Behrendt (47) stolz: „Ich finde ich es gut, wenn unsere Filme polarisieren. Wenn die Leute am nächsten Tag auf der Arbeit sagen: ,Was hältst Du eigentlich von Landminen?’, haben wir viel erreicht.”
Als TV-Kollegen engagieren sich Bär und Behrendt nicht nur vor der Kamera. Vor neun Jahren gründeten die befreundeten Schauspieler nach einem Dreh in den Slums von Manila den Verein „Tatort Straßen der Welt”, der sich ehrenamtlich für Kinder in Not einsetzt. Für ihr Handeln und wurden sie vielfach ausgezeichnet unter anderem mit der Ehrenkriminalmarke des Bundes Deutscher Kriminalbeamter.
An ein Ende der Kölner Kommissare ist laut WDR-Fernsehfilmchef Henke nicht zu denken. Auch Behrendt hat „noch Lust auf mehr”. Schließlich stößt Freund Freddy mit Max Ballauf am Sonntag „auf die nächsten zehn Jahre” an. Schade ist nur, dass die neueste Folge „Nachtgeflüster”, in der die Kölner im Medienmilieu ermitteln, eine der schwächeren Folgen der sonst so erfolgreichen Tatort-Reihe ist.
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