Deutschlands erstes Jugendmagazin: Die "Bravo" wird 50
zuletzt aktualisiert: 24.08.2006 - 20:31Hamburg (rpo). 50 Pfennig kostete das erste Heft am Kiosk. Marylin Monroe lächelte vom Titelblatt. Am 26. August erschien die erste Ausgabe der Jugendzeitschrift "Bravo". 50 Jahre später ist sie aus dem Leben vieler Jugendlicher nicht mehr wegzudenken. Zwar muss das Heft aus dem Verlagshaus Bauer heute gegen starke Konkurrenz kämpfen. Doch Dr. Sommer, Bravo-Charts und Starschnitt genießen nach wie vor Kultstatus.
Ein Heft für Filmliebhaber sollte "Bravo" eigentlich werden, und so startete Deutschlands erstes Jugendmagazin am 26. August 1956 als "Zeitschrift für Film und Fernsehen". Erster Herausgeber war der 2005 gestorbenen Journalist Peter Boenisch.
Für 50 Pfennig ging "Bravo" damals mit Covergirl Marilyn Monroe über die Ladentheke. Dann kamen in den 60ern die Beatles, die deutsche Jugend rockte, und Stars des Rock'n'Roll verdrängten die Leinwandhelden von den Titelbildern. Waren die ersten "Bravo"-Leser noch über 20 Jahre alt, entdeckte das Magazin zunehmend den Teenager als Konsumenten.
Ohne Popgrößen, Rockstars und Sternchen hätte "Bravo" kaum ihren Siegeszug durch deutsche Kinderzimmer antreten können. Nach den Beatles füllten ABBA, Nena, Take That und Britney Spears die Seiten. Zum Renner entwickelte sich der Starschnitt. Fans sammeln Woche für Woche Fototeile und kleben ihre Stars dann liebevoll in Lebensgröße zusammen. 118 Starschnitte sind in den vergangenen 50 Jahren entstanden.
Dr. Sommer und das erste Mal
Doch nicht nur die Storys über Musik- und TV-Stars ziehen die Leser in ihren Bann. Als die Auflage Ende der 60er Jahre einbricht, heben die Bravo-Macher ein neues Thema ins Blatt: Sex. Dr. Sommer hieß die Vertrauensperson, die auch auf delikate Fragen antwortete und so zum Teenie-Chefaufklärer avancierte. Hinter dem Pseudonym verbarg sich zunächst der Jugendtherapeut Martin Goldstein.
"Dr. Sommer war für die damalige Zeit ziemlich revolutionär", sagt Klaus Farin, Leiter des deutschen Archivs für Jugendkulturen. Goldstein ist heute längst im Ruhestand und hat einem mehrköpfigen Expertenteam Platz gemacht. Obwohl Jugendliche im Fernsehen förmlich mit Sex-Themen bombardiert werden, hat Dr. Sommer nicht ausgedient. Woche für Woche beantworten die Experten bis heute Fragen rund um Liebeskummer oder das erste Mal.
Bei aller Vielfalt - ein Thema findet sich selten im Jugendmagazin. "Bravo meidet die Politik wie der Teufel das Weihwasser", sagt Farin, Organisator einer Ausstellung über "50 Jahre Bravo". Die Zeitschrift wolle bei möglichst vielen Teenies ankommen und mache daher um kontroverse Themen einen Bogen. Gemeinsam mit Prominenten startete "Bravo" allerdings kürzlich eine Aktion gegen Gewalt an Schulen.
Immer stärkere Konkurrenz
Die einstige Teenager-Bibel hat es heute nicht leicht. Lag die durchschnittliche Auflage Anfang der 90er noch bei rund einer Million Expemplare, waren es im zweiten Quartal 2006 nur noch knapp 511.000 Exemplare. Kein Wunder: Einmal vom Internet abgesehen, buhlen am Kiosk dutzende Magazine um die Gunst Jugendlicher.
Gefragt sind Spezialhefte für Mädchen, Skateboarder und Computerfreaks. "Generalisten wie die Bravo haben es schwer", sagt Farin. Nicht umsonst hat die Jugendpostille, die es auch im Ausland mit eigenen Ausgaben gibt, Ableger wie "Bravo-Girl" oder "Bravo-Sport" gegründet.
"Tokio Hotel ein typisches Bravo-Produkt"
Und noch etwas hat sich seit den goldenen "Bravo"-Zeiten verändert. "Es gibt keine ganz großen Stars mehr", sagt der Jugendforscher. Und so kreiere das Magazin seine Helden zunehmend selbst. Jüngstes Beispiel ist die deutsche Popgruppe Tokio Hotel, die die Charts im Sturm eroberte.
"Tokio Hotel ist ein typisches Bravo-Produkt", sagt Farin. Und weil die Halbwertzeit von Stars immer kürzer werde, würden mit den "Killerpilzen" schon die Nachfolger aufgebaut. Denn um die Bedürfnisse Jugendlicher zu erfüllen, braucht es Nachschub an Idolen. Bloß keinen Trend verpassen, heißt es bis heute für die "Bravo"-Redaktion. Älter ist die "Bravo" dank dieser Devise eigentlich nie geworden - nur etwas schriller.
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