Medien-Hype um 47-jährige Amateursängerin: Die ganze Welt feiert Susan Boyle
zuletzt aktualisiert: 17.04.2009 - 17:08London (RPO). Susan Boyle erobert die Welt. Die mit ihrem Gesang über Nacht zum YouTube-Star aufgestiegene Schottin entwickelt sich zum Phänomen. Der Videoclip mit Boyles Darbietung des Musical-Hits "I Dreamed a Dream" ist bereits mehr als 13 Millionen Mal angeklickt worden. Die 47-Jährige löst überall Begeisterung aus, selbst Hollywood-Star Demi Moore war "zu Tränen gerührt".
Die arbeitslose Amateursängerin hatte sich mit ihrem Auftritt bei der Fernseh-Castingshow "Britain's Got Talent" (das Pendant zum deutschen "Supertalent")am vergangenen Wochenende in die Herzen der Zuschauer gesungen. Mittlerweile hat sie gute Chancen, die TV-Talentshow zu gewinnen. Der Rummel um die bekennende Jungfrau ist schon jetzt grenzenlos.
Zeitungen und TV-Sender in und außerhalb Großbritanniens reißen sich um Interviews mit der Hausfrau, die nach eigenen Angaben "noch nie geküsst" worden ist. Fans klopfen an ihre Tür im schottischen Blackburn, um Glückwunschkarten zu überreichen oder einfach nur mit Boyle zu reden.
Das Fernsehen sendet massenhaft Portraits über die Hausfrau mit dem skurrilen Look, Musik-Fans feiern in Internet-Foren die stimmlichen Qualitäten Boyles. Der US-Nachrichtensender CNN teilte mit, er sei mit positiven Reaktionen auf die Darbietung der 47-Jährigen förmlich überschwemmt worden, Aufnahmen von der Aufführung des Songs stiegen bereits in die iTunes-Charts ein.
Und selbst Hollywood-Schauspielerin Demi Moore bekannte im Online-Netzwerk Twitter, Boyle habe sie "zu Tränen gerührt". US-Talkmasterin Oprah Winfrey outete sich ebenfalls als großer Fan - und lud Boyle bereits in ihre Show ein.
Laut der britischen "Sun" plant Talentscout Simon Cowell, der beim Auftritt auch in der Jury saß, bereits einen Plattendeal mit dem unverhofften Shooting-Star. Bei den Buchmachern gilt sie ohnehin als haushoher Favorit, die Wetten stehen bei fünf zu zwei.
Teilnahme für die Mutter
Bei "Britain's Got Talent" habe sie nur für ihre Mutter teilgenommen, sagte Boyle im Interview. "Ich wollte ihr zeigen, dass ich etwas mit meinem Leben anfangen kann". Beeindruckt hat die graue Maus bei der Sendung am vergangenen Samstag nicht nur Cowell, der normalerweise bei der Sendung "American Idol" in der Jury sitzt und wesentlich jüngere, schickere und coolere Kandidaten beurteilt.
Für ihre Nachbarn kommt Boyles Erfolg nicht überraschend. "Jeder hier wusste, dass sie singen kann, und wir haben immer gesagt, 'du solltest bei Talentwettbewerben auftreten", sagt Jackie Russell vom Happy Valley Hotel in Blackburn, wo Boyle regelmäßig Karaoke singt. "Wir waren nicht über ihr Talent überrascht, aber wir waren über die Reaktionen in aller Welt überrascht", kommentiert er die Begeisterung über Boyles Auftritt.
Die 47-Jährige selbst scheint mit ihrem neuen Ruhm nur schwer zurechtzukommen. Den Journalisten beim Interview Tee zu servieren liegt ihr offenbar mehr als Fragen zu ihrem Leben zu beantworten. "Das war surreal für mich", sagte sie. "Ich bin einfach auf die Bühne gegangen und habe es gemacht."
Jüngstes Kind und noch nie geküsst
Geboren wurde Boyle als jüngstes von neun Kindern katholischer Eltern, aufgewachsen ist sie in einer der sozial benachteiligten Regionen Schottlands. Als Kind hatte sie mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen und wurde von anderen gehänselt - und wird es heute gelegentlich immer noch. "Sie (die Kinder) denken, sie ist eine Spinnerin, aber sie hat ein einfaches Gemüt und echte Wärme", sagt Nachbar Stewart Mackenzie. Es gebe heutzutage nicht mehr viele Menschen, die so religiös seien oder sich um ihre Eltern kümmerten, "bis sie feststellen, dass sie eine alte Jungfer sind".
Ihre Mutter habe sie zu einem Auftritt bei "Britain's Got Talent" ermutigt, sagt Boyle. Aber erst nach ihrem Tod vor einigen Jahren habe sie sich getraut sich anzumelden.
An den Abend der Sendung kann sich Boyle kaum noch erinnern. "Ich hatte meine Augen die meiste Zeit geschlossen", sagt die 47-Jährige. "Mir ist wirklich nicht bewusstgeworden, was passiert ist."
Auch wenn die Schottin noch mehrere Runden bei "Britain's Got Talent" vor sich hat, sind offenbar nicht nur ihre Millionen Fans von einem Sieg bei der Sendung überzeugt. Die Nachbarn in Blackburn drücken Boyle ebenfalls die Daumen. "Wir sind sehr stolz auf sie", sagt die 22 Jahre alte Angela McKenna. "Aber wir verstehen einfach nicht, warum sie sich vor ihrem Fernsehauftritt nicht wenigstens mal die Haare gekämmt hat."
Boyles fulminanter Aufstieg erinnert an denjenigen ihres Landsmann, den Handyverkäufer Paul Potts. Mit "Nessun dorma" aus Giacomo Puccinis Oper Turandot wurde er 2007 Sieger der Show und ist mittlerweile ein gefragter Werbe- und Bühnenstar.
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