Überraschende Slogans - Durchaus satirische Anklänge: "Die Mauer muss her": "Titanic"-Redakteure gründen "die Partei"
zuletzt aktualisiert: 12.08.2004 - 10:55Frankfurt/Main/Berlin (rpo). Im September vergangenen Jahres zog die Mannschaft der Satirezeitschrift "Titanic" mit dem Slogan durch Bayern "Wir geben auf. SPD". Jetzt, ein gutes Jahr später, melden sich die Mannen um Chefredakteur Martin Sonneborn zurück auf der politischen Bühne. Dieses Mal gleich mit der Gründung einer eigenen Partei: Motto: "Die Mauer muss her!"
Die Parteizentrale befindet sich in der Mauerstraße in Berlin. Der Sitz der Zentrale ist quasi auch Parteiprogramm der neu geschaffenen politischen Institution "die Partei". Die Forderung: Die Mauer zwischen dem Osten und Westen Deutschlands muss wieder aufgebaut werden.
"Wir finden großen Zuspruch, unsere Mitgliederzahl steigt stetig", berichtet Martin Sonneborn, in Personalunion Bundesvorsitzender der Partei und "Titanic"-Chefredakteur.
Der Bundesvorstand der Partei, die sich Anfang August konstituiert hat, besteht fast ausschließlich aus Redakteuren der in Frankfurt am Main beheimateten Monatszeitschrift. Doch was zunächst nach einer rein satirischen Aktion und einem PR-Gag aussieht, hat durchaus einen ernsten Hintergrund, versichert Sonnenborn. "Uns wird zu sehr tabuisiert, dass es nach wie vor keine nationale Einheit gibt", fügt er vieldeutig hinzu.
Zwar hat "die Partei" sich auch noch andere politische Forderungen, wie beispielsweise die Gegnerschaft zu den Hartz-Reformen ins Parteiprogramm geschrieben. In der Öffentlichkeit soll aber zunächst nur mit der plakativen Forderung nach dem Wiederaufbau der Mauer geworben werden.
Zunächst wollte "die Partei" nur in Nordrhein-Westfalen antreten, wo im Mai kommenden Jahres viel beachtete Landtagswahlen anstehen. Doch nach dem großen Zuspruch wollen die Gegner der Deutschen Einheit nun auch bundesweit antreten. Bislang hat die junge Partei rund 100 Mitglieder, 400 sind laut Sonneborn für die Zulassung bei Landtagswahlen notwendig, rund 1.000 Mitglieder seien in naher Zukunft "kein Problem".
Über das Internet erhalte "die Partei" auch aus dem Osten der Republik Zuspruch. "Die Menschen dort wollen sich nicht länger bevormunden lassen", sagt Sonneborn, dem eine Art Sonderwirtschaftszone Ost vorschwebt. Eigenverantwortung sei für die Menschen im Osten wichtiger, als die Hilfe durch "abgehalfterte West-Politiker, die mit Busch-Zulagen rübergeschickt wurden".
Das Kulturmagazin "artour" des MDR wollte in seiner Ausgabe am Donnerstag über die spontane Protestbewegung der Montagsdemonstrationen berichten und den Beitrag mit dem Hinweis auf die Gründung der neuen Partei beginnen.
Allerdings sei dies nur als satirischer Einstieg gedacht, um auf das derzeitige Durcheinander hinzuweisen, betont ein Redakteur des Magazins, der die Gründung von "die Partei" als "wunderbare Persiflage" versteht und sich köstlich über Slogans wie "Auf Wiedersehen, Zonis" amüsiert.
Der Bundesvorsitzende Sonneborn lässt sich indes bei der Frage, wie ernst gemeint die Parteigründung ist, nicht in die Karten schauen: "Es ist ein ernsthaftes Austesten." Zumindest eine ernsthafte politische Absicht habe die Parteigründung auf alle Fälle: "Derzeit gibt es eine große Abkehr von den etablierten Parteien, und bevor irgendwelche Rechtsradikalen die Wählerstimmen bekommen, wollen lieber wir sie."
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