Anneke Kim Sarnau als Ermittlerin: Die Neue vom Polizeiruf 110
VON ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 - 14:24(RP). Anneke Kim Sarnau ist das Beste, was dem NDR-"Polizeiruf" passieren konnte. Als LKA-Analystin Katrin König verschafft die 38-Jährige dem ARD-Sonntagskrimi eine Polizistin wie aus dem Leben statt aus der Drehbuch-Fantasie.
Hamburg Verschnittene mittelblonde Kurzhaar-Frisur, die Klamotten eher ungebügelt und verwaschen, sie selbst auch keine glatte Schönheit – auch ihre neuste Rolle als LKA-Analystin Katrin König im "Polizeiruf 110" des NDR dürfte die Ausnahme-Schauspielerin Anneke Kim Sarnau kaum in die Verlegenheit bringen, sich in ihrem Berliner Wohnbezirk Charlottenburg künftig nach Paparazzi umdrehen zu müssen. Schön im klassischen Sinn ist Anneke Kim Sarnau nicht. Sie ist ihr eigener Typ. Und für den Polizeiruf nicht weniger als ein Glücksfall.
Kaum eine deutsche Schauspielerin hat in so kurzer Zeit so viele Preise abgesahnt wie Sarnau (zweimal Grimme-Preis, etliche Fernsehpreise) wie sie und es bis nach Hollywood geschafft. Dabei ist die 1972 in Elmshorn geborene Anneke Kim Sarnau eine Spätstarterin. Zwar spielt sie schon zu Schulzeiten Theater, beginnt aber nach dem Abitur zunächst ein Lehramtsstudium, bevor sie schließlich zur Schauspielschule nach Stuttgart wechselt. Von dort wird sie prompt am Wiener Burgtheater engagiert.
Drei Jahre hält sie es aus, dann wirft sie Burgtheater-Intendant Claus Peymann die Brocken vor die Füße. Sie schlägt sich mit Kellner-Jobs durch; auf Partys bedient sie Regisseure, in deren Stücken sie zuvor gespielt hat. Film und Fernsehen liegen ihr mehr. 1999 spielt sie ihre erste Filmrolle, 2004 steht sie in "Der ewige Gärtner" bereits an der Seite von Ralph Fiennes. Das hält sie nicht davon ab, überraschende Nonsens-Rollen wie in der Hape-Kerkeling-Komödie "Ein Mann, ein Fjord" anzunehmen und darin regelrecht aufzugehen.
Manchmal reißt sie alleine eine schwächere "Bella Block"-Folge heraus, jüngst rettete sie den Ken-Follet-Zweiteiler "Eisfieber" vor dem Abkippen ins Rosamunde-Pilcher-Klischee. Als breitbeinig fluchende und äußerst rabiate Kampfmaschine Daisy war sie Follets Lieblings-Figur in der ZDF-Verfilmung. Am Dreh-Set sei er von Anneke Kim Sarnau ein bisschen eingeschüchtert gewesen, bekannte Autor Follet.
Anneke Kim Sarnau hat eine Alt-Stimme, die Wände wackeln lässt, wenn sie loslacht. Sie ist eine, in die Männer mit einem Faible für selbstbewusste Frauen sich auf den ersten Blick verlieben. Sie würde den Schlüssel für das Fluchtauto nicht in der Handtasche verkramen. Sie beherrscht Kickboxen und Jazztanz, sie auch kann Blockflöte und Saxophon. Und hat einen offenkundigen Hang zu Polizistinnen-Rollen.
Die sind manchmal saukomisch, wie in der Krimi-Comedy-Serie "Dr. Psycho", und manchmal deprimierend traurig wie in "Die Hoffnung stirbt zuletzt", wo Sarnau 2001 mit unglaublicher Eindringlichkeit eine junge Polizistin spielte, die an den Mobbing-Strukturen um sie herum zerbricht.
LKA-Analystin Katrin König als neue Ermittlerin im "Polizeiruf" ist wieder ganz anders. Beim ersten Auftritt des neues Teams muss sie ihren Partner Alexander Bukow (perfekt besetzt: Charly Hübner) beschatten, der die Ermittlungen einer Sonderkommission hat platzen lassen und jetzt in seine Heimat Rostock zurückgekehrt ist.
Eine heimliche Revoluzzerin will Sarnau in ihrer Figur erkennen, wovon in der Auftakt-Folge "Einer von uns" jedoch nicht viel zu sehen ist. "So korrekt meine Figur auch ist, so großartig finde ich es, dass sie normal redet und nicht versucht, einen Ton anzunehmen, von dem man glaubt, dass Polizisten so reden", sagt Anneke Kim Sarnau. Glücklicherweise redet sie wie Sarnau. Und manchmal lacht sie sogar.
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