Bully sucht die starken Männer: "Die Sendung ist kacke"
VON ROSA MOYA - zuletzt aktualisiert: 16.04.2008 - 07:56Düsseldorf (RPO). Braucht Deutschland wirklich noch eine weitere Casting-Show? Dieter Bohlen spielt zum fünften Mal seine Lieblingsrolle als DSDS-Juror, Heidi Klum sucht Germany’s drittes Topmodel. Auch Hugo Egon Balder und sogar Thomas Gottschalk können es nicht lassen und suchen Musical-Darsteller. Und jetzt noch Michael "Bully" Herbig?
Gestern hat der Comedy-Star bei Prosieben die Suche nach Darstellern für seinen neuen Kinofilm "Wickie und die starken Männer" gestartet. Was hätte sich da besser angeboten als eine Casting-Show voller langhaariger Typen mit Wikinger-Helm? "Ein paar Freaks" – wen wundert es – waren auch dabei. Langhaarige, Zahnlose, Möchtegern-Rocker, und auch Bodybuilder, die ihre Muskeln spielen lassen. Doch das sollte nur Beiwerk sein – schnell gezeigt und schnell wieder ausgeblendet.
Bereits in Vorfeld hatte Bully angekündigt, er wolle für ein "angenehmes Ambiente" sorgen. "Ich habe kein Interesse, dass jemand heulend vor mir zusammenbricht." Denn – wie alle anderen vor ihm auch – hat Bully den Anspruch, eine andere Art von Casting zu machen. Das ist Bully auch tatsächlich gelungen. In einer völlig rührigen, den Kandidaten gegenüber völlig fairen, und völlig verzichtbaren Sendung.
Das Prosieben-Format bildet eine Mischung aus echtem Casting mit echten Schauspielern, etwas Making-of und ein wenig Comedy. So schiebt Bully Herbig kleine Sketch-Einlagen ein und scherzt mit Mitjuror Jürgen Vogel über seine schwache Blase. Auch erzählt der Produzent von den Kostümen und sinniert über die Kulissen aus Norwegen und Schweden. Im Mittelpunkt aber stehen "echte" Kandidaten: Meist unbekannte Schauspieler, die recht passable Darstellungen der Komik-Figuren bieten.
Da ist Nic Romm, dessen Frau Bühnenbildnerin ist und bereits mit Jürgen Vogel zusammen gearbeitet hat – und der sich als Improvisationstalent beim spontanen Speed-Dating auf der Bühne entpuppt. Da ist Peter Ulrich, der "Dubdidub"-singend über die Bühne hüpft und einen glaubhaft naiven Faxe abgibt. Da ist der Student Markus Weise, der bei seinen Eltern lebt, auf 70er-Jahre-Klamotten steht und mit aller Natürlichkeit Schauspielerin Inge Meysel, Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder imitieren kann. Und der Verwandlungskünstler Ricardo Giehl, der von der skurrilen Starsky-&-Hutch-Figur Huggy Bear über den knallharten Polizisten bis zur Heulsuse alles spielen kann – auch ohne Schauspiel-Ausbildung. Als Wickinger sehen ihn die Juroren nicht. Weiter ist er trotzdem – wie die anderen auch.
Und wenn es doch nicht reichen sollte für das Recall in Kampf um die große Wikinger-Rolle, dann weiß die Jury es den Betroffenen so taktvoll wie nur möglich beizubringen. Ganz liebevoll, ganz rührig. Das Leben geht eben weiter. Und für den einen oder anderen schon abgeschobenen Kandidaten geht sogar das Casting weiter. Weil die Jury es nicht übers Herz bringen kann, ihn doch gehen zu lassen.
Wie bei Schauspielgröße Günther Kaufmann, der nach etlichen Rollen in Fassbinder-Filmen in den 80er und 90er Jahren unter anderem in der ZDF-Serie "Derrick" mitwirkte. Im tiefsten Bayrisch redet er sich über Leberknödel in Rage und begeistert die Jury. Nicht nur durch die Darstellung, sondern vor allem für den Mut, sich als gestandener Schauspieler auf ein TV-Casting herabzulassen. Als Faxe-Darsteller ist er der Jury dann doch nicht naiv genug – und muss gehen. Da kann Bully nur traurig in die Kamera gucken – um ihn dann zurückzuholen. "Es muss doch eine Rolle geben, die zu ihm passt." Der schreckliche Sven natürlich! Das kann Kaufmann – da ist sich die Jury sicher – ganz bestimmt. Gut dass es Bully in letzter Sekunde doch noch eingefallen ist. Alle sind glücklich. Die Welt in Ordnung – und der Faxe weiterhin unbesetzt.
Und zum Schluss bringt es Jürgen Vogel – wenn auch nur als Ulk – auf dem Punkt: "Die Sendung ist kacke", sagt er zu Bully, und geht.
Wer nach zwei Stunden Casting-Marathon noch nicht eingeschlafen ist, muss tatsächlich ein echter Wickie-Fan sein. Der Film wird sicher trotzdem super, was anderes sind wir von Bully Herbig nicht gewohnt. Und auch die Kandidaten lassen ein wenig hoffen. Auf das Casting hätte man verzichten können.
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