Schon neue Produktionen: Die tägliche Dosis Gefühl - Der Boom der Telenovelas
zuletzt aktualisiert: 02.08.2005 - 08:09Berlin (rpo). Bianca und Lisa waren für das ZDF und Sat.1 die Stars der TV-Saison. Mit den Telenovelas "Bianca - Wege zum Glück" (ZDF) und "Verliebt in Berlin" (Sat.1) konnten die Sender das Publikum begeistern und hohe Quoten einfahren. Und der Boom des Genres ist noch nicht zu Ende - die Sender basteln fleißig an neuen TV-Liebesromanen.
Am Montag starteten die Dreharbeiten für die zweite ZDF-Telenovela "Julia - Wege zum Glück", die im Oktober direkt an Bianca anknüpfen soll und wieder eine dramatische Liebegeschichte bietet. Die ARD dreht seit Wochenbeginn ihre erste Telenovela. "Sturm der Liebe" soll ab Spätherbst am Nachmittag Quote machen. Der Name ist Programm: Laut ARD erlebt Protagonistin Laura Mahler (Henriette Richter-Röhl) inmitten malerischer Berglandschaft eine ebenso stürmische wie komplizierte Liebe. Ein zweistelliger Marktanteil ist nach den Worten eines ARD-Sprechers "schon sehr gewünscht".
Liebe, Erfolg und Niederlagen mit garantiertem Happy End sind die Zutaten einer klassischen Telenovela. In Lateinamerika gehört das in Deutschland noch relativ neue Genre schon seit Jahrzehnten zu den Hits. Das ZDF hatte im November 2004 mit "Bianca - Wege zum Glück" die erste deutsche Telenovela gestartet. Sat.1 begann im Februar dieses Jahres mit der Ausstrahlung von "Verliebt in Berlin".
Die Telenovelas hätten den Zeitgeschmack getroffen, glaubt der Geschäftsführer der Produktionsfirma Grundy UFA, Rainer Wemcken. Die Voyeurismus-Phase im TV gehe dem Ende zu und man nähere sich der Herzschmerz-Phase. Außerdem wisse der Zuschauer sehr schnell, um was es in den Telenovelas gehe. Sechs bis acht davon könnte es in der kommenden TV-Saison geben, schätzt Wemcken.
Die Telenovela vermittle die "tägliche Dosis Romantik und Gefühl", sei aber trotzdem aktuell erzählt, betont Christof Königstein, Redaktionsleiter Unterhaltung-Wort beim ZDF. Auch könne man vermuten, dass in kälteren gesellschaftlichen Zeiten wärmere Geschichten gut ankommen. Die Nachmittags-Telenovela "Bianca" hat nach Königsteins Angaben im Durchschnitt gut 20 Prozent Marktanteil. Damit ist das ZDF "höchst zufrieden". Günstiger als Hauptabend-Formate ist die Produktion auch. Das Budget für den Nachmittag sei etwas geringer, da müsse man schon auf die Kosten schauen.
Gefühl plus Niveau
Auch Sat.1 will nach Angaben von Sprecherin Kristina Faßler an seinen "Erfolg des Jahres" anknüpfen. Der Sender kündigte vor kurzem an, die Geschichte um das hässliche Entlein Lisa Plenske (Alexandra Neldel), das sich in seinen Chef bei einer Modefirma verliebt, um sechs Monate zu verlängern. Nach Ansicht von Faßler ist Protagonistin Lisa eine "starke Identifikationsfigur".
Zudem arbeitet Sat.1 derzeit an einer Nachfolgegeschichte seiner Vorabend-Telenovela. Über den Inhalt will Faßler noch nichts verraten. Das Format werde aber eine Eigenentwicklung und wie bereits sein Vorgänger keine "Klassiker-Telenovela", sondern enthalte wie "Verliebt in Berlin" eine witzige Seite. Gefühle plus Humor lautet die Devise.
Selbst der deutsch-französische Kulturkanal Arte ist von dem Fieber gepackt und kündigte vor kurzem eine Telenovela der anderen Art an. Ab Oktober werde der Sender zur Prime Time fünf Wochen lang die Serie "Venus und Apoll" ausstrahlen, sagte Arte-Präsident Jérome Clément jüngst. Das Format werde "originell, lustig und bizarr zugleich" sein und dennoch zu Herzen gehen.
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