Schlechte Bildqualität: Digitales Kabelfernsehen enttäuscht
VON THOMAS LÜCKERATH - zuletzt aktualisiert: 26.01.2006 - 15:31Düsseldorf (rpo). Die digitale Einspeisung der FreeTV-Sender in den meisten deutschen Kabelnetzen wurde vor wenigen Wochen als Durchbruch gefeiert. Weil allerdings aus Kostengründen und mangelnder Kapazität an der Bildqualität gespart wird, gerät das digitale Kabel-TV zum ersten Flop des Jahres.
Seit Anfang Januar können die Sender der RTL-Gruppe fast bundesweit, die Sender von ProSiebenSAT.1 in einigen Kabelnetzen digital empfangen werden. Wurde jahrelang eine bessere Bildqualität dank digitaler Übertragung versprochen, sieht der Kabel-Kunde davon bislang wenig. Bei schnellen Bilder, etwa actionreichen Hollywoodstreifen oder schnell animierten Sendungsvorspännen, verpixelt das Fernsehbild, bleibt im schlimmsten Fall kurz stehen.
Hintergrund: Im digitalen Kabelnetz werden die Programme mit unterschiedlichen Bandbreiten verbreitet. Dass die Mehrheit der Programme mit schwächerem Signal gesendet wird, hat einen Grund, über den die Kabelnetzbetreiber ungern sprechen. Trotz Lobliedern auf die Möglichkeiten des digitalen Kabelnetzes reizt man die derzeitigen Kapazitäten der Technik schon fast bis zum Maximum aus. „Es ist sicher so, dass das Kabelnetz grundsätzlich nur eine begrenzte Kapazität hat“, gibt man bei Unity Media, dem Kabelnetzbetreiber in NRW und Hessen, auf Anfrage auch kleinlaut zu.
Beim größten deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, dort sind bislang nur die Sender der RTL-Gruppe offiziell eingespeist, sieht man sich nicht in der Verantwortung für die Bildqualität: "Bei der Signaleinspeisung sind wir immer darauf angewiesen, in welcher Qualität der jeweilige Sender sein Signal anbietet", wie ein KDG-Sprecher auf Anfrage mitteilt. Es herrscht eher Unverständnis: Bislang nutze die RTL-Gruppe nicht einmal die volle Bandbreite, die man vertraglich für die Sender RTL, VOX, RTL II, Super RTL und n-tv reserviert habe.
Bei ProSiebenSAT.1 bestreitet man jegliche Qualitätseinbußen. Innerhalb der Sendergruppe könne man die Bandbreite je nach Bedarf variieren, um so z.B. auf Bandbreiten-intensive Actionfilme bei ProSieben zu reagieren. "Der Zuschauer merkt keinen Unterschied zwischen analogem und digitalem Empfang", so die Auskunft. Für eine Technik, die jahrelang als Qualitätsverbesserung herbeigesehnt wurde, ist dies eine ernüchternde Aussage.
Die digitale Zukunft, in der Form, wie Kabelnetzbetreiber sie seit Jahren versprechen, wird frühestens 2009 Wirklichkeit. Bis dahin haben Kabel Deutschland und Unity Media den Sendern die parallele analoge Ausstrahlung zugesichert. Erst wenn die Übertragungen der analogen TV-Signale wegfallen, kommt der Spielraum für die oft angepriesenen unbegrenzten Möglichkeiten.
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